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Medien & TV „Watergate war eine stolze Zeit“
Nachrichten Medien & TV „Watergate war eine stolze Zeit“
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22:50 02.07.2012
Wolf von Lojewski moderierte die ARD-„Tagesthemen“ und wurde vor allem als Chef des „heute-journals“ im ZDF enorm populär. Quelle: dpa
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Hannover

Herr von Lojewski, am 4. Juli werden Sie 75 Jahre alt. Wie verbringen Sie den Tag?
In meinem Alter ist der Geburtstag kein Datum mehr, dem man entgegenfiebert. Voriges Jahr bin ich mit meiner Frau nach London abgehauen. Dieses Jahr feiere ich mit Freunde im Garten, an einem langen Tisch.

Seit 2003 sind Sie im Ruhestand. Vermissen Sie das Nachrichtenstudio?
Nein. Ich habe nicht das Bedürfnis, abends auf dem Fernsehschirm den Zustand der Welt zu erklären. Ich habe fürs ZDF ja „Abenteuer Wissen“ moderiert und durfte lange Reisen für Reportagen machen. Das fand ich sehr angenehm. Im Augenblick ist keine neue große Reisereportage in Planung, aber vielleicht kommt ja mal wieder was.

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Sie haben erst „Tagesthemen“ und später das „heute-journal“ moderiert. Welche Nachrichten sehen Sie heute gerne?
Die großen Nachrichtensendungen von ARD und ZDF haben sich kaum verändert, die sind sehr gut. Aber auch da wird mindestens zweimal pro Sendung darauf hingewiesen, dass man unter heute.de oder tagesschau.de alles noch viel genauer erfahren kann. Da war ich einer der letzten Dinosaurier, die das hartnäckig verweigert haben, weil ich gesagt habe: Die Menschen schauen doch jetzt mir zu! Wieso soll ich die ins Internet verscheuchen?

Journalismus ist ohne das Netz halt nicht mehr denkbar ...
... und ich glaube, dass der Beruf dadurch schwieriger wird. Journalismus wird heute mehr und mehr eine Sache, bei der jeder mitmacht. Das ist im Prinzip gut, und die Technik ist nicht mehr zurückzudrehen. Aber die Schwärme im Internet können bei jedem Konflikt in Bruchteilen von Sekunden ihr Urteil fällen: Wer sind die Guten und wer die Bösen; mag ich, mag ich nicht. Wir Journalisten geraten da leicht in die Gefahr, nicht mehr nachzurecherchieren, nur noch hinterherzulaufen.

Sehen Sie sich eigentlich auch die Nachrichten der Privaten an?
Also: Wegen der Nachrichten schalte ich bestimmt keinen Privatsender an. Mein Lieblingsprivatsender ist Eurosport, denn da läuft Snooker. Diese Leidenschaft habe ich mir in meiner Zeit als Korrespondent in London angewöhnt.

Sie waren zweimal als Korrespondent in Washington, das erste Mal während der Watergate-Affäre. War das der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Das war es garantiert. Zum ersten Mal spürten wir als Journalistenzunft unsere Macht, als durch hartnäckiges Recherchieren am Ende vorzeitig ein Präsident aus dem Amt gehen musste. Ich hatte einen guten Draht zu Bob Woodward von der „Washington Post“, das hat mir sehr geholfen. Das war eine sehr stolze Zeit.

Und später?
Mein Höhepunkt Nummer zwei war dann meine Zeit in England. Ich habe Interviews mit Margaret Thatcher führen können, das war schon eine bemerkenswerte Frau. Sie war keine liebenswerte Person, eher der Typ Erzieherin – aber sie war auch sich selbst gegenüber streng. Die wusste alles, und die wusste vor allem alles besser. Dann ging ich wieder nach Washington, als Ronald Reagan Präsident war. Im persönlichen Umgang ein sympathischer Typ, den man gerne zum Abendessen eingeladen hätte und der permanent Witze erzählte. Leider waren sie allesamt alt, ich kannte jeden seiner Witze.

Reagan hat Ihnen Witze erzählt?
Ich hatte da ein lustiges Erlebnis, als ich für ein Interview im Weißen Haus war und vergeblich die Toilette suchte. Ich machte also eine Tür nach der anderen auf, und hinter einer saß Ronald Reagan, hatte die Füße auf den Tisch gelegt und freute sich riesig, dass er wieder einen zum Quatschen hatte. Bis ich zu ihm sagte: Die eigentliche Frage, die mich hierher bringt, ist, wo hier die Toilette ist. Da hat er mir gesagt, ich solle mitkommen, hat sie mir gezeigt, und wir haben uns herzlich verabschiedet.

Interview: Cornelia Wystrichowski