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17:27 08.11.2014
Von Imre Grimm
Nicht sehr beliebt: GDL-Chef Claus Weselsky.
Nicht sehr beliebt: GDL-Chef Claus Weselsky. Quelle: Reuters
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Hannover

Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) rangiert derzeit nicht nur bei denen, die frierend an einem toten Gleis stehen, in der Beliebtheit irgendwo zwischen Franz-Peter Tebartz-van Elst und Godzilla - auch nach dem für heute Abend angekündigten vorläufigen Streikende. Es ist nicht so, dass Weselsky nichts zu diesem verheerenden Ruf beigetragen hätte. Trotzdem hat die flächendeckende mediale Dämonisierung des Claus W. ein Ausmaß erreicht, das niemand verdient, der nicht mindestens schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat.

„Bild“ druckte 2,4 Millionen Mal seine persönliche Telefonnummer und hetzte die Leser auf, dem „Bahnsinnigen“ die Meinung zu geigen. „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner sorgt sich um „Töchter, die ins Hospiz zu ihren alten Vätern wollen“. „Focus.de“ zeigte Bilder des Privathauses (Altbau!) vom „Rambo-Gewerkschafter“ samt Klingelschild und Adresse („So versteckt lebt der meistgehasste Deutsche“). Medien schrieben vom „durchgeknallten Schienen-Honecker“ und verglichen ihn mit Terroristen, Menschenschlächtern und Diktatoren. Futter für den wütenden Mob. Pogromstimmung. Amtsvorgänger Manfred Schell wütet in jedes Mikrofon. Und „MOPO24“ kramte Weselskys Ex-Frau hervor und ließ sie allerhand Hässliches kundtun: Weselsky sei „zu Hause ein Diktator“ gewesen, habe sie „zunächst als Frau geachtet“, sich dann aber verändert, „keinen Wein mehr unter 25 Euro“ getrunken und auch noch eine Geliebte in Leipzig gehabt.

Niemand muss Mitleid mit dem Mann haben oder ihn gar verteidigen. Die Pressefreiheit schließt allerhand Zuspitzendes ein, und Menschen lassen sich zur Kanalisierung ihres diffusen Grundzorns nun einmal gern von den Medien Figuren reichen, die zum emotionalen Blitzableiter taugen, oft weit über den eigentlichen Anlass hinaus (siehe auch: Josef Ackermann, Matthias Sammer, Karl-Theodor zu Guttenberg, Thomas Middelhoff). Aber wen überrascht es eigentlich, dass eine in Unfrieden geschiedene Ex-Frau und ein feindlich gesonnener Amtsvorgänger auf Nachfrage böse Dinge sagen? Und wem genau hilft es zu wissen, wo Weselsky wohnt? Wir erinnern uns kurz: Nichts von dem, was er tut, ist gegen das Gesetz. Und es gibt keinen Grund, wegen der Maßlosigkeit eines einzelnen Gewerkschaftsbosses als Medium selbst jedes Maß zu verlieren.

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