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Panorama Der Vatikan, eine riesige „Schwulen-Gemeinschaft“?
Nachrichten Panorama Der Vatikan, eine riesige „Schwulen-Gemeinschaft“?
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12:56 18.02.2019
Der französische Autor Frederic Martel veröffentlicht sein Buch über Homosexualität im Vatikan am Donnerstag, wenn auch in Rom die Missbrauchskonferenz beginnt. Quelle: Thibault Camus/AP
Rom

Kurz vor dem Gipfel zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche sorgt auch das Tabu-Thema Homosexualität im Vatikan für Gesprächsstoff. In einem neuen Buch wird der Vatikan als eine der „größten Schwulen-Gemeinschaften der Welt“ bezeichnet.

Der französische Autor Frédéric Martel hat für sein Werk „Sodoma“ vier Jahre recherchiert und mit rund 1500 Personen innerhalb und außerhalb des Vatikans gesprochen. Das Buch erscheint am Donnerstag - genau an dem Tag, an dem die Missbrauchskonferenz in Rom beginnt.

Buch erscheint passend zur Missbrauchskonferenz im Rom

Sein Buch handele von einem Staatsgeheimnis, von dem eigentlich viele wüssten, über das aber nur wenige sprächen, sagte Martel vor wenigen Tagen dem französischen Sender TF1. Für das Buch habe er auch mit mehreren Kardinälen und Bischöfen gesprochen.

Martel sagte, er bezweifle, dass es in dem bekannten Schwulenviertel The Castro in San Francisco so viele Homosexuelle gebe wie an der Spitze der katholischen Kirche. Einer der Befragten habe ihm gesagt, 80 Prozent der Männer im Vatikan seien schwul. Auch in der engsten Umgebung des Papstes gebe es viele Homosexuelle. Die Geistlichen seien gefangen in einem System, das vor langer Zeit dazu aufgebaut worden sei, das Geheimnis der Homosexualität im Vatikan zu schützen.

Gibt es Zusammenhang zwischen Homosexualität und Missbrauch im Vatikan?

Bereits der ehemalige Papst Benedikt hatte von schwulen „Seilschaften“ im Vatikan gesprochen. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Missbrauch durch Geistliche gibt. Laut einer Studie der Deutschen Bischofskonferenz sind Jungen weit häufiger Opfer von Missbrauch geworden als Mädchen.

Homosexualität könnte aber genauso wie das Zölibat - also die Ehelosigkeit von Priestern - nicht per se als Ursache für sexuellen Missbrauch gelten, heißt es in der Studie. Aber: „Das komplexe Zusammenspiel von sexueller Unreife, abgewehrten und verleugneten sowie die zum Zeitpunkt der Berufswahl möglicherweise latenten homosexuellen Neigungen in einer ambivalenten, teilweise auch offen homophoben Umgebung könnte (...) eine weitere Erklärung für das Überwiegen männlicher Betroffener beim sexuellen Missbrauch durch katholische Kleriker bieten.“

Lesen Sie hier:
Warum Kinder nach Missbrauch schweigen

Von RND/dpa

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