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Medien & TV Reporter beklagen mangelnde Pressefreiheit in arabischen Ländern
Nachrichten Medien & TV Reporter beklagen mangelnde Pressefreiheit in arabischen Ländern
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09:41 04.05.2011
ktivisten der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ projizieren das Porträt des syrischen Präsidenten Assad mit dem Schriftzug „Einer von 38 Feinden der Pressefreiheit“ an die Fassade der syrischen Botschaft in Berlin. Quelle: dpa
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In Ägypten und Tunesien gibt es trotz der erfolgreichen Revolutionen nach Einschätzung von Experten noch keine echte Pressefreiheit. Nach Jahrzehnten von Zensur und Korruption müssten die Medien erst ganz neue Arbeitsweisen lernen, sagte der Blogger und tunesische Jugend-Staatssekretär Slim Amamou am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion in Berlin. „Formal ist die Presse heute völlig frei, aber sie ist an die Freiheit nicht gewohnt.“

Zu der Debatte am Tag der Pressefreiheit hatten der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV), der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ geladen.

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Die tunesische Menschenrechtlerin und Radiomacherin Sihem Bensedrine sagte, die privaten Medien (rund 60 Prozent) würden häufig noch von den gleichen Personen geführt wie früher; die staatlichen (40 Prozent) seien in einem sehr schlechten Zustand. „Das öffentliche Fernsehen hat 1300 Angestellte, aber es arbeitet, als wären nur 20 Leute dort.“

Die mehrfach preisgekrönte Menschenrechtsaktivistin leitet selbst ein Internet-Radio, das von der neuen tunesischen Übergangsregierung noch keine Lizenz bekommen hat. Sie vermute dahinter konterrevolutionäre Kräfte, die vor den Wahlen im Juli kein Interesse an einer umfassenden Information der Bürger hätten. „Unsere Revolution war schon ein Wunder. Aber die Zeit danach ist noch viel schwieriger“, so Bensedrine.

Aus Ägypten berichtete der Istanbuler ZDF-Korrespondent Halim Hosny von einer grundsätzlich guten Stimmung und hohen Erwartungen. Auch hier könnten jedoch erst die Wahlen der Lackmus-Test für eine wirklich demokratische Entwicklung sein. Eine Schlüsselrolle spielt dort nach Darstellung des Nahostberaters Michael Lüders die Armee. Sie sei ein Staat im Staate und habe kein anderes Interesse, als ihre Privilegien zu erhalten.

dpa