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22:27 13.09.2013
Von Karsten Röhrbein
In der US-Comicverfilmung „Arrow“ geht ein Millionärssohn bei VOX auf Rachefeldzug.
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Berlin

 Oliver Queen, 1985–2007“ ist auf dem teuren Grabstein zu lesen, „geliebter Sohn und Bruder, dessen Licht viel zu früh erlosch.“ Schnell wendet der Friedhofsbesucher seinen Blick ab – schließlich ist es sein Name, der dort vor fünf Jahren in Granit gemeißelt wurde. Zu voreilig, wie Familie und Freunde des nach einem Bootsunglück für immer verschollen geglaubten Millionärssohns unverhofft erfahren. Ihre anfängliche Freude weicht allerdings schnell Ernüchterung: Der einst für seine Eskapaden berüchtigte Lebemann ist seit seiner Rückkehr ein wortkarger Einzelgänger. Nicht einmal seiner Schwester Thea will der durchtrainierte Frauenschwarm erklären, was sich auf der einsamen Insel ereignet hat, auf die er sich nach dem Schiffsuntergang als Einziger retten konnte. Auch über die zahlreichen Narben auf seinem Körper will er nicht reden – von denen auf seiner Seele ganz zu schweigen.

Oliver Queen, Held der US-Serie „Arrow“, die Montag auf VOX anläuft, ist auf einer einsamen Mission. Sein schwerreicher Vater, der mit ihm auf dem verhängnisvollen Bootstörn war, hat ihm im Sterben eröffnet, dass für seinen Reichtum viele Unschuldige bluten mussten. Um seine Schuld zu tilgen, soll Oliver nun die Mittäter zur Rechenschaft ziehen. Und das tut er auch, mit Pfeil und Bogen. Seine Gegner stellt er vorzugsweise nachts, gewandet in ein grünes Cape.

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„Arrow”, die TV-Adaption der US-Comic-Serie „Green Arrow”, erzählt wenig verhüllt von einem modernen Robin Hood. 1941, als Autor Mort Weisinger und Zeichner George Papp den grünen Rächer erschufen, war man schließlich nicht allzu wählerisch bei der Suche nach neuen Helden. Nach dem Überraschungserfolg von Superman (1938) und Batman (1939) gierten US-Verlage wie National Comics nach neuen Stoffen, sodass neben dem Mann aus Stahl und dem Vigilant im Fledermauskostüm bald viele Epigonen um Käufer buhlten. Auf glück- und ideenlosen Kreationen wie Sandman, der seine Gegner mit einer Gaspistole betäubte, folgte mit Green Arrow ein klassischer Abenteurer in Strumpfhosen, der nicht im Sherwood Forest, sondern in der fiktiven Großstadt Starling City Jagd auf Kriminelle machte.

Wie bei Batman verbarg sich auch unter dem Kostüm von Green Arrow ein reicher Erbe, der zwar nicht über Superkräfte, dafür aber über ein unbearbeitetes Trauma, unerbittliche Moralvorstellungen, eine beeindruckende Physis und ein stattliches Waffenarsenal verfügte.All das spielt das Autorenteam Greg Berlanti („Green Lantern“), Marc Guggenheim („Flash Forward“) und Andrew Kreisberg („The Vampire Diaries“) auch bei „Arrow“ souverän aus. Ansonsten lösen sich die „Arrow“-Macher erfreulicherweise aber weit von der Comicserie um den ziegenbärtigen Bogenschützen, die 2011 bei DC Comics zuletzt neu gestartet wurde. Stephen Amell („Closing the Ring“) ist ein smarter Oliver Queen, der sich seiner Familie und vor allem dem von seiner Mutter engagierten Leibwächter John Diggle (David Ramsey) immer wieder Hals über Kopf entzieht. In seiner Unberechenbarkeit steht er Robert Downey Jr.s Tony Stark („Iron Man“) in nichts nach, beim Witz hingegen schon. Schwester Thea (Willa Holland, „The O.C.“) ist es bald leid, sich jedes Mal über den Ernst des Lebens belehren lassen zu müssen, wenn sie feiern gehen will: „Ich hab mich dir näher gefühlt, als du tot warst!“, schleudert sie dem stoischen Moralisten Queen an den Kopf.

Einen schweren Stand hat der geläuterte Playboy auch bei seiner alten Flamme Laurel Lance (Katie Cassidy): Beim Bootsuntergang kam schließlich auch ihre Schwester ums Leben, die eine Affäre mit Queen hatte. Da die Anwältin aber die gleichen Gegner hat wie er, tut Queen als Arrow Buße, wenn er sich die Kriminellen nächtens ohne ihr Wissen vorknöpft – für die hat er mit Computer-Hack- und anderen High-Tech-Pfeilen dann viele unliebsame Überraschungen im Köcher. Nicht die rasant geschnittenen Kampfszenen und die kurzen, mit akribisch verwackelter Handkamera aufgenommenen Rückblenden auf den Überlebenskampf auf der Insel aber sind es, die „Arrow“ besonders machen, sondern das Taktieren bei Tage. Selbst seiner Mutter, das merkt Queen später als der Zuschauer, darf er nicht weiter trauen als seine Pfeile fliegen.

In den USA waren die 23 „Arrow“-Folgen so erfolgreich, dass nun eine zweite Staffel produziert wird. Anders als im Kino sind Superhelden im Fernsehen schließlich rar – abgesehen natürlich von den 120 TV-Abenteuern des dynamischen Duos Batman und Robin. Von deren Komik ist die solide, aber etwas zu aseptische Hochglanzserie „Arrow“ allerdings weit entfernt. Rache ist eben ein ernstes Geschäft.

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