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Panorama Amerikaner träumen dank Obama wieder vom Mars
Nachrichten Panorama Amerikaner träumen dank Obama wieder vom Mars
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22:18 17.04.2010
Obama will irgendwann erleben, dass jemand den Mars betritt.
Obama will irgendwann erleben, dass jemand den Mars betritt. Quelle: dpa
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Ja zum Mars, Nein zum Mond. Trotz massiver Sparzwänge bekennt sich US-Präsident Barack Obama klar zur bemannten Raumfahrt. Er will bis 2025 Menschen weiter ins Weltall schicken als jemals zuvor. Etwa ein Jahrzehnt später sollen Astronauten dann bis in die Umlaufbahn des Roten Planeten vordringen - mehr noch: „Eine Landung auf dem Mars wird folgen, und ich werde dabei zusehen“, erklärte Obama, als er am Donnerstag im Bundesstaat Florida seinen neuen Kurs ins All vorstellte. Missionen zum Mond erteilte er hingegen eine deutliche Abfuhr. „Platt gesagt: Da waren wir schon einmal“, sagte er im Kennedy-Raumfahrtzentrum. „Es gibt viel mehr Weltall zu erkunden.“

Im Kern geht es dem Präsidenten zweifellos um ein abgespecktes Weltraumprogramm. Einerseits unterstrich er bei seinem Besuch an der „Raumfahrt-Küste“ in Cape Canaveral zwar, den Etat der Weltraumbehörde NASA über die nächsten fünf Jahre mit 6 Milliarden Dollar (4,4 Mrd. Euro) aufstocken zu wollen. Aber andererseits sollen künftig Privatfirmen mit „Space-Taxis“ dafür sorgen, dass Menschen und Material zur Internationalen Raumstation ISS gelangen. Die alten Space-Shuttles werden Ende des Jahres endgültig eingemottet.

Von ursprünglichen Plänen bleibt kaum etwas

Vom „Constellation“-Programm seines Vorgängers George W. Bush bleibt nicht viel übrig - es sollte Astronauten erst zum Mond, dann zum Mars und danach noch weiter bringen. Nur die Orion-Kapsel wird wohl überleben, und zwar zunächst als Fluchtfahrzeug, um im Notfall Astronauten von der ISS zu retten. Neun Milliarden Dollar flossen bereits in „Constellation“.

Galt Obamas Begeisterung für die Raumfahrt angesichts der enormen Kosten zunächst als eher lauwarm, wollte er am Donnerstag an seinem Engagement gar keinen Zweifel aufkommen lassen. „Ich bekenne mich hundertprozentig zur Mission der NASA und ihrer Zukunft“, betonte er. Niemand stehe stärker hinter der bemannten Raumfahrt als er. „Aber wir müssen es schlau anstellen.“

Mit im Zentrum von Obamas Vision: eine Schwertransport-Rakete, die Astronauten-Kapseln, Antriebssysteme und große Mengen Nachschub für Expeditionen in die Tiefen des Alls zu verschiedenen Zielen transportieren kann - etwa zu Kleinplaneten, die dann wiederum als Sprungbrett für Missionen dienen sollen, zum Beispiel zum Mars. Dafür stehen Obama zufolge drei Milliarden Dollar an Forschungsgeldern bereit. Bis 2015 soll das Design feststehen. „Dann bauen wir sie“, erklärte Obama.

Billiger soll’s werden

Schon Anfang der 2020er Jahre sollen erste Testmissionen für den großen Sprung in die unendlichen Weiten des Alls starten. Schneller, häufiger und zu niedrigeren Kosten sollen Astronauten künftig in den Weltraum aufbrechen, peilt der Präsident an.

Der Schock in der US-Raumfahrergemeinde war groß, als Obama zuerst das gesamte „Constellation“-Programm kippen wollte. Der frühere NASA- Chef Michael Griffin und berühmte Ex-Astronauten wie der erste Mann auf dem Mond, Neil Armstrong, oder Apollo-13-Held Jim Lovell beschworen Obama in einem offenen Brief, der bemannten Raumfahrt nicht den Rücken zu kehren. „Zu viele Männer und Frauen haben für Amerikas Vorherrschaft im All zu hart gearbeitet und zu viel geopfert, nur um zu sehen, dass alle Mühen nutzlos weggeworfen werden.“

Kritiker reagieren milde

Der Auftritt des Präsidenten - am Donnerstag 15-mal von Applaus unterbrochen - scheint die Kritiker besänftigt zu haben. Zu denen zählt auch Floridas Senator Bill Nelson. Nun spricht der Demokrat immerhin von einem „Schritt in die richtige Richtung“.

Vielleicht auch, weil Obama die Schaffung von 2500 Jobs für Floridas Raumfahrt-Region versprach. Denn es wird befürchtet, dass das Ende der Shuttle-Flüge im Herbst und das radikal abgespeckte „Constellation“-Programm alles in allem 7000 Stellen kostet. Der Präsident kann kaum riskieren, es sich mit dem „Sonnenscheinstaat“ zu verscherzen: Zu wichtig ist der bevölkerungsreiche Südstaat bei Wahlen, und als zu wackelig gelten dort die Mehrheiten.

Hoch zufrieden scheinen zumindest die privaten Anbieter von Raumfahrzeugen, die Obama künftig verstärkt einspannen will. „Zum ersten Mal seit dem Apollo-Programm hat unser Land einen Plan zur Erkundung des Weltalls, der alle begeistert und inspiriert, die zu den Sternen blicken“, jubelte etwa Elon Musk, Chef der Raumfahrtfirma SpaceX. „Und was noch wichtiger ist - er wird funktionieren.“

dpa