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Medien & TV „Lie to me“: Nichts als die Wahrheit
Nachrichten Medien & TV „Lie to me“: Nichts als die Wahrheit
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19:52 09.03.2010
Von Dany Schrader
Ein Leben für die Lüge: Dr. Lightman (Tim Roth) entlarvt Menschen anhand ihrer Mimik.
Ein Leben für die Lüge: Dr. Lightman (Tim Roth) entlarvt Menschen anhand ihrer Mimik. Quelle: Handout
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Die Lüge hat viele Gesichter. Mal sind es nach oben gezogene Augenbrauen, die von der Unwahrheit zeugen, mal ist es eine winzige Spur der Verachtung, wie ein einseitig herunterhängender Mundwinkel. Dr. Cal Lightman (Tim Roth) aber lässt sich nicht täuschen. Er liest in den Gesichtern anderer Menschen wie in einem offenen Buch. Die Hauptfigur der neuen US-Krimiserie „Lie to me“ („Belüge mich“) ist ein Einzelkämpfer, der schon allein wegen seiner Überlegenheit nicht so recht in unsere verlogene Gesellschaft passen mag. Eine Redewendung besagt, dass ein Mensch lügt, sobald er den Mund aufmacht – wissenschaftlich erwiesener Durchschnitt sind drei Unwahrheiten in zehn Minuten.

Cal Lightman lebt mit diesem Wissen aus der Wahrnehmungsforschung wie mit einer Bürde. Der Experte ist der Erste, der anhand der Mimik entdeckt, wenn ein Mensch lügt. Und er ist der Erste, der unangenehme Wahrheiten aussprechen muss. Selbstverständlich lässt sich mit dieser Gabe viel Geld verdienen. Mit seinem eigenen Unternehmen, der „Lightman Group“, bearbeitet der Wissenschaftler Aufträge für Polizei und Staatsschutz. Im ersten Fall geht es um einen Jugendlichen, der einen Mord an seiner Lehrerin begangen haben soll. Doch Lightman zweifelt an seiner Schuld und entspinnt gemeinsam mit seiner Partnerin Gillian Foster (Kelli Williams) Stück für Stück ein Netz aus Unwahrheiten und Betrug. Während Lightman in den Gesichtern liest, studiert Foster Stimme und Wortwahl der Zeugen und nimmt bisweilen auch das exzentrische Verhalten Lightmans kritisch unter die Lupe. Als der schrullige Doktor etwa bei der Parkplatzsuche mit einem anderen Autofahrer aneinandergerät, entgegnet sie schnippisch: „Gratuliere, einen Lügner erwischt – sechseinhalb Milliarden sind es noch.“

Und doch sind es weniger die zunächst noch etwas bemüht wirkenden Hauptfiguren – neben Lightman und Foster zählen noch die hochbegabte Ria Torres (Monica Raymund) und der radikal ehrliche Wissenschaftler Eli Loker (Brendan Hines) zum Team –, die im Vordergrund stehen. Es geht vielmehr um die bemerkenswerte Idee: Denn anders als Produktionen wie „Bones – Die Knochenjägerin“ basiert die neue Krimireihe einmal nicht auf einem Roman, sondern auf einer wissenschaftlichen Vorlage. Die Inspiration für „Lie to me“ zogen die Macher aus Paul Ekmans „Gefühle lesen“. Der inzwischen emeritierte Psychologieprofessor der University of California in San Francisco galt lange als führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Wahrnehmungsforschung. In einem Atlas hat Ekman, der ebenfalls für die Regierung arbeitete, einen Teil der mehr als 10 000 menschlichen Gesichtsausdrücke archiviert. Die Untersuchungen des Psychologen ergaben unter anderem, dass Mimik keineswegs erlernt, sondern angeboren ist. Menschen, die blind zur Welt gekommen sind, zeigen beim Lügen dieselben Regungen wie Sehende. Und egal, ob es sich um Naturvölker oder Mitglieder einer zivilisierten Gesellschaft handelt – beim Lügen sind offenbar alle Menschen gleich.

Auch in der Serie wird in Ansätzen von Ekmans Theorien berichtet. Wenn Lightman in der Hochschule eine Vorlesung hält, ist der Zuschauer reizvollerweise dabei. Auf diese Weise lässt sich in dieser moralischen Krimireihe etwas fürs Leben lernen. Wie schmerzvoll das mitunter sein kann, zeigt sich bereits in der ersten Folge, als Lightman die Lüge im Gesicht des Ehemannes von Geschäftspartnerin Foster entdeckt. Er entschließt sich jedoch, zu schweigen. Als Kollegin Ria Torres daraufhin entgeistert fragt, was sie nun noch glauben solle, entgegnet der Doktor: „Glauben Sie einfach, was Sie wollen. Das machen wir doch alle so.“

„Lie to me“
Vox Krimiserie, jeweils mittwochs

Beginn heute, 21.15 Uhr