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Medien & TV ZDF zeigt Ärztin ohne Grenzen
Nachrichten Medien & TV ZDF zeigt Ärztin ohne Grenzen
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19:07 05.03.2010
Von Stefan Stosch
Sensibel, klug, begabt – aber ohne Zulassung: Die junge Ärztin Marie Hansen (Silke Bodenbender) mit einem kleinen Patienten.
Sensibel, klug, begabt – aber ohne Zulassung: Die junge Ärztin Marie Hansen (Silke Bodenbender) mit einem kleinen Patienten. Quelle: Handout
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Hochstapler sind Menschen, die mehr zu sein vorgeben, als sie tatsächlich sind. Aber was treibt sie an? Geltungssucht, weil die Welt zum Beispiel einem schmucken Piloten gerne einen Platz in ihrer Mitte einräumt? Genusssucht, weil es sich im Fünf-Sterne-Hotel einfach angenehmer leben lässt? Primitives kriminelles Gewinnstreben? Oder etwa Hilfsbereitschaft, die Absicht, gute Dinge zu tun, für die leider die eigene Qualifikation nicht ausreicht, weshalb die eigenen Lebensdaten schweren Herzens umfrisiert werden?

Fälle von Leuten, die im weißen Arztkittel am Operationstisch reüssieren, ohne je einen medizinischen Abschluss gemacht zu haben, beschäftigen die Öffentlichkeit immer wieder – zuletzt in Hamburg, wo eine angebliche Kinderärztin vier Jahre lang, von 2003 bis 2007, am Universitätsklinikum Eppendorf Spritzen gesetzt und Medikamente verordnet hatte. Ihre Prüfungszeugnisse und die Approbationsurkunde hatte die Frau gefälscht.

Ihre Strafe: 18 Monate Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung. Ein mildes Urteil. Vor Gericht lobten Kollegen die Arbeit der 34-Jährigen. Ihre fachliche Kompetenz und besonders ihr Einfühlungsvermögen im Umgang mit HIV-kranken Kindern seien beispielhaft gewesen. Soweit bekannt, war nie jemand durch die Arbeit der Frau zu Schaden gekommen.

Dass so eine Geschichte Filmemacher faszinieren muss, ist klar. Regisseur Miguel Alexandre („Die Frau vom Checkpoint Charlie“) und Drehbuchautorin Annette Hess treiben die Geschichte der falschen Medizinerin in ihrem ZDF-Film „Eine Frage des Vertrauens“ ins bittere Extrem: Die beste Ärztin ist die, die keine ist.

Marie Hansen (Silke Bodenbender) wollte unbedingt Medizinerin werden. Sie hat sich geplagt im Studium. Sie hat getan, was in ihrer Macht stand. Aber da ist diese verfluchte Prüfungsangst. Und da sind schon von klein auf die Erwartungen ihrer Eltern, besonders ihrer Mutter Ruth (Michaela Rosen), die das Beste für ihre Tochter will, weil das auch das Beste für sie selbst ist.

Gescheitert ist Hansen jedoch schon beim Physikum (in Hannover). Und jetzt beginnt Marie Hansens Tortur. Das heißt, sie müsste beginnen. Doch der Film lügt sich um die nächsten, wichtigen Jahre herum. „8 Jahre später“, lautet eine Einblendung am Bildschirmrand – und dann begegnen wir Marie Hansen als Assistenzärztin auf der Kinderstation einer Hamburger Klinik wieder.

Wie sie den entscheidenden Schritt von der Studienabbrecherin zur vermeintlichen Medizinerin bewältigt hat, verrät der Film nicht. Genauso wenig wird erzählt, wie diese sanftmütige Frau dem inneren Druck standhielt und wie sie ihre Umgebung täuschte – und warum sich diese so bereitwillig täuschen ließ. Gerade in Hansens Fall aber wäre es wichtig gewesen zu sehen, wie sie sich immer tiefer in ihr Lügengebäude verstrickt und den Weg zur Umkehr verbaut.

Bei ihren jungen Patienten in Hamburg ist Hansen beliebt. Von Kollegen und besonders von ihrem Chef Professor Lärchenfeld (Peter Kremer) wird sie geschätzt. Er vertraut ihr eine wichtige Medikamentenstudie an. Und Jan (Wotan Wilke Möhring), dem Vater ihres zwölfjährigen Lieblingspatienten Jonas (Markus Quentin), kommt Hansen auch privat näher.

Alles wäre gut, wenn die Ärztekammer nicht routinemäßig das Original ihrer Approbation anfordern würde. Bislang hat Hansen nur eine (gefälschte) Urkundenkopie bei dem schleimig-freundlichen Ärztekammer-Bürokraten Oliver Kremp (Rudolf Kowalski) eingereicht. Und nun wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. In diesem Film werden ein paar Konflikte konstruiert, derer es gar nicht bedurft hätte, um die ausweglose Situation Hansens zu belegen. Irgendwann bleibt nur noch die Frage, wer sie auffliegen lässt – die Mitstudentin mit dem lockeren Lebensstil, die in der Klinik auftaucht, der erpresserische Beamte aus der Ärztekammer, ihre Schwester oder gar ihr neuer Freund Jan, weil dieser sein Vertrauen missbraucht und das Leben seines Sohnes gefährdet sieht.

Immerhin: Jetzt endlich wird die ganze Tragik spürbar, die im traurigen Fall dieser Medizinerin steckt. Ohne den übermäßigen Leistungsdruck wäre aus Hansen vielleicht die beste Ärztin Hamburgs geworden. So wird sie bloß zur sympathischen Angeklagten, der niemand Böses will.

„Eine Frage des Vertrauens“
ZDF Drama um eine falsche Ärztin

Montag, 8. März, 20.15 Uhr