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Medien & TV TV-Duell: Showdown hoch fünf
Nachrichten Medien & TV TV-Duell: Showdown hoch fünf
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19:19 11.09.2009
Von Dirk Schmaler
Die Moderatoren des TV-Duells (von links): Frank Plasberg, Peter Limbourg, Maybrit Illner und Peter Kloeppel. Quelle: ddp
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Als nach dem bisher letzten TV-Duell zwischen dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Herausforderin Angela Merkel (CDU) die Kameras im Studio ausgingen, war die Stimmung durchwachsen. Viel war 2005 im Vorfeld über das Fernsehereignis geschrieben worden, einige sahen den Auftritt gar als wahlentscheidend an. Das Duell selbst blieb dann aber im Vergleich zu den Erwartungen eher farblos. Einer der damaligen Strippenzieher des Politikbetriebs sagte noch am Wahlabend: „Der Hype um diese Veranstaltung war grauenhaft. Das ist wohl das letzte Mal, dass wir so etwas in dieser Form erlebt haben.“ Wie man sich irren kann: Die Sätze stammen von dem damaligen Kanzleramts-Chef Frank-Walter Steinmeier.

Am Sonntagabend steht Steinmeier selbst im Studio B in Berlin-Adlershof, um sich mit Merkel zu duellieren. Der SPD-Kanzlerkandidat will die Chance nutzen, um aus dem Stimmungstief herauszukommen. Der Grund, warum der Zweikampf auch in diesem Jahr wieder als wichtigster Wahlkampftermin betrachtet wird, liegt auf der Hand: 20 Millionen Zuschauer könnten den 90-minütigen Schlagabtausch live vor dem Fernsehschirm verfolgen – eine Quote, die in Deutschland sonst nur ein Fußball-WM-Finale erreicht. Das liegt auch daran, dass die Fernsehzuschauer zur „Tatort“-Zeit kaum anders können. Gleich fünf Sender, darunter die größten Anstalten ARD, ZDF, RTL und SAT.1, sowie Phoenix übertragen das Duell zwischen Kanzlerin und Vizekanzler quasi gleichgeschaltet live. Umschalten zwecklos.

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Das bringt für den Zuschauer keinen Mehrwert, wohl aber für die Sender. Es waren erkennbar keine TV-Show-Produzenten, die bei der Planung die Feder geführt haben, sondern politische Verhandlungsstrategen mit ausgeprägtem Hang zum Poporz. Weil kein Sender dem anderen den großen Auftritt gönnt, werden absurderweise wie schon 2005 gleich vier Moderatoren die Kanzlerkandidaten befragen: Frank Plasberg (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (SAT.1). Das zeigt: Im Punkto Eitelkeit können es die Senderverantwortlichen durchaus mit den Politikern aufnehmen.

Die kompromisslerische Art des TV-Duells hat in Deutschland mittlerweile schon eine kleine Tradition. Am 25. August 2002 kam es zum ersten Mal zum Zweier-TV-Schlagabtausch, angetreten waren Schröder und Unions-Herausforderer Edmund Stoiber. Damals gab es noch zwei Duelle, eines zeitgleich auf ARD und ZDF, das andere auf den Privatsendern RTL und SAT.1. Die Wahlkampfmanager der Parteien hatten eine derart große Furcht vor dem neuen Format, dass sie einen Vertrag aushandelten, in dem vom „Winkel der Rednerpulte“ bis zu den Themenbereichen alles festgelegt wurde. Der damalige Stoiber-Berater Michael Spreng zitiert in seinem Blog aus der detaillierten Vereinbarung: „Herrn Schröder und Herrn Stoiber stehen für ihre Antworten und auf die jeweilige Ausgangsfrage je 90 Sekunden zur Verfügung und für ihre Antworten auf Nachfragen je 60 Sekunden. 15 Sekunden vor Ende der Redezeit beginnt in den Rednerpulten und neben einer für den Redner sichtbaren Kamera jeweils ein gelbes Licht zu blinken“, heißt es dort. Für einen kleinen Rest Spontanität blieb am Schluss Platz: „Am Ende der Sendung verabschieden sich die Moderatoren von Herrn Schröder und Herrn Stoiber. Herrn Schröder und Herrn Stoiber ist es freigestellt, ob sie sich im Anschluss an die Sendung die Hand geben.“ Immerhin.

2005 gab es nur noch ein Duell, erstmals von den vier Sendern zeitgleich übertragen. Die Regularien samt Redezeiteinblendung waren ähnlich vertrackt wie drei Jahre zuvor. Merkel und Schröder charmierten und griffen an, am Ende wurde Schröder zum Sieger erklärt – und verlor die Wahl trotzdem.

Am Sonntag soll nun alles ein bisschen entspannter werden. Die Regeln haben die Parteien und Sender auf anderthalb Seiten gekürzt, heißt es. „Diesmal ging das sehr locker“, sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu den Verhandlungen mit den Parteien. ARD-Moderator Plasberg versprach: „Verfilmtes Baldrian wird das auf keinen Fall.“

Ganz spontan läuft es aber auch diesmal nicht ab: Steinmeier wird die erste Frage beantworten dürfen, Merkel hat nach 90 Minuten das letzte Wort. Beide stehen an silbernen Pulten, Merkel links, Steinmeier rechts, der Abstand zwischen ihnen beträgt exakt 2,40 Meter. Spicken ist auch verboten: Die Kandidaten dürfen nur Zettel und Stift mitbringen. Für jede Antwort gibt es 90 Sekunden Zeit, die Gesamtredezeit soll am Ende bis auf eine Minute genau austariert werden.

Auch das Duell nach dem Duell ist genau geregelt: Noch während der Sendung soll eine Telefonbefragung klären, wie die Kandidaten in den Wohnzimmern angekommen sind. Parallel dazu werden 30 Angehörige aus jedem Lager versuchen, die 600 Journalisten auf dem Studiogelände davon zu überzeugen, dass ihr Kandidat das Duell für sich entschieden hat.

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