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Panorama Anklage fordert mehr als vier Jahre Haft für Kachelmann
Nachrichten Panorama Anklage fordert mehr als vier Jahre Haft für Kachelmann
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19:55 18.05.2011
Im Prozess gegen Jörg Kachelmann hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert. Quelle: dpa
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Die Staatsanwaltschaft ließ in ihrem Plädoyer am Mittwoch keinen Zweifel daran, dass sie Jörg Kachelmann für schuldig hält. Sie sieht es als erwiesen an, dass der 52-Jährige in der Nacht zum 9. Februar 2010 die 38-jährige Simone W. (Name geändert) mit einem Messer bedroht und vergewaltigt hat, nachdem diese ihn wegen seiner Beziehungen zu anderen Frauen zur Rede gestellt hatte. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die Anklagevertreter die Medienberichterstattung zugunsten von Kachelmann berücksichtigten.

Beide Seiten haben sich äußerlich gelassen gegeben. Kachelmann plauderte in Pausen gewohnt locker mit seinen Verteidigern, Anwalt Johann Schwenn begleitete die Ausführungen der Anklage mit ebenso gewohnt süffisantem Grinsen. Auf der anderen Seite saß überraschenderweise die Frau, die mit ihrer Beschuldigung den Prozess ins Rollen gebracht hatte. Simone W. kauerte sichtlich nervös neben ihrem Rechtsanwalt an der Ecke des Tisches mit dem Rücken zum Publikum. Seit ihrer Vernehmung als Zeugin hatte die 38-Jährige an dem Verfahren nicht mehr teilgenommen.

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Die Glaubwürdigkeit der Radiomoderatorin war in dem Verfahren immer wieder bezweifelt worden – vor allem, da sie in den ersten Vernehmungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft die Unwahrheit gesagt hatte. Selbst Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge betonte: „Auch die Staatsanwaltschaft ist nicht so blöd, nicht zu erkennen, dass die Nebenklägerin in vielen Punkten gelogen hat.“ Dennoch glauben die Ermittler, dass sie im Kern, also was den Vorwurf der Vergewaltigung angeht, die Wahrheit sagt. Zwar waren die Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass sich mit aussagepsychologischen Methoden nicht nachweisen lasse, dass diese Angaben wahr seien – aber auch nicht, dass sie gelogen habe. Vor allem aber stützen sich die Ankläger auf die sogenannte objektive Spurenlage.

Unter anderem hatte Simone W. Verletzungen am Hals und Hämatome an den Oberschenkeln. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Nebenklägerin sich diese Verletzungen selbst zugefügt haben könnte“, sagte Oltrogge. Es gebe eine natürliche Hemmschwelle, sich selbst Schmerzen zu bereiten.

Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Frau waren auch aufgekommen, weil es an dem Rücken des Küchenmessers keine DNA-Spuren gab. Kachelmann soll seiner Exgeliebten das Messer mit der stumpfen Seite an den Hals gedrückt haben. Die Staatsanwaltschaft hält es für naheliegend, dass die Spuren bei dem Kontakt mit der Bettdecke verloren gingen. Kachelmann könne die Spuren aber auch bewusst abgewischt haben. „Man kann alle Indizien auch anders werten“, sagte Oltrogge. „Aber das ist das Wesen eines Indizienprozesses – dass es auf die Gesamtschau ankommt.“

Das Verfahren bleibt bis zum Schluss ein Medienprozess – so sehr, dass die Staatsanwaltschaft bei ihrer Berechnung des Strafmaßes die Auswirkungen der Berichterstattung mit einkalkulierte. „Der Angeklagte war in höchstem Maße Diffamierungen ausgesetzt“, sagte Oltrogge in seinem Plädoyer. Deshalb müsse man bei der Strafzumessung von einem minder schweren Fall ausgehen. Paragraf 177 des Strafgesetzbuchs sieht für besonders schwere Vergewaltigungen eigentlich eine Strafe zwischen fünf und 15 Jahren vor. Das Gesetz erlaubt es jedoch, in sogenannten „minder schweren Fällen“ den Strafrahmen auf ein bis zehn Jahre zu reduzieren.

Aufgrund der Berichterstattung sei Kachelmanns gesamtes Privatleben „zusammengebrochen“, so Oltrogge. Auch werde er es schwer haben, „beruflich dort anzuknüpfen, wo er sich vorher befunden hat“. Diese außergewöhnlichen Umstände führten dazu, dass von einem minder schweren Fall auszugehen sei. Oltrogge betonte aber auch, dass die Nebenklägerin gleichfalls massiv beeinträchtigt wurde – vor allem von Darstellungen in den Blogs der Kachelmann-Unterstützer.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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