Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama „Arctic Sea“ war Opfer eines Piratenangriffs
Nachrichten Panorama „Arctic Sea“ war Opfer eines Piratenangriffs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:48 18.08.2009
Der Frachter „Arctic Sea“ war Opfer eines Piratenangriffs.
Der Frachter „Arctic Sea“ war Opfer eines Piratenangriffs. Quelle: afp
Anzeige

Sollten sich seine Angaben bestätigen, wäre es der erste Piratenüberfall der jüngsten Geschichte in europäischem Gewässer.

Laut Serdjukow entführten die vier Esten, zwei Letten und zwei Russen das Schiff am 24. Juli, einen Tag nach seinem Auslaufen aus einem finnischen Hafen. Unter dem Vorwand, ihr eigenes Schiff habe einen Maschinenschaden, seien sie an Bord gekommen und hätten die „Arctic Sea“ in der Ostsee in schwedischem Hoheitsgewässer geentert. Dann hätten sie „die Besatzung unter der Androhung von Waffengewalt gezwungen, ihren Anweisungen zu folgen“, sagte Serdjukow laut den russischen Nachrichtenagenturen in seinem Bericht an Präsident Dmitri Medwedew.

Auf Anweisung der Piraten habe die 15-köpfige russische Besatzung des unter der Flagge Maltas fahrenden Frachters dann Kurs Richtung Afrika aufgenommen und alle Funkgeräte ausgeschaltet. Schließlich sei er vor der Küste der Kapverden im Atlantik entdeckt und am Sonntagabend gemeinsam von russischer Marine und Luftwaffe rund 500 Kilometer von den Kapverdischen Inseln entfernt aufgebracht worden. Nach den Worten des russischen Ministers fiel bei der Befreiung der Crew kein Schuss.

Derzeit würden Besatzung und die mutmaßlichen Piraten an Bord des Kriegsschiffs „Ladny“ vernommen. Nach Informationen der kapverdischen Behörden stand auf der Insel Sal ein Transportflugzeug bereit, um die Besatzung anschließend nach Hause zu fliegen. Der genaue Standort der „Arctic Sea“ blieb derweil weiter unklar. Medwedew hatte am Montag eine genaue Untersuchung der Vorkommnisse angeordnet und zugesagt, dass alle „interessierten Parteien“ über die Ergebnisse informiert würden.

Nach wie vor sind viele Fragen in dem Fall offen. Die „Arctic Sea“ der finnischen Reederei Solchart war am 23. Juli mit einer Ladung Holz im Wert von 1,16 Millionen Euro nach Algerien aufgebrochen. Am 28. Juli hatte die britische Küstenwache zum letzten Mal Funkkontakt, danach fehlte jede Spur von dem Frachter. Die NATO half Russland bei der Suche. Am Freitag dann meldete die kapverdische Küstenwache, sie habe das Schiff geortet. Meldungen, dass Lösegeld gezahlt wurde, dementierte der Besitzer der Reederei.

Auch über die Gründe für das mysteriöse Verschwinden gab es verschiedene Theorien: Experten vermuteten unter anderem, dass das Schiff Drogen oder Waffen geladen haben könnte, sprachen von Auseinandersetzungen zwischen Mafia-Banden, Piratenüberfällen oder „kommerziellen“ Konflikten. Gerüchte, dass der Frachter atomares Material geladen hatte, wiesen die finnischen Behörden am Wochenende zurück. Nach ihren Angaben wurde bei Kontrollen keine radioaktive Strahlung gemessen.

afp