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Medien Tüll Aviv – Das ESC-Tagebuch aus Tel Aviv. Tag 4: Im Garten der Botschafterin
Nachrichten Medien Tüll Aviv – Das ESC-Tagebuch aus Tel Aviv. Tag 4: Im Garten der Botschafterin
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10:06 17.05.2019
Im Garten der Botschafterin: Deutsche Eurovisionsgäste in Tel Aviv bei einem Empfang für die Sisters Carlotta Truman und Laurita Spinelli. Quelle: Imre Grimm
Tel Aviv

Den Sisters ist kühl, und das ist ja auch kein Wunder. In schmalen, schwarzen Kleidchen stehen Carlotta Truman (19) und Laurita Spinelli (27) im Residenzgarten der deutschen Botschafterin in Israel herum, die Abendsonne senkt sich, man reicht zwei Strickjacken, schwarz. Es ist ein zauberhafter Garten. Er ist voller Menschen, die zauberhafte Dinge über Europa, Israel, Deutschland und die Sisters sagen. Roastbeef-Sandwiches und Lachshäppchen werden verteilt.

„Der ESC ist das größte kulturelle Ereignis des Jahres in Israel“, sagt Botschafterin Susanne Wasum-Rainer gerade. Zuvor war sie Botschafterin in London und Paris, seit September 2018 ist sie nun in Israel in Amt und Würden. Überall war sie die erste Frau im Job. Auch hier.

Mit den Sisters und Roastbeef-Sandwiches im Garten der Botschafterin

Das sagt sie nicht. Aber sie sagt, dass sie die Botschaft der Sisters Carlotta Truman und Laurita Spinelli und ihres Songs „Sister“ möge. „Weibliche Solidarität ist enorm wichtig, auch mir“, sagt sie. Und überhaupt: Deutschland, Israel, besondere Beziehung, Musik verbindet, baut Brücken, macht alle glücklich, ist das nicht schön und so weiter. Man klatscht und trinkt Wein. Die Sisters frieren noch ein bisschen. Aber dann dürfen sie singen. Erst „Sisters“, natürlich.

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Dann „Hallelujah“, den israelischen Eurovisions-Siegersong von 1979. Man darf das nett finden oder ein bisschen schmeichlerisch, aber es passt schon hierher. Am Klavier sitzt Wolfgang Dahlheimer, musikalischer Leiter der ESC-Mission und Chef von Stefan Raabs Hausband The Heavytones. Ist er zufrieden mit dem deutschen ESC-Act? Was erhofft er sich für Samstag? Er wirft einen stoisch-undurchdringlichen Blick ins Nirgendwo, aus dem sich ein Funke Galgenhumor erhaschen lässt. Er sagt nichts.

Quelle: Imre Grimm

Der ESC: Ein Live-Moment für Europa

Aber Thomas Schreiber sagt etwas, der Unterhaltungschef der ARD und Chef de Mission im deutschen Eurovisionsteam. So viele Gelegenheiten gebe es für Europa gar nicht, gemeinsam live etwas zu erleben. „Es gibt nur diese eine Nacht im Jahr, in der so viele Länder gemeinsam ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten feiern“, sagt er. Da hat er recht, das ist ein schönes Bild.

Carlotta und Laurita hätten die ESC-Gemeinde und ihn „tief beeindruckt“ – als „fantastische Sängerinnen, als lustige, clevere, intelligente, zauberhafte Persönlichkeiten“. Sie seien Repräsentanten einer neuen jungen Generation, die sich der deutschen Geschichte in Israel durchaus bewusst sein, die Interesse daran habe, zu verstehen, was geschehen ist.

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Israel wirkt wie ein riesiger Metalldetektor

Man kann kein deutsch-israelisches Fest in einem Garten in Tel Aviv feiern, ohne dass die Sache früher oder später bei der jüngeren Geschichte landet. Es ist Israel, es ist die deutsche Botschaft. Es geht nicht anders. Die amerikanische ist vor einem Jahr nach Jerusalem umgezogen, die deutsche ist geblieben. Männer mit Knopf im Ohr streifen durch den Garten. Metalldetektoren haben sie hier nicht. Aber manchmal wirkt diese beiläufige, unsichtbare, offenbar hoch wirksame Sicherheitsarchitektur der Israelis, als sei in Wahrheit ganz Israel ein einziger Metalldetektor, und man müsse keinen einzelnen mehr aufstellen.

Dann wird öffentlich gekocht, mit dem deutsch-israelischen TV-Starkoch Tom Franz, der 2013 die israelische Ausgabe der TV-Wettkochens „Master Chef“ gewann und für den ESC beim NDR als Israelerklärer in Lohn und Brot ist. Es gibt Salat mit Kräutern – denn „Kräuter werden hier gern und viel verwendet“, erklärt Franz. Die Gäste klatschen. Die Sisters mischen Salat. Die Sonne geht unter. Botschafterin Susanne Wasum-Rainer wird dabei sein beim Finale am Sonntag, denn Musik verbreitet Hoffnung in der Welt, fördert den Zusammenhalt, macht Fremde zu Freunden, versöhnt die Kulturen, lässt Hass keinen Raum, grenzt sich nicht ab, ist die tröstende Sprache der Engel, ein Geschenk Gottes, die Kurzschrift des Gefühls, der Soundtrack des Friedens. Oder so ähnlich. Ich bin dann irgendwann nicht mehr mitgekommen.

Von Imre Grimm / RND

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