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Panorama 430.000 Euro für „verbotene“ Audrey-Hepburn-Marken
Nachrichten Panorama 430.000 Euro für „verbotene“ Audrey-Hepburn-Marken
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14:15 17.10.2010
Für 430.000 Euro versteigert: Die seltenen Briefmarken mit dem Konterfei von Audrey Hepburn.
Für 430.000 Euro versteigert: Die seltenen Briefmarken mit dem Konterfei von Audrey Hepburn. Quelle: ap
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Es dauert nur wenige Minuten, da sind zehn Audrey- Hepburn-Briefmarken für 430.000 Euro versteigert und der neue Besitzer schockiert. Ein Berliner Sammler, etwa 60 Jahre alt, erhält am Samstagabend im Berliner Hotel Adlon mit drei Hammerschlägen den Zuschlag für Marken, die es im Grunde nicht geben dürfte.

Fast ungläubig starrt der Mann in das anschließende Blitzlichtgewitter und nimmt Glückwünsche entgegen. Der unscheinbar wirkende Käufer im grauen Anzug hat soeben eine große Kostbarkeit der Philatelie ersteigert. Auf die Frage, ob er sich äußern oder seinen Namen nennen möchte, antwortet er nur stockend: „Ich kann und möchte nicht“ und verlässt schnell den Saal.

2001 ließ die Deutsche Post 14 Millionen Sondermarken drucken, die die US-Schauspielerin Hepburn (1929-1993) als Holly Golightly in ihrem wohl berühmtesten Film „Frühstück bei Tiffany“ zeigen - ohne aber zuvor die Bildrechte einzuholen. Als den Söhnen die Marken vorgelegt wurden, waren sie unzufrieden mit dem Druck. Hepburns ältester Sohn und Erbe der Rechte, Sean Hepburn Ferrer, verweigerte die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Die Auflage wurde vernichtet. Verschont blieben nur sechs Zehnerbögen, die nun ein Vermögen wert sind.

Zwei Bögen finden sich in einem Archiv der ehemaligen Bundespost und im Archiv für Philatelie in Bonn, einen bekam Sean Hepburn Ferrer. Drei weitere Bögen des Bundesfinanzministeriums verschwanden. Im Laufe der Zeit tauchten fünf einzelne Marken wieder auf - laut dem Bund deutscher Philatelisten gestempelt und abgeschickt im Raum Berlin.

„Ich habe acht Jahre lang nicht gewusst, dass die Marken bereits 14 Millionen Mal gedruckt worden sind“, erklärt Hepburns Sean Hepburn Ferrer, der mit seinem Bruder Luca Dotti zur Auktion kam. Er habe lange geglaubt, die es gebe nur Probedrucke. Nach Klärung des Missverständnisses habe er sich dafür entschieden, seinen Zehnerbogen zugunsten des UN-Kinderhilfswerkes Unicef und der Audrey-Hepburn- Kinder-Stiftung versteigern zu lassen. „Es ist ein magischer Abend. Wir verwandeln hier einen Gegenstand in Hoffnung für Kinder“, erklärt der 50-Jährige.

Fünf einzelne Marken sind seinen Worten zufolge in den vergangenen Jahren zum Durchschnittspreis von je 70.000 Euro versteigert worden. Für den Zehnerbogen hatte das Berliner Auktionshaus Schlegel zuvor einen Schätzwert von 400.000 bis 500.000 Euro angegeben. Dass der Erlös nun darunter liegt, überrascht Auktionatorin Elisabeth Schlegel nicht: „Wir wissen, wie die wirtschaftliche Lage weltweit aussieht.“ Auch mit 460.000 Euro könne man in Afrika, wo das Geld hinfließen soll, viel bewegen. Unicef-Repräsentantin und Fernsehmoderatorin Nina Ruge hält die Auktion für „großartig“. Dass ein Teil des Erlöses Unicef zugutekomme, sei „Gänsehaut“. Das Auktionshaus hatte auf seine Provision verzichtet.

Der neue Besitzer, den sie kennt, sei „wirklich schockiert“, sagt Elisabeth Schlegel. „Er hat überhaupt nicht damit gerechnet, je in den Besitz dieser Briefmarken zu kommen.“

dpa