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22:46 25.09.2013
Von Imre Grimm
„Gelegenheit, mich als Figur neu auszurichten“: Michael J. Fox als parkinsonkranker Nachrichtenmoderator Mike in „The Michael J. Fox Show“ . Quelle: NBC
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Washington

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein US-Network gleich 22 Folgen einer neuen Serie bucht – blind, ohne Pilotfolge, ohne zu testen, ob das Publikum die Show überhaupt sehen will. „30 Rock“-Erfinderin Tina Fey kam jüngst in den Genuss eines solch raren „Straight-to-series“-Deals. Der Sender Fox kaufte Feys neue, noch namenlose College-Sitcom unbesehen. Und dann hörte NBC von den Rückkehrplänen eines der größten Comedystars, den das US-Entertainment in den achtziger Jahren hervorgebracht hatte. 1991 war er an Parkinson erkrankt, maximal zehn Jahre könne er noch drehen, hieß es damals. Doch er arrangierte sich mit dem Feind in seinem Körper, es drängte ihn zurück in den Job, und NBC beeilte sich, dem Mann ein Angebot zu machen, das er nicht ablehnen konnte. 22 Jahre nach der Diagnose Parkinson spielt er wieder eine Hauptrolle – in einer Sitcom, die seinen Namen trägt: „The Michael J. Fox Show“.

Es ist kaum möglich, den Starruhm zu übertreiben, den Fox Mitte der achtziger Jahre genoss. Lange hatte der halbkanadische Polizistensohn aus Edmonton bloß Restrollen aufgeklaubt, die Matthew Broderick abgelehnt hatte. Dann machte ihn Robert Zemeckis’ „Zurück in die Zukunft“-Trilogie über Nacht zum Kinohelden. Seit Fox als Teenager „Marty“ McFly in „Doc“ Browns umgebautem DeLorean vom Jahr 1985 ins Jahr 1955 zurückgereist war, hatte er in Hollywood Carte Blanche. Er drehte Unfug wie „Teen Wolf“ (1985), persiflierte in „Das Geheimnis meines Erfolges“ (1987) aber auch temporeich und böse die Sinnleere des Achtziger-Jahre-Karrierismus. Und der Kult um die „Zurück in die Zukunft“-Reihe wirkt bis heute nach – inzwischen gibt’s den Fluxkompensator als herrlich sinnlose iPhone-App.

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„MJF“ – das war jahrelang der Prototyp des überdrehten Sympathieträgers; hoch konzentriert, immer 20 Prozent schneller als die anderen, smart, warmherzig, ewig jung. Und auch Ausflüge ins ernstere Fach sah man ihm nach – etwa als Soldat mit Gewissen in Brian de Palmas bitterem Vietnamkriegdrama „Die Verdammten des Krieges“ von 1989.

Dann, 1991, kam die düstere Diagnose: Young-Onset-Parkinson. Unheilbar, unaufhaltbar. Nur die Symptome lassen sich lindern: das Zittern, die Verlangsamung der Motorik, das Einfrieren der Mimik. 30 Jahre alt war Fox damals, kaum jemand bekommt die Nervenkrankheit derart jung. Als er an einem Novembermorgen 1990 in einem Hotel in Florida erwachte, habe er seltsame Symptome an sich bemerkt, schrieb er 2002 in seiner Autobiografie „Lucky Man“, die in den USA wochenlang ein Bestseller war: ein Zucken, Konzentrationsschwäche. Fox litt lange im Stillen, trank viel zu viel – und flüchtete mithilfe seiner Frau Tracy Pollan dann doch nach vorn: 1998 machte er sein Leiden öffentlich, verschrieb sich dem Kampf gegen die Krankheit, gründete die „Michael J. Fox Foundation“ und wurde zur Ikone von Patienten in aller Welt. Ihnen, sagte er kürzlich, wolle er mit der neuen TV-Show auch zeigen, was möglich ist.

Damals jedoch, vor 15 Jahren, ging nichts mehr. Fox spielte gerade Mike Flaherty in „Chaos City“, einer ABC-Sitcom über das Büro eines intellektuell schwerfälligen New Yorker Bürgermeisters, den Fox als dessen Assistent vor diversen Fettnäpfchen bewahrt. In den letzten beiden Staffeln ersetzte ihn Charlie Sheen. Fox zog sich zurück und erschien nur noch selten vor der TV-Kamera, etwa 2004 als zwangsgestörter Chirurg in „Scrubs“, 2006 als Lungenkrebspatient in „Boston Legal“, 2010 als Anwalt in „The Good Wife“. Vor zwei Jahren dann hatte er so viel innere Distanz zu seiner Krankheit gewonnen, dass er sich in der HBO-Sitcom „Curb your Enthusiasm“ von „Seinfeld“-Autor Larry David darüber lustig machte: In einer Folge wirft David Fox vor, Parkinson als Manipulationsmittel in einem Nachbarschaftsstreit einzusetzen.

Nun also – das Comeback. In der neuen Show spielt der vierfache Familienvater Fox einen Nachrichtenmoderator, der an Parkinson erkrankt und sein Glück zwischen Job, Familie und Krankheit sucht. Michael „Mike“ Henry heißt seine Rolle – die Show heißt trotzdem „The Michael J. Fox Show“ und zeigt auch Bilder aus Fox’ realem Leben. Das Fachblatt „Entertainment Weekly“ lobte die heute startende Sitcom als eine der sechs stärksten Neuheiten der TV-Saison 2013/14. Deutschen Zuschauern bleibt vorerst nur die Hoffnung auf die DVD und Streamingdienste.

Die Krankheit habe ihm als Schauspieler neue Möglichkeiten eröffnet, sagte Fox dem „Rolling Stone“. „Ich hatte früher eine gewisse Geschmeidigkeit entwickelt, einen Sprachrhythmus, ein Körpergefühl, auf die ich mich verlassen konnte. Dann verlor ich das – und entdeckte in mir ganz andere Möglichkeiten. Dieses parkinson-typische Zögern gibt mir Gelegenheit, mich als Figur neu zu sammeln, neu auszurichten.“ Es sei, sagt er, als habe ihn die Krankheit zu einer Ruhe gezwungen, die seinem Spiel nutze. Ja, er habe Respekt vor dem Comeback gehabt, sagte Fox in der Late-Night-Show von David Letterman – „aber solange ich einen Typen mit Parkinson spiele, kann nichts schiefgehen“.

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