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Panorama Austrittswelle erfasst katholische Kirche in Süddeutschland
Nachrichten Panorama Austrittswelle erfasst katholische Kirche in Süddeutschland
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21:36 24.04.2010
Katholische Kirche: Noch herrscht keine Untergangsstimmung, viele Katholiken scheinen aber verunsichert angesichts des Missbrauchsskandals.
Katholische Kirche: Noch herrscht keine Untergangsstimmung, viele Katholiken scheinen aber verunsichert angesichts des Missbrauchsskandals. Quelle: dpa
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Recherchen der „Frankfurter Rundschau“ zeigen, dass die Zahl der Kirchenaustritte im März und April vielerorts stark gestiegen ist, vor allem in den katholisch geprägten Regionen im Süden Deutschlands. Glück beklagte diese Entwicklung am Samstag beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Augsburger Diözesanrates.

Viele Menschen seien in großer Sorge, die moralische Institution der Kirche könne so schwer geschädigt werden, dass sie diese Funktion verlieren könnte. Die Opfer müssten im Mittelpunkt stehen, nicht ein „falsch verstandener Schutz der Institution“, sagte Glück. Von der Deutschen Bischofskonferenz, die an diesem Montag zusammenkommt, forderte er ein deutliches Signal, wie die verlorene Glaubwürdigkeit der Kirche wieder zurückgewonnen werden kann.

Nach dem Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa sind in dem Bistum weitere mutmaßliche Fälle von sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt durch Kirchenvertreter bekanntgeworden. Der bischöfliche Beauftragte hatte bei der Vollversammlung erklärt, bis Mitte April hätten sich rund 50 Opfer gemeldet. Die meisten davon sollen zwischen 1950 und 2003 missbraucht oder misshandelt worden sein, einige Fälle reichten bis 1939 zurück. In 30 Fällen handle es sich um sexuellen Missbrauch. Unter den insgesamt 25 Beschuldigten seien 12 Ordensleute. Einige davon sollen schon gestorben sein. In zwei Fällen habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

Nach Recherchen der „Frankfurter Rundschau“ (FR) nahmen im März in Bayern die Austritte im Bistum Bamberg von sonst durchschnittlich 200 bis 300 pro Monat auf etwa 1400 Gläubige zu. Ebenfalls im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Austritte in Würzburg von 407 auf 1233. Regensburg hatte laut „FR“ in den ersten Monaten dieses Jahres jeweils etwa 40 Austritte beider Konfessionen zu verzeichnen. Im März, als sich Missbrauchsopfer der Regensburger Domspatzen meldeten, haben 193 Katholiken ihre Kirche offiziell verlassen. Im Bistum Augsburg gab es seit Jahresbeginn 4300 Austritte. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart stiegen die Austritte von durchschnittlich 1400 monatlich im März auf 2676, in Freiburg von 1058 auf 2711.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will Missbrauchsopfern künftig mehr Zeit für zivilrechtliche Ansprüche gegen ihre Peiniger gewähren. „Ich bin offen für eine deutliche Verlängerung der Fristen“, sagte die Ministerin der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Die Frist läuft derzeit drei Jahre nach dem 21. Geburtstag der Opfer ab.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, zeigte sich enttäuscht über das erste Treffen des Runden Tisches gegen sexuellen Kindesmissbrauch am Freitag. „Es war ein Anfang, nicht mehr“, sagte Hilgers den „Ruhr Nachrichten“ (Samstag). Er kritisierte, dass ein Zwischenbericht erst bis Ende des Jahres vorliegen soll.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, nannte den Runden Tisch eine Show. Der gesellschaftlichen Debatte solle die Spitze genommen werden, aber letztlich hätten sich die Arbeitskreise zunächst alle vertagt, sagte Künast den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag). Bei der konstituierenden Sitzung waren Unterarbeitsgruppen eingesetzt worden, die im Mai mit ihrer Arbeit beginnen sollen.

Die seit einem Monat geschaltete Hotline der katholischen Kirche für Missbrauchsopfer ist für mehr als 1500 Gespräche genutzt worden. Hinzu kamen gut 130 Online-Beratungen, wie der Leiter der Hotline, Andreas Zimmer, mitteilte.

dpa

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