Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV „Philosophie muss relevanter werden“
Nachrichten Medien & TV „Philosophie muss relevanter werden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:30 01.09.2012
Am Sonntag startet die neue Philosophie-Sendung von Richard David Precht.
Am Sonntag startet die neue Philosophie-Sendung von Richard David Precht. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Gucken Sie fern – und wenn ja, wie viel?

Früher habe ich viel Fernsehen geguckt. Ich war zehn Jahre lang in der Jury zum Grimme-Preis. In den letzten Jahren lässt mir aber meine Lebensweise kaum noch Zeit dazu.

Ihre Philosophiesendung im ZDF heißt „Precht“. Die erste Ausgabe trägt den Titel „Skandal Schule – Macht Lernen dumm?“. Ihr Gast ist der Hirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther. Welche Themen und Gäste werden folgen?

Die akademische Philosophie spielt sich in Deutschland hauptsächlich auf dem Feld der analytischen Philosophie ab, also der Sprachanalytik, einem intellektuellen Schachspiel. Der andere Teil ist Vermittlung von historischem Wissen. Wenn die Philosophie Relevanz zurückgewinnen möchte, muss sie sich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen, zum Beispiel mit Gentechnik oder Wirtschaft. Unser Format ist so angelegt, dass grundsätzlich jedes Thema, auf das man eine philosophische Perspektive werfen kann, in Betracht kommt.

Und die Gäste? Wer steht auf Ihrer Wunschliste ganz oben?

Ich möchte eigentlich keine Namen nennen, kann aber sagen, dass der Gast der zweiten Sendung Mathias Döpfner sein wird.

Was wollen Sie mit dem Springer-Vorstandsvorsitzenden besprechen?

Herr Döpfner hat ein Buch mit dem Titel „Die Freiheitsfalle“ geschrieben. Wir werden uns über das Thema Freiheit unterhalten.

Können Sie sich auch Peter Sloterdijk als Gast vorstellen, oder sind Sie beleidigt, dass er Sie als „André Rieu der Philosophie“ bezeichnete?

Ich kann mir das natürlich vorstellen. Allerdings weiß ich nicht, ob er käme. Ich habe eine hohe Meinung von Peter Sloterdijk. Ich bin selbst Gast in seiner Sendung gewesen und habe mich da sehr wohlgefühlt.

Worin liegt der Unterschied zum „Philosophischen Quartett“?

Es ist ein großer Unterschied, ob zwei Leute reden oder vier. Ich glaube, dass wir mit unserem Format eine intensivere Gesprächsatmosphäre erhalten, als das beim Quartett möglich war.

Ein leuchtender Tisch, darüber eine Lampe des Stardesigners Ron Gilad, intime Nahaufnahmen auf zwei sehr nahe beieinandersitzende Gesprächspartner. War es Ihr Wunsch, das Format so zu gestalten?

Das war durchaus mein Wunsch. Zu große Distanz führt nur dazu, dass die Leute Rollen spielen. Ich will aber nicht mit jemandem da sitzen, der Staatsmann oder Philosoph spielt.

Als Fernseh- und Bestsellerphilosoph  hat man es nicht immer leicht, ernst genommen zu werden. Haben Sie noch höhere Ambitionen als ein eigenes Format im ZDF?

Ich bin Honorarprofessor an zwei Universitäten. Mein Ehrgeiz auf diesem Gebiet ist gestillt. Ich mache in Lüneburg ein volles Seminar- und Vorlesungsprogramm und werde dort von meinen Kollegen ausgesprochen nett behandelt. Mein Buch „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ ist von sieben Professoren gegengelesen worden. Ich bin mit vielen akademischen Philosophen befreundet. Aber ich weiß, dass es in Deutschland immer wieder Kritik an der Popularisierung von Philosophie gibt. In der angelsächsischen Welt ist das anders. In zehn Jahren wird auch in Deutschland die Unterscheidung zwischen akademischen Philosophen und „public philosophers“ irrelevant sein.

Welchen Zuschauer stellen Sie sich als Adressaten für „Precht“ vor?

Fachphilosophisch gebildete Fernsehzuschauer, von denen es nicht viele gibt, werden sagen: „Na ja, das ist so ein Allerweltsplausch.“ Menschen, die sich mit philosophischen Themen nicht näher beschäftigt haben, werden sich hingegen anstrengen müssen, um zuzuhören. Ich gehe von Leuten als Adressaten aus, die immerhin den Namen Wilhelm von Humboldt schon mal gehört haben.

Halten Sie auch schwierige philosophische Fragen für vermittelbar?

Ich halte es mit Immanuel Kant. Dieser überarbeitete seine „Kritik der reinen Vernunft“, nachdem er feststellte, dass sich selbst Gebildete schwer damit taten. Kant sagte, etwas Philosophisches, das für die Gebildeten nicht ohne Weiteres verständlich sei, sei Unsinn. Tatsächlich aber ist Kants Buch trotz Überarbeitung schwer verständlich.

Haben Sie den Ehrgeiz, mehr Zuschauer zu erreichen als das „Philosophische Quartett“, bei dem im Schnitt eine halbe Million Menschen einschaltete?

Ich sehe mich in keinerlei Konkurrenzsituation zum „Philosophischen Quartett“. Ich meine das ganz ehrlich. Aber sportlichen Ehrgeiz habe ich durchaus, möglichst viele Leute zu erreichen und für das, was wir machen, zu interessieren.

Interview: Johanna Di Blasi

31.08.2012
Medien & TV Schwere Sicherheitslücke schließen - Wichtiges Java-Update jetzt verfügbar
31.08.2012
31.08.2012