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Medien & TV Merkel in der Google-Presse
Nachrichten Medien & TV Merkel in der Google-Presse
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08:14 19.09.2012
Die automatisierten Vorschläge der Suchmaschine Google offenbaren, wofür sich Wähler wirklich interessieren. Quelle: Screenshot
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Hannover

Ganz oben rangieren bei den Vorschlägen zur Suche auch die Wörter Ehemann, Gehalt, privat. So gesehen ist die Suchmaschine nichts anderes als ein digitales Schlüsselloch: Das Gros der Nutzer hofft offenbar, mit Google intime Details zur Bundeskanzlerin in Erfahrung zu bringen.
„Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider“, heißt es bei Google. Die Resultate seien das „algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe“. Das heißt: Die Sensationslust des Publikums spiegelt sich direkt in der Vorschlagsliste wider. Das gilt für Menschen wie Bettina Wulff, die aktuell gegen diesen Automatismus klagt.

Das gilt aber auch für das Bundeskabinett von Angela Merkel (CDU). Wer ist mit wem zusammen und hat wie viele Kinder? Auf diese Frage lässt sich das Hauptinteresse der Google-Nutzer, ergo  Wähler, reduzieren. Der Google-Check dürfte sämtliche PR-Strategen und Politiker eines Besseren belehren, die darauf pochen, dass Deutschland weit von US-amerikanischen Verhältnissen entfernt ist.

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Dort sind Privates und Politisches eng verquickt. Wer Wahlen gewinnen will, muss blankziehen: Das fängt bei der Veröffentlichung der Steuererklärung an und hört nicht bei öffentlichen Liebeserklärungen an die Ehepartner auf. Wer ohne Trauschein und Kinder ist, gilt in den Vereinigten Staaten als so gut wie chancenlos, wenn es um die Spitzenposten geht. Dass sich Politiker wie SPD-Chef Sigmar Gabriel mit Kinderwagen und Außenminister Guido Westerwelle mit Ehemann fotografieren lassen, zeigt aber, dass auch die politische Klasse hierzulande die Zeichen der Zeit erkennt.

Wer das schwarz-gelbe Kabinett durchgoogelt, stößt immer wieder auf Begriffe wie Familie, Kinder, Ehefrau, Partnerin, Freund. Dabei sind einige Vorschläge zumindest nachvollziehbar, andere eher abwegig. Warum etwa an Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) das Interessanteste seine Ehefrau Martina ist und nicht die Umsetzung der Bundeswehrreform – oder zumindest der Diebstahl seines privaten Audi A4 in Dresden –, erschließt sich nicht sofort. Doch die Suche nach dem Familienstand zieht sich wie ein roter Faden durch das Kabinett. Beim liberalen Teil der Regierungsmannschaft spielt zudem die sexuelle Orientierung ein große Rolle, kaum ein männlicher Minister kommt – ähnlich wie zahlreiche Fußballer – ohne den Begriff „schwul“ bei Google aus. Doch auch Umweltminister Peter Altmaier, Bildungsministerin Annette Schavan und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (alle CDU) müssen damit leben, dass Menschen das Internet nach ihren ganz privaten Vorlieben durchforsten.

Bei Pofalla scheint zudem sein Jobprofil unklar zu sein: „Aufgaben“ bietet die Suchmaschine auf Platz fünf an. Immerhin ist der sonst unscheinbare Rechtsanwalt berüchtigt für seine Rhetorik: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ schlägt Google nach der Eingabe „Ronald Pofalla“ vor. Diese Beleidigung schmiss der Mann, der Merkels Machtapparat zusammenhalten soll, seinem Parteifreund Wolfgang Bosbach einst an den Kopf. Von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist immerhin bekannt, dass er hervorragend Klavier und Akkordeon spielt („Klavierunterricht“).

Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) dürfte sich indessen öfter fragen, ob man den Google-Algorithmus nicht doch abschaffen kann. Seine ersten vier Einträge: Teppich, Wiki, schwul, Mütze. Politische Initiativen zum Wohle der Schwellen- und Entwicklungsländer? Fehlanzeige. Auch FDP-Außenminister Guido Westerwelle wird eher mit Seichtem als mit knallharter Diplomatie in Verbindung gebracht: Bei ihm suchen Menschen nach „Big Brother“, „Mallorca“ oder gleich nach der „neuen Brille“. Da helfen auch noch so viele staatstragende Auftritte nichts: Google zeigt das wahre Image.

Bei Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hingegen interessieren sich Nutzer tatsächlich dafür, wofür er eigentlich bezahlt wird. Im Suchfenster erscheinen Wörter wie Islam, Olympia, Salafisten, Vorratsdatenspeicherung – und Bushido. Dem Rapper hatte der Minister beim diesjährigen Sommerfest des Parlamentskreises Mittelstand der Union mal väterlich den Arm um die Schulter gelegt – und wurde dabei geknipst.

Mit einem Küchenutensil wird jedoch nur die Regierungschefin in Verbindung gebracht. Angela Merkel ist zwar eher für ihre Kartoffelsuppe bekannt, ziert aber auch mit saurer Miene die Zitronenpresse „Angie“ der Firma Dinamo. Zu haben für schlappe 17,40 Euro.

Maike Kramm und Maja Heinrich

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