Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV Kleinkrieg am Gartenzaun
Nachrichten Medien & TV Kleinkrieg am Gartenzaun
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:59 22.09.2013
Widerspenstiges Pärchen: Marlies (Hannelore Hoger) und Mikkel (Rolf Lassgård) wollen die Asche seines verstorbenen Vaters im See ausstreuen. Quelle: ZDF
Anzeige
Hannover

Die Dorfgemeinschaft im idyllisch gelegenen Kalow ist intakt. Man grüßt sich, lacht und tanzt gemeinsam. Nur eine, die tanzt aus der Reihe: Marlies Gottlieb, gespielt von Hannelore Hoger. Die rechthaberische Wessi-Dame hat sich nach der Wende ihr brandenburgisches Seegrundstück zurückgeholt und verwehrt nun den bedauernswerten Ossis den Zugang zum Ufer. Zusammen mit ihren Singvögeln schottet sie sich hinter ihrem Zaun ab.

Ihr Alltag gerät aus den Fugen, als Nachbar Ludger stirbt. Nicht, dass sie zu dem bettlägerigen alten Griesgram ein herzliches Verhältnis gehabt hätte. Er hat sie einfach nur nicht gestört. Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Weil Ludgers in Schweden lebender Sohn Mikkel (Rolf Lassgård) kein Interesse an dem verfallenen Häuschen in Brandenburg hat, will er sein Erbe schnell verkaufen. Die Rechnung hat er allerdings ohne Marlies Gottlieb gemacht. Akribisch vergrault sie alle Interessenten, sodass Mikkel schließlich selbst nach Kalow kommen muss. „Uferlos“, der ZDF-Montagsfilm nach einem Drehbuch von Silke Zertz, zelebriert das Aufeinandertreffen von Hannelore Hoger und Rolf Lassgård in schön-skurrilen Bildern. Hoger, bekannt durch die „Bella Block“-Krimis, und ihr schwedischer Kollege Lassgård, der sonst Hennig Mankells mürrischen Kommissar Kurt Wallander spielt, geben ein herrlich widerspenstiges Pärchen ab.

Anzeige

Mit der Urne unterm Arm bestaunt Lassgårds Mikkel das Gebiss auf dem Nachttisch des Verstorbenen. „Ihr Vater war ein großartiger Mensch“, säuselt ihm Nachbarin Marlies zu. „Mein Vater war ein egoistisches Scheißloch!“, korrigiert sie Mikkel und sucht mit ihr den Weg zum Wasser - der führt jedoch durch Marlies’ Garten. Der Garten bleibt nicht der einzige Streitpunkt zwischen den beiden, den Regisseur Rainer Kaufmann genüsslich auskostet. Mikkel ist Raucher, fährt ein 13-Liter-Auto und hält nichts von Mülltrennung. Marlies hingegen liebt die Natur und ihre Singvögel. Eines aber immerhin verbindet den Großstadtmacho und die Dorfrebellin: Beide haben mit ihren Familien gebrochen.

Als Mikkel Gefallen am Dorfleben findet, keimt in ihm sogar die naive Hoffnung, das zerstrittene Verhältnis zwischen Marlies und der Gemeinde, in die auch ihre Tochter tiefverwurzelt ist, kitten zu können. Wären da nicht sein Kater, der Marlies’ Singvögeln nachstellt, und seine drei Ex-Frauen, die dem Schweden samt der acht Kinder folgen.

Regisseur Kaufmann zeigt dem Zuschauer einen Ost-West-Konflikt, der durch das muntere Duell der Hauptdarsteller immer mehr in den Hintergrund rückt. Statt Klischees und Vorteilen, statt Spreewaldgurken und Muckefuck, gibt es gute Gags und schöne Naturaufnahmen.

Lassgård überzeugt in seiner Rolle als schwedischer Lebemann genauso wie Hannelore Hoger als verbitterte alte Frau mit Prinzipien, die für ihr Recht kämpft. Immer wieder prallen Naturschutz und Lebenslust, Marlies’ Rechthaberei und Mikkels Libertinismus aufeinander. „Uferlos“ ist eine Komödie, die nicht von einem überraschenden Plot, sondern von den Qualitäten der Hauptdarsteller lebt. Deren Kleinkrieg, bei dem Marlies den Tod ihrer Vögel mit dem Verbrennen von High Heels rächt, bringt einen ebenso zum Schmunzeln wie das charmant-unbeholfene Deutsch von Lassgårds Wallander-Mikkel.

Von Johannes Krupp

Medien & TV „Wetten, dass..?“ in Bremen - Ein Abend mit Michelle
22.09.2013
Medien & TV Jahresreport Internetnutzung der Industriestaaten - Internet bleibt „Neuland“ für Deutsche
22.09.2013
22.09.2013