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Medien & TV Zwischen Watt-Witzlein und Kermit, dem Frosch
Nachrichten Medien & TV Zwischen Watt-Witzlein und Kermit, dem Frosch
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11:42 03.05.2014
Foto: Das neue Ermittler-Team aus Leer: Die Polizisten Jens Jensen (Florian Lukas), Süher Özlügül (Sophie Dal), Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg, re.) und Bestatter Wolfgang Habedank (Matthias Matschke, li).
Das neue Ermittler-Team aus Leer: Die Polizisten Jens Jensen (Florian Lukas), Süher Özlügül (Sophie Dal), Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg, re.) und Bestatter Wolfgang Habedank (Matthias Matschke, li). Quelle: ZDF
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Norddeutschland ist ein Mangelgebiet in mancherlei Hinsicht: Sonnenschein, Berge, die Fähigkeit zu längeren Sätzen. Und auch Schauspieler mit ortsüblicher Mundart scheinen in den Karteien vermittelnder Agenturen weithin zu fehlen, ansonsten hätte das ZDF für seinen neuen Samstagabendkrimi „Friesland“ – abgesehen vom debilen Untertitel „Mörderische Gezeiten“ – doch wohl ein paar Darsteller gefunden, die wenigstens ansatzweise einheimisch klingen und nicht, als kauten sie bloß ständig auf Zitronen herum.

So also muss der Ostberliner Florian Lukas als friesischer Provinzpolizist ­reden, wie es niemand vom Deich je täte. So klingt auch die Hauptstädterin ­Sophie Dal außerordentlich küstenfern. So ­erprobt der Franke Thomas Kügel als deren Chef einen bisher unbekannten Dialekt zwischen Mundraumlähmung und Kermit, dem Frosch. So bleibt im Grunde der ganze Pilotfilm eine einzige Simulation: Auswärtige simulieren Eingeborene, Langeweile simuliert Esprit, Kalauer simulieren Humor, Fernsehen simuliert Bauerntheater. Ergo: Selten zuvor war fiktionale Heiterkeit aus ­öffentlich-rechtlicher Produktion lieb­loser, altbackener und grässlicher als diese. Denn wer, bitte schön, hat dem Drehbuchautor zugeflüstert, es sei kreativ oder gar unterhaltsam, wenn Florian Lukas als Hauptfigur ständig in Ohnmacht fällt, sobald er ärztliche Instrumente sieht? Wer hat den Regisseur Dominic Müller überzeugt, so ein echtes Nordlicht habe nun mal Jens Jensen zu heißen und die dauergiggelnde Hobbyforensikerin natürlich Scherzinger, falls die Zuschauer mal kurz vergessen, dass das die Ulknudel vom Dienst wird?

Es gibt Witzlein über Einbeinige und Einäugige, über Kaninchenzüchter und Ostfriesentee. Es gibt Verdächtige, die grundsätzlich verdächtig dreinblicken, zu einer Musik, die jede Emotion aus dem Hollywoodhandbuch für den passenden Sound zu jeder Regung vertont. Es gibt also alles, was es zuvor schon tausendmal gegeben hat.

„Friesland – Mörderische Gezeiten“ | ZDF
Mundart-Krimi mit Florian Lukas
Heute, 20.15 Uhr

Daneben gibt es aber auch eine, nun ja: Handlung. Und darin begeht eine Frau scheinbar Suizid, der sich im Laufe putzig-chaotischer Ermittlungen allerdings als Tötungsfall im Rahmen eines gewaltigen Investitionsbetrugs entpuppt, was zwar erst ganz am Ende aufgeklärt wird, aber schon in den allerersten Sekunden fast so unvermeidlich wirkt wie der nächste Watt-Witz.

All dies wäre für sich genommen schon ärgerlich genug – würde das ZDF damit nicht auch noch einen Sendeplatz verunreinigen, der gerade dabei war, ein eigenständiges Profil abseits von „Wetten, dass ...?“ zu entwickeln. Anna Loos als „Helen Dorn“, mehr aber noch Lisa Wagner als „Kommissarin Heller“, legten zuletzt ja den Eindruck nahe, dem Zweiten gelänge es, Krimikost fern der üblichen Typenbilder zu erzeugen. Statt den Sonnabend künftig für interessante Frauenfiguren zu reservieren, kopiert das ZDF nun mehr schlecht als recht, was schon das Vorabendprogramm der ARD an den Rande der Lächerlichkeit getrieben hat. Denn im Kern ist „Friesland“ nichts anderes als ein auf 90 zähe Minuten gedehnter Schmunzelkrimi à la „Heiter bis tödlich“. Nur: Von denen gibt es bereits ein volles Dutzend aus nahezu jedem deutschen Mundartsprachraum. Und bis auf das bayerisch derbe „Hubert & Staller“ übertrifft eigentlich keiner davon auch nur annähernd das Niveau ländlicher Witzwettbewerbe im Schützenhaus.

So bleibt der einzige Lichtblick in einem Format, das wohl dennoch sein Publikum finden wird, Matthias Matschke. Einer treuen Fangemeinde ist er bekannt aus der brillanten SAT.1-Comedy „Pastewka“, wo er dessen Bruder Hagen spielt. Hier nun füllt der gelernte Komiker die Nebenrolle des kiffenden Bestatters mit dem einzigen Hauch von Leben, den dieser Reihenauftakt bietet.

Jan Freitag

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