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Panorama Behörden rechnen mit weiterem Dammbruch in Ungarn
Nachrichten Panorama Behörden rechnen mit weiterem Dammbruch in Ungarn
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16:19 10.10.2010
Am Montag hatte eine Giftschlammlawine binnen einer Stunde drei Dörfer überschwemmt und mindestens sieben Menschen getötet.
Am Montag hatte eine Giftschlammlawine binnen einer Stunde drei Dörfer überschwemmt und mindestens sieben Menschen getötet. Quelle: dpa
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Das ungarische Umweltministerium ist sich mittlerweile sicher, dass der Damm eines Giftschlamm-Beckens unausweichlich brechen und eine weitere Welle den Ort Kolontar treffen wird. Umweltstaatssekretär Zoltan Illes sagte am Sonntag, kürzlich festgestellte Risse in der Nordwand des Reservoirs einer Aluminiumfabrik hätten nur vorübergehend aufgehört, sich zu vergrößern. Das sei aber bloß Folge von günstigen Wetterbedingungen. Die Risse würden sich aber unaufhaltsam erweitern, besonders nachts.

Am Montag hatte eine Giftschlammlawine binnen einer Stunde drei Dörfer überschwemmt und mindestens sieben Menschen getötet. Bei dem Stoff handelt es sich um Rotschlamm, der bei der Aluminiumherstellung anfällt. Illes sagte nun, dass die neuerliche Welle das Dorf Kolontar, rund einen Kilometer nördlich des Beckens, erneut überfluten werde. Die Brühe werde dann aber kurz vor der nächsten Ortschaft haltmachen. Aus Angst vor der neuen Giftschlammlawine ist der Ort Kolontar am Wochenende vollständig geräumt worden.

Bei einem Dammbruch könnten nach Schätzung von Experten weitere 500.000 Kubikmeter ätzenden Rotschlamms austreten. Vorsorglich mussten daher die verbliebenen Einwohner von Kolontar den Ort räumen. Wer über kein eigenes Auto verfüge, sei mit Bussen abgeholt worden und habe 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen dürfen, sagte Dobson. Die Menschen wurden in die Stadt Ajka gebracht. Auch im Nachbarort Devecser wurden die rund 5.300 Einwohner bereits von den Behörden aufgefordert, eine Tasche zu packen und sich für eine mögliche Evakuierung bereitzuhalten.

Die ätzende Masse hatte am Donnerstag die Donau erreicht und floss in Richtung der Anrainerstaaten Kroatien, Serbien und Rumänien. Am Freitag wurden alle paar Stunden Wasserproben aus der Donau entnommen. Während aber die Flüsse und Bäche in unmittelbarer Nähe des Unglücksorts ph-Werte von 13,5 aufwiesen, scheint das Gift dem zweitgrößten europäischen Fluss bislang wenig anzuhaben. Der pH-Wert an der Stelle, wo das kontaminierte Wasser in die Donau fließt, lag nach Auskunft der Katastrophenschutzbehörde bei neun. Das sei gering genug, um einen biologischen Schaden zu vermeiden, sagte Innenminister Sandor Pinter. Die Umweltschützer von Greenpeace erklärten hingegen, der Rotschlamm enthalte “überraschend hohe“ Konzentrationen an Arsen und Quecksilber.

Der Aluminiumfirma MAL zufolge, der das Werk gehört, befinden sich noch 90 Prozent des Rotschlamms im Sammelbecken. Das Unternehmen hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass es stärkere Vorsichtsmaßnahmen hätte treffen müssen. Die Ermittlungsbehörden beschlagnahmten inzwischen Unterlagen und gehen dem Verdacht der Fahrlässigkeit nach. Erste Zeugen wurden befragt. Orban sagte, das Unglück hätte vermieden werden können. Es müsse „menschliches Versagen und Fehler“ gegeben haben. Er kündigte ernste rechtliche Konsequenzen an und betonte: „Dafür wird sich jemand zu verantworten haben.“

dapd

10.10.2010
10.10.2010