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Medien & TV „Shitstorm“ ist Anglizismus des Jahres
Nachrichten Medien & TV „Shitstorm“ ist Anglizismus des Jahres
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19:38 13.02.2012
Seit 2010 kürt eine Wissenschaftsjury den Anglizismus des Jahres. Quelle: dpa
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Hamburg

 Als „Shitstorm“ wird die öffentliche Entrüstung im Netz bezeichnet, bei der sich Argumente mit Beleidigungen und Bedrohungen mischen, zuletzt etwa gegen Banken. Auf den zweiten Platz wählte die Jury „Stresstest“, das im Dezember bereits zum „Wort des Jahres“ gekürt worden war. „Das Wort ist interessant, weil es auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht“, sagte Jurymitglied Kristin Kopf. Auf Rang drei landete „circeln“. Der Begriff stammt aus dem sozialen Netzwerk Google+ und bedeutet, jemanden zu einer Kontaktliste hinzuzufügen.

Die Wissenschaftlergruppe kürt seit 2010 den Anglizismus des Jahres und will damit ein Zeichen für den positiven Einfluss der Worte englischen Ursprungs auf die deutsche Sprache setzen. Sie wählten diesal aus knapp 60 Vorschlägen aus, darunter „Cyberkrieg“, „Tablet“, „Cloud“ und „Occupy“.

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Das Wort „Shitstorm“ füllt für Stefanowitsch „eine Lücke im deutschen Wortschaft, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat“. Die deutschen Begriffe Kritik oder Sturm der Entrüstung griffen in diesem Zusammenhang zu kurz. Die Zusammensetzung von Shit (Scheiße) und Storm (Sturm) sei auch nicht vulgär. „Natürlich handelt es sich um einen gewollt derben Ausdruck, dem man seine Herkunft aus dem amerikanischen Slang ansieht“, sagte der Wissenschaftler. „Aber gerade der klare Lehnwortcharakter des Wortes federt diese Derbheit soweit ab, dass das Wort auch im öffentlichen Sprachgebrauch akzeptiert ist.“ In der Jury sitzen neben dem Hamburger Sprachwissenschaftler die Anglistin Susanne Flach aus Berlin, die Germanistin Kristin Kopf aus Mainz, Michael Mann von der Universität Erlangen-Nürnberg und der Leipziger Sprachwissenschaftler Jan Wolgemuth.

Wie schnell ein „Shitstorm“ entsteht, musste Regierungssprecher Steffen Seibert erleben, der den Internet-Dienst Twitter eifrig nutzt. Viel Kritik und Häme prasselt seit Sonntag auf ihn ein, weil er das umstrittene Urheberrechtsabkommen ACTA verteidigt hat. In der Bundespressekonferenz gab er sich am Montag gelassen. Er habe so etwas erwartet. „Das ist das, was man erlebt, wenn man im Twitter-Account Stellung bezieht.“ Im Internet gelte die Meinungsfreiheit, sagte der Regierungssprecher, auf Twitter mit dem Namen @RegSprecher unterwegs. Schön wäre es, wenn es auch im Internet mehr Höflichkeit gäbe. „Dann kämen wir alle besser voran.“

Auslöser der Empörung war die Erklärung Seiberts: „Geistiges Eigentum muss auch im Netz geschützt werden. In der engagierten Debatte über acta darf nicht vergessen werden: Raubkopien, Patentverletzungen u. Fälschungen verursachen jährlich Milliardenschäden.“ Seibert reagierte damit auf die Anfrage eines Twitterers vom Vorabend. In der Flut von Entgegnungen warfen viele dem Regierungssprecher vor, sich auf einseitige Informationen der Musik- und Filmbranche zu stützen und auch deren Begriff der „Raubkopien“ zu übernehmen.

dpa/frs