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Medien & TV Monica Lierhaus kehrt vor die Kamera zurück
Nachrichten Medien & TV Monica Lierhaus kehrt vor die Kamera zurück
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20:31 07.02.2011
Von Imre Grimm
Bei der Verleihung der Goldenen Kamera war Monica Lierhaus nach langer Krankheit wieder an die Öffentlichkeit getreten.
Bei der Verleihung der Goldenen Kamera war Monica Lierhaus nach langer Krankheit wieder an die Öffentlichkeit getreten.
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Der Moment, als das echte Leben die zähe, künstliche Weihestimmung dieser Gala unterbricht, die doch eigentlich den Glamour feiern will, rührt Millionen zu Tränen. Plötzlich ist alles egal, die Fernsehköche, die Spaßroutine, das kalte Lächeln von Renée Zellweger. Denn jeder kann mit eigenen Augen sehen, dass diese 40-jährige Frau da oben auf der Bühne einen schweren Kampf kämpft, dass Monica Lierhaus nicht mehr die lebhafte, coole, taffe Erfolgsfrau ist, die sie war, bis zu jener verhängnisvollen Operation im Januar 2009. Dass dieser mutige, irritierende Auftritt nach 760 Tagen zwischen Leben und Tod keine nahtlose Rückkehr in ihr altes Leben ist, sondern nur ein leises Echo der Zeiten, in denen Monica Lierhaus eine Sportmoderatorin war. Nicht irgendeine, sondern „das Kronjuwel der ARD“, wie Laudator Günter Netzer sagt.

Ein Vier-Minuten-Auftritt beschäftigt die Deutschen, auch zwei Tage danach. „Da bin ich“, sagt Lierhaus. Viele weinen. Gefasst, konzentriert, mit hoher, rauer Stimme, meldet sie sich zurück im „Leben Nr. 2“, wie sie das nennt. „Es ist schon sehr lange her, dass ich das letzte Mal auf einer Bühne stand“, sagt sie. Am Ende dann eine Pointe, wie sie das Medium liebt: „Ich möchte dich fragen, ob du mich heiraten willst“, fragt sie ihren Lebensgefährten Rolf Hellgardt (42). Der sagt viermal „Ja“. „Super“, sagt sie lächelnd. Und dann sinkt er vor ihr auf die Knie und flüstert: „Du bist meine Frau.“

Das war ganz großes Fernsehen, selbstverständlich, auch wenn jetzt manche nölen, dass TV-Heiratsanträge immer so ein bisschen ... nun ja. Kitsch? Zweitrangig. Es ist ihr Leben, und sie wählte nun mal kein trautes Zwiegespräch für ihre Rückkehr, sondern die ganz große Bühne. Und natürlich war es ein echter Coup für den Springer-Verlag, dessen „Bild am Sonntag“ die Geschichte der Monica Lierhaus exklusiv vermarktet hat. Vor allem aber war die überraschende Rückkehr eine Mahnung daran, dass „Erfolg“ auch heißen kann, wieder sprechen und laufen zu können.

Die meistgestellte Frage nach diesem Auftritt bei der „Goldenen Kamera“ lautete, ob es eine berufliche Zukunft für Monica Lierhaus bei der ARD gibt. Gestern dann meldete das Erste, etwas überrollt von den Ereignissen, dass die gebürtige Hamburgerin eine neue Heimat bei der ARD bekommt: Sie wird „in den kommenden Wochen“ neue Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ – als Nachfolgerin von Frank Elstner, der seit 2004 im Einsatz war. Ein erster Fernsehlotterie-Spot mit Lierhaus soll bereits abgedreht sein. Es ist ein Anfang. Zur „Sportschau“ dagegen wird sie vorerst nicht zurückkehren.

„Nach heutigem Stand muss ich leider sagen, dass ich auf absehbare Zeit die ,Sportschau’ nicht werde moderieren können“, ließ sie gestern mitteilen. Aber: „Die ,Sportschau‘ ist und bleibt meine große Leidenschaft, und ich arbeite jeden Tag sehr hart daran, eines Tages für diese Sendung wieder vor der Kamera stehen zu können.“ Auch ARD-Programmchef Volker Herres schloss eine Rückkehr nicht aus: „Wann immer es so weit ist – ihr Platz wird frei sein.“

„Die Verantwortlichen der ARD haben immer zu mir gehalten“, dankte Lierhaus. Tatsächlich reservierte die Sportredaktion der Erkrankten zwei Jahre lang ihren Arbeitsplatz, was sie „stolz und dankbar“ mache. Nun aber sollen Gerhard Delling und Reinhold Beckmann eine Kollegin bekommen. Eine Entscheidung über diese Personalie falle „in der nächsten Zeit“, sagte gestern ARD-Sportkoodinator Axel Balkausky. Dass Lierhaus ihr Comeback exklusiv von Springer vermarkten ließ und nicht bei ihrem Heimatsender ARD, sondern bei einer „Hörzu“-Gala im ZDF auftrat, sehen die ARD-Verantwortlichen gelassen. „Das war ihre persönliche Entscheidung, die wir selbstverständlich respektieren“, sagte Balkausky. Keinen Zweifel ließ Lierhaus daran, dass sie wieder arbeiten will.

Oder gar muss? Ein mit 850.000 Euro pro Jahr dotierter ARD-Vertrag war laut „BamS“ kurz vor ihrer Erkrankung nicht rechtskräftig geworden. Therapien und Reha müssen viel Geld verschlungen haben. „Das Wichtigste für mich ist nun, meine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit wiederzuerlangen“, hatte sie selbst in ihrer Rede gesagt. Tatsächlich hat sich die ARD in ihren internen Leitlinien „11/12“ dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderungen nicht auszugrenzen. Das betrifft auch die eigenen Mitarbeiter: „So sollen Menschen mit Behinderungen auch vor und hinter der Kamera, am Mikrofon und an anderen Arbeitsplätzen eingesetzt werden“, heißt es auf Seite 109. Topjob trotz Handicap? Die „Sportschau“ also, irgendwann später, mit der bedächtigeren, veränderten Monica Lierhaus? Das wäre ein Meilenstein der Integration.