Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama 26-Jähriger wegen Doppelmord in Bodenfelde angeklagt
Nachrichten Panorama 26-Jähriger wegen Doppelmord in Bodenfelde angeklagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 28.03.2011
Der Tatverdächtige Jan O. unmittelbar nach seiner Festnahme im November. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige

Fünf Monate nach dem Doppelmord an zwei Jugendlichen in Bodenfelde (Kreis Northeim) hat die Staatsanwaltschaft Göttingen jetzt Anklage gegen einen 26-jährigen Mann aus dem Landkreis Northeim erhoben. Der 26-Jährige sei wegen Mordes in zwei Fällen angeklagt, teilte der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde, Hans Hugo Heimgärtner, am Montag mit. Bei beiden Taten lägen jeweils zwei Mordmerkmale vor. So habe der Angeschuldigte Jan O. die Tötungsdelikte zur Befriedigung des Geschlechtstriebes begangen, außerdem sei er in beiden Fällen grausam vorgegangen.

Die Verhandlung beginnt am 13. April vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen. Das gab das Gericht am Dienstag, einen Tag nach Veröffentlichung, der Anklage bekannt. Zunächst sind elf Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt.

Anzeige

Der Doppelmord hatte bundesweit großes Aufsehen und Entsetzen ausgelöst. Am Sonntag, 21. November, waren am Ortsrand von Bodenfelde am Rande einer Fichtenschonung die Leichen der 14-jährigen Nina und des 13-jährigen Tobias gefunden worden. Beide Kinder galten als vermisst. Das Mädchen war einige Tage zuvor von zu Hause ausgerissen und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Der Junge hatte am Vorabend einen Freund zum Bahnhof gebracht, seitdem fehlte von ihm jede Spur. Einen Tag nach dem Leichenfund nahm die Polizei den 26-jährigen Jan O. fest. Er hat inzwischen ein volles Geständnis abgelegt.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll er die 14-jährige Nina am Abend des 15. November getötet haben. Er habe zunächst vorgehabt, sie zu vergewaltigen. Diesen Plan habe er dann aufgegeben und sich zur Tötung des Mädchens entschlossen. Als Tatwaffe soll er eine abgeschlagene Bierflasche benutzt haben. Das Mädchen starb an den Schnittverletzungen, die er der 14-Jährigen am Hals zufügte.

Fünf Tage später traf Jan O. in der Nähe des Tatorts den 13-jährigen Tobias. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hielt er den Jungen zunächst für ein Mädchen. Er habe ihn unter einem Vorwand angesprochen und dann mit einem Butterfly-Messer mit einer Vielzahl von Stichen in den Hals ermordet. In beiden Fällen habe er sich durch die Tötung sexuelle Befriedigung verschaffen wollen.

Ein mündlich vorab erstattetes Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen kommt zu dem Schluss, dass der 26-Jährige vermutlich nur eingeschränkt steuerungsfähig ist. Sollte die Verhandlung ergeben, dass er für die Allgemeinheit gefährlich sei, komme eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht, sagte Heimgärtner.

Der 26-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme in Haft. Er stand zur Tatzeit wegen früherer Delikte unter Bewährung, die dann widerrufen wurde.

dpa/Heidi Niemann

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Einen Tag nach der Beerdigung der ermordeten Nina nehmen die Bewohner von Bodenfelde auch Abschied von Tobias. Viele Menschen sind am Rande ihrer Kräfte. Die Wut angesichts der grausamen Verbrechen wächst.

27.11.2010

Die letzten Wochen, die Jan O. in Freiheit verbracht hat – im Nachhinein bestehen sie aus einer fatalen An­einanderreihung gescheiterter Versuche, ihn aus seinem zerstörerischen Alltag ­herauszuführen. Ob eben diese Freiheit richtig war, daran gab es Zweifel. Auch daran, ob sie rechtens war.

Marina Kormbaki 26.11.2010

Wurden Nina und Tobias Opfer eines Sexualmörders? Die Polizei verfolgte am Montag im niedersächsischen Bodenfelde mehrere Hinweise. Der kleine Ort ist derweil geschockt - so wie das ganze Land.

23.11.2010