Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama Auferstehung durch Klonen: Haben Dinos eine Zukunft?
Nachrichten Panorama Auferstehung durch Klonen: Haben Dinos eine Zukunft?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 23.12.2018
Weltweit wird momentan daran gearbeitet, ausgestorbene Arten neu zum Leben zu erwecken. Wissenschaftler versuchen sich auch an Arten, die es seit zigtausend Jahren nicht mehr gibt. Quelle: iStockphoto
Berlin

Im Film sieht alles so einfach aus: Im Hollywoodstreifen „Jurassic Park“ finden Wissenschaftler einen Moskito, der seit Millionen Jahren in Bernstein eingeschlossen ist und noch bei Dinosauriern Blut gesaugt hat. Aus der Dino-DNA lassen sie dann durch Klonen einen ganzen Zoo voller Urzeittiere wiederauferstehen.

Realistisch ist das Szenario nicht. Und doch: „Weltweit wird momentan daran gearbeitet, ausgestorbene Arten neu zum Leben zu erwecken“ sagt Thomas Wilke, Professor für spezielle Zoologie und Biodiversitätsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Das könne auch durchaus gelingen. Allerdings wird in keinem Labor der Welt ein Tyrannosaurus Rex gezüchtet. Erfolge gibt es vielmehr bei Tieren, die nicht wie die Dinos vor 65 Millionen Jahren von der Erde verschwanden, sondern erst vor wenigen Jahrzehnten. So wie der Pyrenäensteinbock: Von dessen letztem lebenden Exemplar wurde ein Klon erzeugt, der aber kurz nach der Geburt verstarb. Im Reagenzglas züchteten Forscher außerdem Embryonen des ausgestorbenen Magenbrüterfroschs, die für kurze Zeit überlebten.

Erbgut aus dem Permafrost

Den Möglichkeiten sind Grenzen gesetzt: „Um Tiere zu klonen, benötigt man einen intakten Zellkern, der ihr Erbgut enthält, und der ist bei lange ausgestorbenen Arten oft nicht vorhanden“, sagt Zoologe Wilke. Anders bei den genannten Tieren: Als im Jahr 2000 Celia, das letzte lebende Pyrenäensteinbockweibchen, von einem Baum erschlagen wurde, hatte man ihre DNA konserviert. Ähnlich war es beim Magenbrüterfrosch, der seit 1984 als ausgestorben gilt.

Wissenschaftler versuchen sich auch an Arten, die es seit zigtausend Jahren nicht mehr gibt. So planen russische und südkoreanische Genetiker in Jakutien ein hochmodernes Forschungszentrum. Dort möchten sie Eiszeittiere wie Wollhaarmammut, Wollnashorn und Höhlenlöwen wieder zum Leben erwecken.

Deren Erbgut könnte man aus Kadavern isolieren, die im Permafrost überdauert haben. Immer wieder werden im ewigen Eis mumifizierte Reste dieser Arten gefunden, die oft noch gut erhalten sind. So entdeckte man erst im vergangenen Jahr in Sibirien ein 50 000 Jahre altes gefrorenes Höhlenlöwenbaby.

Es sollten noch nah verwandte Arten leben

Wilke sieht solche Vorhaben skeptisch: „Nach so langer Zeit ist es äußerst schwierig, gut erhaltene DNA zu finden. Und selbst wenn man sie findet, wird sie beim Auftauen womöglich zerfallen.“ Das sei aber längst nicht das einzige Problem. Denn um erfolgreich Klone zu züchten, braucht man nicht nur Zellkerne der ausgestorbenen Art. „Es sollten auch noch möglichst nah verwandte Arten oder Unterarten leben, denen man dieses Erbgut einpflanzen kann, und deren Weibchen die Klone austragen können.“

Wollhaarmammuts aber sind zum Beispiel nicht wirklich eng mit den heutigen Elefanten verwandt – ihre Stammbäume trennten sich vor über sechs Millionen Jahren. Höhlenlöwen hingegen sind den heutigen Löwen genetisch nahe, es handelt sich eher um eine Unterart.

Allgemein lässt sich also sagen: Je stärker eine Art noch lebenden Tieren ähnelt, desto einfacher und realistischer ist es, sie wiederzubeleben. Aber es ist eben auch weniger spektakulär, einen Steinbock zu züchten als einen T-Rex.

Ein fast vollständig erhaltenes Skelett eines Wollhaarmammuts, das vor etwa 220.000 Jahren im heutigen Sachsen-Anhat lebte, ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) zu sehen. Quelle: dpa

Zumindest für das Problem mit der DNA deuten sich aber Lösungen an, sagt Wilke: „Auch wenn diese nicht mehr intakt ist, kann man versuchen, sie zu entschlüsseln.“ Im Labor lässt sich das Erbgut einer verwandten Art dann mithilfe von Genscheren so verändern, dass es dem von Wollhaarmammut oder Höhlenlöwe gleicht.

So arbeitet etwa der Cambridge-Forscher George Church seit einigen Jahren daran, das Erbgut des asiatischen Elefanten an das eines Mammuts anzugleichen. Die so erzeugten Embryos sollen in einer künstlichen Gebärmutter im Labor heranwachsen.

Neben Klonexperimenten werde die Rückzucht von Arten betrieben, sagt Wilke. Dafür gebe es verschiedene Methoden. Bei der reinen Abbildzüchtung verpaart man einfach Tiere, die äußerlich einer nicht mehr existierenden, nah verwandten Art gleichen. So werde zum Beispiel versucht, ursprünglich aussehende Pferde zu züchten, die den ausgestorbenen europäischen Wildpferden ähneln. „Tatsächlich haben solche Züchtungen dann aber nicht allzu viel mit der ursprünglichen Art zu tun.“

Das Genom ausgestorbener Arten errechnen

Man kann sich allerdings auch mehr Mühe geben: Für das „Taurus-Projekt“ suchen Forscher gezielt nach ursprünglichen Rinderarten, deren Erbgut dem des ausgestorbenen Auerochsen ähnelt. Über mehrere Generationen hinweg könnte man mit ihnen versuchen, neue Auerochsen zu züchten. Rückzüchtungen ließen sich auch mit dem Einsatz von Genscheren kombinieren.

Versucht wird zudem, das Erbgut ausgestorbener Arten ganz ohne DNA-Funde zu entschlüsseln. Dafür werden zum Beispiel äußere Merkmale von Fossilien mit noch lebenden Arten verglichen, was Rückschlüsse auf deren Genom erlaubt.

Und Computerprogramme können anhand der Stammbäume verschiedener Arten zum Teil „errechnen“, welche Gene bei diesen vorkamen. Wenn man es dann erst einmal kennt, könnte man eines Tages vielleicht sogar das Genom ausgestorbener Arten komplett im Labor erzeugen. Bei Bakterien ist so etwas bereits gelungen.

Überlebensfähige Populationen in weiter Ferne

Wilke ist sich sicher: „In naher Zukunft wird man einzelne Tiere nah verwandter Arten durch Klonen neu züchten, aber noch keine überlebensfähigen Populationen.“ Denn die geklonten Pyrenäensteinböcke, Magenbrüterfrösche oder Höhlenlöwen wären alle genetisch identisch. Es käme zur Inzucht, Gruppen solcher Tiere wären extrem krankheitsanfällig, weil es an genetischen Variationen mangelt.

Und die Rückkehr der Dinosaurier, ist sie in ferner Zukunft nicht doch vielleicht möglich? Der Zoologe Thomas Wilke glaubt nicht daran. Er selbst erforscht übrigens das Erbgut einer ausgestorbenen Schneckenart, die nur an einem Ort auf der Welt, in einer Quelle in Mazedonien, vorkam. Und auch er träumt davon, sie eines Tages wiederzubeleben. Für die Wissenschaft wäre das ein großer Erfolg – nur für Hollywood noch nicht filmreif genug.

Von Irene Habich

Ein Tsunami hat die Inseln Sumatra und Java in Indonesien getroffen und mehreren hundert Menschen das Leben gekostet. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

23.12.2018

Endlich, die Tage werden wieder länger. Im britischen Stonehenge feierten Tausende deswegen die Wintersonnenwende. Für diesen Anlass hatten sich die Menschen besonders vorbereitet.

22.12.2018

Die Trockenheit der vergangenen Monate hatte dem Rhein zuletzt stark zugesetzt. Das könnte sich jetzt ändern. Ein kleines Hochwasser ist in Sicht.

22.12.2018