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Medien & TV Trotz Phrasendrescher Raab: Starke Quoten für„Absolute Mehrheit“
Nachrichten Medien & TV Trotz Phrasendrescher Raab: Starke Quoten für„Absolute Mehrheit“
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21:59 12.11.2012
Von Imre Grimm
Foto: „Wer hat die Gans gestohlen?“: Stefan Raab (3. v. r.) mit Thomas Oppermann (SPD, v. l.), Wolfgang Kubicki (FDP), Unternehmerin Verena Delius, Michael Fuchs (CDU) und Jan van Aken (Linke).
„Wer hat die Gans gestohlen?“: Stefan Raab (3. v. r.) mit Thomas Oppermann (SPD, v. l.), Wolfgang Kubicki (FDP), Unternehmerin Verena Delius, Michael Fuchs (CDU) und Jan van Aken (Linke). Quelle: dpa
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Hannover

Das wirkte wie ein Fehler in der Matrix. Wie ein Kurzschluss im Fluxkompensator. Aber wenn die Premiere von Stefan Raabs PRO7-Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ am späten Sonntagabend eines gezeigt hat, dann das: Der meint das ernst. Er war angetreten, alles anders zu machen. Raus aus der Routine, mehr Tempo, mehr Witz. „Politik bestimmt Ihr Leben“, erklärte er dem PRO7-Publikum.

Das kann man nicht oft genug erwähnen. Was dann folgte, war ein hektischer Mix aus billigen Wahlkampfstanzen, hübsch zynischen Einspielfilmchen, Kinderfernsehen, pupsenden Kühen und gemütlichem Beisammensein. Aber: Das Kalkül, hier keine Politjunkies anzusprechen, sondern die eher politikferne PRO7-Stammklientel, ging auf: 2,23 Millionen Zuschauer (11,6 Prozent Marktanteil) sahen zu später Stunde zu. In der Zielgruppe schalteten sogar 18,3 Prozent ein – starke Zahlen. Im Klartext: „Absolute Mehrheit“ hatte in absoluten Zahlen mehr junge Zuschauer als alle ARD-Talks der vergangenen Woche zusammen.

Man muss die Chuzpe honorieren, mit der der 46-Jährige sich in sein Projekt „Jauch für Junge“ wirft. Raab treibt die Lust, die von der eigenen Bedeutung berauschte Politszene zu irritieren. Kritik? Zweifel? Sind sein Motor. Von Anfang an ging’s um die Pointe, um den schnellen Applaus. Ist ja schließlich „Speed-Meinungsbuilding hier“, sagte Raab. Nervtötend war das enthusiasmierte Publikum, das beim billigsten Slogan jubelte wie beim Basketball. So ist das halt, wenn Politik auf Erstwähler trifft.
Den Linken-Politiker und „Reichen-Schreck“ (Raab) Jan van Aken hatte man überhaupt nur eingeladen, weil der einst im Bundestag so herzhaft den Machoismus des FDP-Abgeordneten Martin Lindner gegeißelt hatte („Jedesmal, wenn hier eine Frau redet, dann macht der arrogante Zwischenrufe, dieser Macho, und krault sich da seine Eier!“). Und er lieferte auch gleich: „Ich stehe mehr auf Katja Kipping als Sahra Wagenknecht, inhaltlich und auch als Frau.“ Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, mühte sich redlich, locker rüberzukommen, war aber schnell beim „Nettovermögen“. Und überhaupt: „Diese Facebook-Partys können sehr problematisch werden.“ Öhm. Ja. Und der chancenlose Michael Fuchs Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU in Berlin, musste sich fragen lassen, wer die Gans gestohlen hat.

Wolfgang Kubicki, FDP-Chef in Schleswig-Holstein, war vom Start weg Favorit. Der weiß, wie das geht. Der geht freiwillig überallhin. Den muss man nicht einladen. Den muss man ausladen. Am Ende holte er 42 Prozent Zustimmung beim Publikum – Spitzenwert, aber nicht genug für die „absolute Mehrheit“ und die berühmten 100.000 Euro. Sie wandern in den Jackpot für die nächste Show im Januar. Am Ende zeigt sich: Auch Raab gelingt es nicht, Politprofis mehr abzuringen als die üblichen Phrasen und Reflexe. Darf ich mal ausreden! Ich bitte Sie! Reichtum für alle! Das klang nicht anders als bei Jauch oder Illner. Tiefpunkt: die ahnungslose „Debatte“ über Twitter, Facebook und Co. (Raab: „Da darf jeder Purzel23 seine Meinung sagen!“). Ja, Donnerschlag.
Viel Alarm musste PRO7 gar nicht machen, um Raabs Vorstoß ins (etwas) ernsthaftere Fach zum werbewirksamen Skandälchen aufzublasen. Das erledigte die politische Kaste ganz von selbst – und kostenlos. Ein Geldpreis! In einer politischen Talkshow! Das gehe doch nicht! Wo bleibe da die Ernsthaftigkeit?

Untergang des Abendlandes! Pure Heuchelei. Als ob es bei Jauch nicht um den populistischen Gag, um das Generieren von Bekenntnisapplaus gehe. Ein Sportskamerad wie Raab hält es eben kaum aus, wenn eine Sendung ohne Sieger bleibt. Immerhin: Es war phasenweise dämlich, aber nur selten langweilig. Das ist schon viel für eine politische Spielshow, die Menschen erreichen will, die nicht auf Anhieb die Finessen des Fiskalpaktes referieren können.