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Panorama Das Aufräumen nach dem Sturm „Xynthia“
Nachrichten Panorama Das Aufräumen nach dem Sturm „Xynthia“
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20:07 01.03.2010
Feuerwehrleute in Frankreich. Quelle: ap
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Sieben Menschen starben. Auf Straßen, Schienen und in der Luft brach ein Verkehrschaos aus.

In den betroffenen Gebieten mussten kubikmeterweise Holz, demolierte Autos, herausgerissene Verkehrsschilder und herabgestürzte Dachziegel beiseitegeräumt werden. Für genaue Schätzungen der Schadenshöhe sei es noch zu früh, teilten die Versicherungen Münchner Rück und Allianz gestern mit. Allein in Rheinland- Pfalz müssen Reparaturen im Wert von zwei Millionen Euro in Auftrag gegegen werden, teilte das Innenministerium mit.

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Besonders massiv war „Xynthia“ über die französische Atlantikküste hereingebrochen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy zeigte sich schockiert beim Anblick der Verwüstungen und Toten: „All diese Menschen, die ertrunken sind, das ist niederschmetternd.“ Er kündigte Hilfen in Höhe von drei Millionen Euro an und wollte die betroffenen Regionen zum Katastrophengebiet erklären lassen, damit Versicherungen schneller Entschädigungen zahlen. Am Montagmittag waren in Frankreich noch 220.000 Haushalte ohne Strom. In Portugal und Nordspanien gab es vier Tote. In Belgien wurde ein Mann von einem Baum erschlagen.

Auch in Deutschland knickten die gewaltigen Orkanböen Bäume wie Streichhölzer um – insgesamt kamen sieben Menschen ums Leben. Eine Frau aus dem südpfälzischen Landau, die von einem umstürzenden Eisentor getroffen worden war, erlag in der Nacht zum Montag ihren schweren Verletzungen. In Niedersachsen wurde ein Mann bei Bückeburg mit seinem Auto von der Fahrbahn gegen einen Baum geweht. Im hessischen Biblis riss vermutlich eine Böe einen Zweijährigen in einen Fluss. Im Schwarzwald kam ein Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin. Am schlimmsten wütete der Sturm in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Dort wurden selbst im Flachland Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von 133 Stundenkilometern registriert.

In vielen niedersächsischen Wäldern besteht nach dem Sturmtief „Xynthia“ Lebensgefahr. Die Landesforsten warnen die Bevölkerung dringend vor dem Betreten der Wälder. Auch nach dem Abflauen des Sturmes bestehe die Gefahr, dass Äste herunterstürzen oder Bäume umkippen könnten. Das Ausmaß der Schäden sei noch nicht abzusehen, sagte der Sprecher der Landesforsten Michael Rudolph. Es seien bisher aber keine großflächigen Windwürfe bekannt geworden. Im Solling und im Harz seien nur einzelne Bäume oder kleinere Baumgruppen umgestürzt.

Gemessen an der Zahl der Opfer war „Xynthia“ ein schlimmerer Orkan als „Kyrill“ im Jahr 2007 mit 47 Toten. „Lothar“ hatte im Dezember 1999 nach Angaben der Münchner Rück europaweit 110 Menschen in den Tod gerissen, andere Quellen nennen eine geringere Opferzahl. Die Forstschäden halten sich diesmal in Grenzen. Das zeigt auch eine erste Bilanz aus der Eifel.

In einigen Regionen Deutschlands, darunter in Nordrhein-Westfalen und im Saarland, war der Zugverkehr am Sonntag komplett eingestellt worden. Tausende Fahrgäste saßen fest. Bahnmitarbeiter hatten in der Nacht die verwüsteten Gleise wieder freigeräumt. Langsam löste sich am Montag der Stau gestrandeter Züge auf. Auch auf dem Frankfurter Flughafen gab es am Montag noch Verspätungen. Am Sonntag waren auf dem Airport 242 von 1270 Starts und Landungen ausgefallen.

In Nordrhein-Westfalen war die Polizei zwischen Sonntagmittag und Montagfrüh zu Tausenden Sturmeinsätzen gerufen worden. Auch die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun. Neben kubikmeterweise Holz mussten zerfetzte Planen, Dreck und Trümmer von Straßen und Wegen geräumt werden. Der Sturm hatte auch Bahnoberleitungen abgerissen und Dächer abgedeckt. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Luft: Baustellenampeln, Gerüstteile, Toilettenhäuschen.

Lediglich einen Blick ins Freie bekamen indes Häftlinge der Justizvollzugsanstalt I in Frankfurt-Preungesheim. Der Sturm hatte dort einen etwa sechs Meter hohen provisorischen Gefängniszaun aus Metallplatten und Stacheldraht umgeweht. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte bewachten das Loch in der Gefängnismauer.

„Xynthia“ war in der Nacht die Puste ausgegangen, das Tief zog am Montag nach Osten ab. Der Deutsche Wetterdienst warnte nur noch vor Orkanböen auf dem Brocken. Wegen der starken Regenfälle, die „Xynthia“ mitbrachte, steigen die Pegel der Flüsse weiter an – vielerorts droht nun Hochwasser.

Nach dem meteorologischen Frühlingsbeginn am Montag soll es in den kommenden Tagen wieder kühler werden. In den Nächten sei wieder mit Frost zu rechnen, sodass es auf den Straßen auch wieder glatt werden könne, so der meteomedia-Sprecher. „Der Winter gibt noch nicht ganz auf“, sagte Fabian Ruhnau.

dpa / doe

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