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Panorama Am Nordpol schmilzt das Eis
Nachrichten Panorama Am Nordpol schmilzt das Eis
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19:27 11.08.2009
Von Margit Kautenburger
Etwa alle drei Tage schmilzt eine Eisfläche von der Größe Deutschlands.
Etwa alle drei Tage schmilzt eine Eisfläche von der Größe Deutschlands. Quelle: Josh Landis/AFP
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Dies meldet das US-Institut für Schnee- und Eisdaten (NSIDC) in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Das bedeutet, dass etwa alle drei Tage eine Eisfläche von der Größe Deutschlands schmilzt.

Im Eskimodorf Tuktoyaktuk im Nordwesten Kanadas bekommen die Einwohner die Erwärmung zu spüren. Dort wurden im Juli schon bis zu 30 Grad gemessen. „Die Kinder sind im Ozean schwimmen gegangen“, erzählt der Unternehmer Eddie Gruben. Seit vielen Jahren schmelze das Eis vor seinem Dorf.

Grubens Beobachtungen decken sich mit den Daten der Forscher. Schon 2007 und 2008 wurde ein starker Rückgang des arktischen Meereises gemessen. 2007 war die geringste Eisbedeckung seit Beginn der Satelliten-Aufzeichnung vor knapp 40 Jahren gemessen worden. Die Fläche war nach Angaben von Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nur noch halb so groß wie in den siebziger Jahren. Ob der Rekordwert von 2007 in diesem Sommer noch übertrumpft wird, hänge vom Wetter ab, sagt Rahmstorf, Beunruhigend sei der langfristige Trend der Erwärmung. „Die Entwicklung überholt uns“, sagt Rahmstorf. „Das zeigt, dass wir als Forscher beiden Klimaprognosen zu optimistisch waren.“

Rüdiger Gerdes, Leiter der Meereisphysik am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, hält die Ausdehnung des Eises allein nicht für entscheidend. Berücksichtigt werden müsse auch die Eisdicke. Darüber gebe es leider keine ausreichend guten Informationen. „Signifikant ist aber, dass es bereits das dritte Jahr in Folge mit einer hohen Eisschmelze ist“, betont Gerdes. „Normalerweise springt dies von Jahr zu Jahr.“

Ähnlich wie vor zwei Jahren habe ein Hoch über der Arktis und ein Tief über Sibirien warmen Wind vom Pazifik ins Nordmeer getrieben. Diese Wetterlage könne nur deshalb so drastische Auswirkungen haben, weil das Eis in der Arktis schon im Frühjahr sehr dünn gewesen sei. Solche Einzelereignisse müssten nicht unbedingt mit dem Klimawandel zu tun haben, meint Gerdes. Dennoch hält er sie für ein „Warnsignal“.

Unmittelbare Gefahren für den Menschen hat das Abschmelzen des Eises nicht. Für die Schifffahrt und die Ausbeutung von Rohstoffen ist die Entwicklung sogar positiv. Allerdings bedroht die Wärme den Lebensraum für Eisbären, Wale, das ganze polare Ökosystem.

Die Eisschmelze könnte außerdem den Meeresspiegel steigen lassen. „Die globale Energiebilanz verändert sich“, erklärt Klimaexperte Rahmstorf. Die Eisdecke auf dem Meer wirke wie ein Spiegel, der Wärme ins Weltall reflektiert. Verschwinde dieser Spiegel, verstärke sich die Erwärmung, das ohnehin bereits angegriffene Grönlandeis könne schmelzen und der Meeresspiegel steigen – in den kommenden Jahrhunderten um bis zu sieben Meter. „Das wäre eine Katastrophe.“