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Panorama Amokläufer verletzt neun Mitschüler
Nachrichten Panorama Amokläufer verletzt neun Mitschüler
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15:21 17.09.2009
Ein Rettungswagen verlässt in Ansbach (Bayern) das Gelände des Gymnasiums Carolinum. Quelle: ddp
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Der Schüler aus der 13. Jahrgangsstufe kam laut Polizeiangaben am Donnerstagmorgen mit einer Axt und Molotow-Cocktails in das Carolinum-Gymnasium und schleuderte Brandsätze, mit denen er zwei Schülerinnen schwer verletzte. Er selbst wurde beim Polizeizugriff schwer verletzt, wie Polizei-Einsatzleiter Udo Dreher sagte.

Die Polizei sei um 08.35 alarmiert und darüber informiert worden, dass eine Person einen Molotow-Cocktail im Gymnasium gezündet habe, sagte Dreher. Zwei Schülerinnen seien schwer und sieben weitere Schüler leicht verletzt worden. Die Opfer stammen laut Polizei aus der achten Jahrgangsstufe. Der Täter wurde nach Drehers Angaben von Polizisten niedergeschossen. Er sei schwer verletzt festgenommen worden und zur Zeit nicht ansprechbar. Feuerwehr-Einsatzleiter Horst Settler sagte, der junge Mann habe zwei Brandbeschleuniger geworfen, die kleinere Brände verursacht hätten.

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Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger sagte, gegen den 18-jährigen Schüler sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf sein Motiv.

Gymnasium evakuiert

Die Schule liegt mitten in der Altstadt von Ansbach. Das 1528 gegründete Gymnasium Carolinum ist nach eigenen Angaben das zweitälteste staatliche Gymnasium in Bayern. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums wurde das Gebäude mit mehr als 600 Schülern sofort nach der Tat evakuiert. Die meisten fanden in einem nahe gelegenen Arbeitsamt Zuflucht. Polizeisprecherin Elke Schönwald sagte: „Alle sind in Sicherheit.“ Die Polizei hatte das Gymnasium nach einem möglichen zweiten Täter durchsucht, aber ohne Ergebnis.

Die Arbeitsagentur öffnete ihre Räumlichkeiten für die Schüler und stellte den Besucherverkehr vorerst ein. Rettungskräfte und Seelsorger betreuten in der Arbeitsagentur die Jugendlichen und ihre Eltern, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg am Donnerstag mitteilte. Ihr Chef Frank-Jürgen Weise dankte den Mitarbeitern vor Ort, „die umsichtig und hilfreich den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern zur Seite stehen“.

Ministerin zeigt sich betroffen

Die bayerische Justizministerin Beate Merk zeigte sich betroffen über den Amoklauf. „Diese schreckliche Tat macht mich zutiefst betroffen. Meine Sorge gilt vor allem den verletzten Schülern“, sagte die CSU-Politikerin. Sie lasse sich fortlaufend über den Gesundheitszustand der verletzten Jugendlichen informieren. Wichtig sei nun vor allem psychologische Hilfe: „Die Verletzten, aber auch die Mitschüler und Lehrer brauchen jetzt schnellstmöglich kompetente psychologische Hilfsangebote, um bleibende Traumata zu verhindern“, sagte Merk.

Die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm beklagte den Amoklauf als Alarmsignal für eine zunehmende Sprachlosigkeit beklagt. „Dieser erneute Amoklauf an einer Schule ruft nach einer intensiven Ursachenforschung, wie wir der seelischen Not von Kindern und Jugendlichen begegnen können“, sagte Stamm. Es müsse geklärt werden, warum sich immer mehr junge Menschen nicht mehr mitteilen könnten und niemanden mehr hätten, dem sie sich mit ihren Gedanken anvertrauen könnten. „Wir müssen hart daran arbeiten, wie wir Eltern und anderen Bezugspersonen nachhaltiger zur Seite stehen können.“

ddp