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Medien & TV "Nie so viel Elend und Verzweiflung gesehen"
Nachrichten Medien & TV "Nie so viel Elend und Verzweiflung gesehen"
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09:09 01.02.2016
Der Arzt Raphaele Lindemann ist Arzt in einem Erdinger Erstaufnahmelager. Seine Erfahrunge schilderte er in einem langen Posting bei Facebook. Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa/Montage
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Erding

Seit vier Wochen versorgt der Mainzer Mediziner Raphaele Lindemann Flüchtlinge in einem Erdinger Erstaufnahmelager. Seine Erfahrungen teilte der Arzt in einem aufsehenerregenden Posting bei Facebook. Inzwischen wurde der Bericht "über die tatsächliche Situation der ankommenden Flüchtlinge", wie Lindemann schreibt, über 270.000 mal geteilt.

Der Arzt berichtet beispielsweise von seiner Erfahrung, einen vier "Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hier her geschafft wurde". Gleichzeitig räumt Lindemann so mit einem gängigen Vorurteil auf: Anders als von vielen angenommen, handele es sich bei den ankommenden Flüchtlingen nicht überwiegend "um junge, gesunde Männer". Seiner Einschätzung nach seien mindestens 40 Prozent der "etwa 300 bis 500 Flüchtlinge", die er pro Schicht begutachtet, Kinder. Nie zuvor habe der junge Mann "so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen".

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Flüchtende leben "nicht in der Steinzeit"

Weiter nimmt Lindemann Stellung dazu, dass viele Flüchtende Smartphones besitzen. Das Thema wurde in der Vergangenheit häufig kontrovers diskutiert. Der Mediziner sieht das allerdings nicht "als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit", sondern als selbstverständlich. Schließlich hätten die Flüchtlinge "nicht in der Steinzeit gelebt" oder seien "aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen". Statt die ankommenden Flüchtlinge zu verurteilen, wirbt er für Verständnis: Smartphones seien für viele die einzige Möglichkeit "zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen". 

In seinem Posting appelliert der Arzt nicht nur an die Menschlichkeit, sondern nimmt die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schutz. Die "Grenzen dicht" zu machen und so zu tun als sei Merkel an "allem Elend dieser Welt Schuld" hält Lindemann nicht für die langfristige Lösung des Problems. Stattdessen ruft er zum Handeln auf: "Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das."

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