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Panorama Charlotte Casiraghi ist das neue royale It-Girl
Nachrichten Panorama Charlotte Casiraghi ist das neue royale It-Girl
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09:47 14.04.2012
Von Imre Grimm
Foto: Charlotte Casiraghi entwickelt sich zur neuen Galionsfigur des europäischen Hochadels.
Charlotte Casiraghi entwickelt sich zur neuen Galionsfigur des europäischen Hochadels. Quelle: dpa
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Hannover

Und da ist plötzlich wieder so eine. Eine, die ihre grünen Augen aufschlägt, und die Presse sinkt darnieder. Eine, die den Arm hebt, und ein Schwarm junger Kerle stürzt los, um einen Martini zu holen oder einen Hermès-Schal oder ein Taxi. Eine, die einen Chanel-Mantel mit einem 30-Minuten-Auftritt zum Bestseller machen kann. Eine, die es schafft, Charme und Coolness zu einer Melange zu mixen, die nicht nur in „Bild der Frau“, sondern auch in „Vogue“ und „Vanity Fair“ funktioniert.

Charlotte Marie Pomeline Casiraghi, Sternzeichen Löwe, ist 25 Jahre alt. Sie trägt keinen Prinzessinnentitel. Aber wenn dein Großvater ein olympischer Goldmedaillengewinner und dein Vater ein italienischer Rennbootkapitän war, wenn deine Großmutter Grace Kelly heißt und deine Mutter Prinzessin Caroline, dann darf man wohl von einem genetischen Hauptgewinn sprechen. „Sie ist eine klassische, romantische Schönheit“, sagt etwa Karl Lagerfeld, Freund der Grimaldis. „Sie wäre in jeder Epoche ein Beispiel an Eleganz gewesen.“ Schon über die 13-jährige Charlotte sagte er einst: „Sie erinnert mich an die junge Brigitte Bardot.“

Der europäische Hochadel hat ein neues It-Girl. Es trägt kastanienbraunes Haar. Es spricht fließend Französisch, Italienisch, Englisch und ein bisschen Deutsch. Es ist seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Es steht auf Rang vier in der monegassischen Thronfolge. Und es ist seit März - als Nachfolgerin von „True Blood“-Schauspielerin Evan Rachel Wood - das neue Werbegesicht für die Reitsportlinie des Luxusmodelabels Gucci, weil es „die Seele des Hauses auf elegante Art verkörpert“, wie der Konzern beglückt verkündet. Starfotograf Peter Lindbergh setzte die erfahrene Reiterin in einem Stall in Szene.

„CC“ ist für Monaco das, was Prinz William und Kate für Großbritannien sind: Glücksfall, Hoffnungsträger, ein Versprechen auf die Zukunft der Monarchie. In einer Zeit, in der die internationale Jetset-Elite aus partywütigen Höschenvergesserinnen wie Britney Spears, Lindsay Lohan, Nicole Ritchie, Peaches Geldof oder Paris Hilton besteht, ist man ja dankbar für jede kultivierte, wohltuend bekleidete 25-jährige Stilikone, die nicht nur auf körperliche Primärreize setzt. Die nächste Generation im Hochadel hatte zuletzt mit Sarah „Fergie“ Fergusons rumpeligen Töchtern Beatrice (der Hut!) und Eugenie oder Prinz Harrys On-Off-Freundin Chelsy Davy eher nicht die feingeistige Kundschaft bedient.

Die Karriere eines It-Girls im globalen Hochadel ist ein fragiles Konstrukt aus Herkunft, Aussehen, Stil, geschickter Medienarbeit und gezielter Wohltätigkeit. Monarchien leben im Medienzeitalter nicht mehr allein von der Tatsache, dass sie welche sind. Sie verkaufen Glamour, Identität, Orientierung, Soapgeschichten. Glamour aber hängt an Gesichtern. Charlotte Casiraghi - technisch gesehen einfache Bürgerin Monacos - symbolisiert perfekt, was das winzige Fürstentum mit seinen 16000 Einwohnern an der Côte d’Azur sein will: mondän, stilsicher, eloquent, gebildet, skandalfrei - aber trotzdem nicht langweilig.

„Die Größe spielt keine Rolle“, sagte „CC“ in einem ihrer seltenen Interviews. „Es geht darum, was etwas verkörpert und wofür es steht.“ Sie meinte ihr kleines Heimatfürstentum, diesen winzigen Goldflecken an der Riviera, halb so groß wie der Central Park in New York. Aber sie sprach wohl auch ein bisschen von sich selbst. 1,65 Meter groß ist sie und dabei der hellste Stern, den die Grimaldis aktuell zu bieten haben. Denn Fürst Albert II., der graumäusigste der europäischen Royals, hat - um es vorsichtig zu formulieren - ein schweres Glamourdefizit, das auch seine neue Gattin, die südafrikanische Schwimmerin Charlene Wittstock, nicht auszugleichen imstande ist. Und Alberts Schwestern Caroline und Stéphanie haben nach wie vor viel mit sich selbst zu tun.

Mutter und Tante sind also raus. Die Scheinwerfer der Weltpresse richten sich auf die 25-Jährige. Und die findet das nicht nur lustig. Gerade erst hat ihr Anwalt mehr Privatsphäre für sie eingefordert. Die US-Hochglanzzeitschrift „Vanity Fair“ feiert sie in ihrer aktuellen Ausgabe als „Monacos jüngstes und widerwilligstes Objekt der Begierde“.

Das Leben von Charlotte Casiraghi - benannt nach ihrer Urgroßmutter Charlotte von Monaco, der Mutter von Gracia Patricias Ehemann Fürst Rainier III. - ist nicht frei von Schicksalsschlägen: Am 3. Oktober 1990 starb ihr Vater, der italienische Unternehmer Stefano Casiraghi, bei einem Speedbootrennen in Monte Carlo. Charlotte war vier Jahre alt. Caroline zog daraufhin mit ihr und den beiden Brüdern Andrea (heute 27) und Pierre (heute 24) in die Kleinstadt Saint-Rémy-de-Provence, nur weg aus Monaco, weg von den Kameras. 1999 dann heiratete Caroline Ernst August Prinz von Hannover, sieben Monate später kam Charlottes Halbschwester Prinzessin Alexandra von Hannover zur Welt. Die Familie zog nach Fontainebleau bei Paris um, Charlotte legte ein Einser-„Baccalauréat“ (Abitur) hin, bevor sie - auch hier ganz ihre Mutter - Philosophie an der Sorbonne studierte. Es folgten: Praktika bei Medien und Erfolge bei Springreit-Turnieren. Sie arbeitet als freie Journalistin, schreibt für die Sonntagsbeilage des britischen „Independent“ und gründete das Magazin „Ever Manifesto“, in dem es um nachhaltigen Lebensstil geht.

Vier Jahre war „CC“ mit dem Galeristen Alex Dellal (29) zusammen, Ende 2011 soll sie sich in den französischen Komiker Gad Elmaleh (40) verliebt haben. Von einem „Coup de Foudre“ ist die Rede - Liebe auf den ersten Blick. Sie hat eine treue Gefolgschaft aus Mitgliedern der jungen Euro-Elite um sich geschart. Dazu gehören Modemacherin Stella McCartney, das Model Margherita Missoni, Spross des italienischen Missoni-Modeclans, ihr Bruder Andrea mit Freundin Tatiana Santos Domingo, selbst It-Girl und Millionenerbin, und das Geschwisterpaar Eugenie und Stavros Niarchos, Letzterer Reederei-Erbe und Exfreund von Paris Hilton. Da ist die Welt der sogenannten Schönen und Reichen dann doch wieder ganz klein.

Ruhm ist ihr zuwider, deutet sie ab und zu an. Sie will kein Klatschobjekt sein. Aber was soll man machen, wenn man so aussieht?

Klaus Wallbaum 14.04.2012
13.04.2012
13.04.2012