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Medien & TV Zeitschrift Öko-Test wird 25 Jahre alt
Nachrichten Medien & TV Zeitschrift Öko-Test wird 25 Jahre alt
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17:03 01.04.2010
Von Margit Kautenburger
Die erste Ausgabe der "Öko-Test" im April 1985.
Die erste Ausgabe der "Öko-Test" im April 1985. Quelle: Archiv
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Mit Schlagzeilen wie „Arsen, Nickel und kein Ende!“ oder „FCKW in Haarspray!“ hat sich die Zeitschrift „Öko-Test“ im Jahr 1985 ins Gespräch gebracht. Es war die Zeit der großen Umweltskandale, und die neuen Warentester nutzten geschickt den Zeitgeist. Als linke Alternative zur etwas behäbigen Stiftung Warentest gestartet, kam „Öko-Test“ bei umweltbewegten jüngeren Lesern an. Ein Jahr nach dem Start, im April 1986, freute sich der Frankfurter Verlag über die erste ausverkaufte Ausgabe an den Kiosken. Das Thema: riesige Mengen Pestizide in Babycremes.

Heute, 25 Jahre später, kennen 81 Prozent aller Deutschen „Öko-Test“. Und von allen Siegeln vertrauen Verbraucher am meisten auf das „Öko-Test“-Logo mit dem roten Ahornblatt – mehr noch als dem Blauen Engel, dem weltweit ersten und bekanntesten Umweltzeichen. Und es ist nicht zuletzt Chefredakteur Jürgen Stellpflug und seinem Team zu verdanken, dass die Welt heute eine andere ist, dass der Ozonkiller FCKW im Deo und Formaldehyd im Billy-Regal verboten sind.

Als „Miesmacher“ wollte sich der ökologisch und kommerziell orientierte Rivale der Stiftung Warentest eigentlich nie verstehen. „Richtig gut leben“ lautet mittlerweile der Untertitel des Frankfurter Magazins, das vor allem kaufkräftige Leser anzieht. Der langjährige „Öko-Test“-Chef Stellpflug, ein findiger Geschäftsmann, hat das Heft aus der Müsli-Ecke herausgeführt und dem Geschmack breiter Käuferschichten angepasst. „Poppen statt shoppen“, hieß es beispielsweise in einem Sonderheft zum Thema Sexualität, in dem die Tester Gleitmittel und Vibratoren benoten. Von Versicherungen und Geldanlagen bis zum Joghurt vom Discounter – das „Öko-Test“-Siegel pappt mittlerweile auf Tausenden von Produkten. Der Frankfurter „Öko-Test“-Verlag verkauft monatlich rund 160 000 Hefte. Zusammen mit Ratgebern, Jahrbüchern und Spezialausgaben macht „Öko-Test“ einen Gesamtumsatz von zehn Millionen Euro. Grund zum Feiern für „Öko-Test“-Chef Stellpflug – doch die Kritik wächst.

Der Cheftester sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, zu sehr die kommerziellen Interessen des Verlages im Auge zu haben, der zu 64,1 Prozent der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft, der Medienholding der SPD, gehört. Im Gegensatz zur Stiftung Warentest, die vom Staat unterstützt wird, finanziert sich das Unternehmen über den Heftverkauf und Werbung; rund vier Millionen Euro betrug der Reklameumsatz im vergangenen Jahr. Eine zu große Abhängigkeit von Werbekunden? Dieser Vorwurf sei „Unsinn“, versichert Stellpflug. Es gebe keinerlei Rücksicht auf Inserenten. Es sei doch verständlich, dass Hersteller in den „Öko-Test“-Heften öfter für gute und sehr gut bewertete Produkte würben als für mangelhafte.

Verbraucherschützern stößt übel auf, dass Lachs aus Aquafarmen ebenso ein „gut“ von „Öko-Test“ einheimst wie der fettige Brotaufstrich „Nutella“ oder der überzuckerte Joghurt-Drink „Actimel“. Das Werbeversprechen bei „Actimel“ sei der Schutz gegen Erkältungen. „Öko-Test“ mache glauben, dass das stimme, dabei sei nur die mikrobiologische Qualität geprüft worden, sagt Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Diese hat dem Getränk das Negativprädikat „Goldener Windbeutel“ verliehen, weil es viermal so teuer wie herkömmlicher Joghurt ist und doppelt so viel Zucker enthält.

Andere monieren, dass „Öko-Test“ zu wenig Wert auf den Nutzen eines Produktes lege, stattdessen nur den Schadstoffgehalt im Auge habe. „Das wäre so, als ob man Wasser in Shampooflaschen füllte, die dann sehr gut bewertet werden, weil keine Schadstoffe drin sind“, kritisiert Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg und spricht von Verbrauchertäuschung. Umweltverbände ärgert besonders, dass „Öko-Test“ als Biosiegel wahrgenommen wird. Dabei werden Fragen zur Herstellung, Tierhaltung oder zum Naturschutz schlicht ignoriert.

Und auch die Testmethoden selbst werden immer öfter skeptisch beäugt. Sie seien ideologisch geprägt und führten zu verzerrten Ergebnissen, rügen aber vor allem die Unternehmen, die schlechte Noten einstecken mussten. Daher sind solche Anwürfe wohl mit Vorsicht zu bewerten. „Öko-Test“ beschäftigt unabhängige Labors. In gerichtlichen Auseinandersetzungen, in die das Unternehmen ständig verwickelt ist, bekommt es meistens recht und wird auch vom Gesetzgeber bestätigt, wie Stellpflug betont.

Rückendeckung erhält „Öko-Test“ von der Konkurrenz. Petra Kristandt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen hält vieles, was gegen die Frankfurter Tester vorgebracht wird, für unfair. Jede Testzeitschrift habe die Freiheit, eigene Kriterien zu wählen. Dies heiße nicht, dass „Öko-Test“ nicht sorgfältig arbeite: „,Öko-Test‘ untersucht nicht in ausreichendem Maß verbrauchsfreundlich, Warentest untersucht nicht ausreichend die ökologische Verträglichkeit“, sagt Kristandt. „Beide Seiten haben ihre Berechtigung.“ Verbrauchern, die ganz sichergehen wollen, rät Kristandt, sich über die Ergebnisse von beiden zu informieren.