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Panorama „Die geilsten Dinger“: Sexistische Edeka-Werbung sorgt in Greifswald für Entsetzen
Nachrichten Panorama „Die geilsten Dinger“: Sexistische Edeka-Werbung sorgt in Greifswald für Entsetzen
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17:45 19.03.2019
In Greifswald sorgte diese sexistische Edeka-Werbung auf einem Bus für Diskussionen. Quelle: Frauenbeirat
Greifswald

Werbeplakate mit Frauen im Bikini können heute keinen mehr empören. Die Werbung, mit der ein Bus der Stadtwerke durch die Greifswalder Innenstadt fuhr, schon. Mit zwei Ananasfrüchten vor den Brüsten strahlt eine Dame im Bikini von der Busrückseite, daneben prangt der Schriftzug „Die geilsten Dinger gibts bei uns“. Werben soll der Bus für einen Einkauf in der Lebensmittelabteilung eines Edekamarktes.

„Ich finde die Werbung geschmacklos und sexistisch“, sagt Ruth Terodde vom Frauenbeirat. „Dass mit den Ananasfrüchten suggeriert wird, es geht um Riesenbrüste, ist absolut unangebracht. Der Slogan, es ginge um geilste Dinger, bestärkt das noch. Ich frage mich wirklich, welche Zielgruppe damit angesprochen werden soll.“ Doch noch etwas anderes treibt Terodde um. „Ich bin sehr verblüfft, wie solche Werbung auf einen städtischen Bus gelangen konnte. Da fehlt offensichtlich ein Kontrollmechanismus und jegliches kritisches Bewusstsein.“

Sexistische Edeka-Werbung wurde auf Internetportal der Stadt gemeldet

Mitglieder des Frauenbeirats haben den Bus kurzerhand beim Portal „Klar-Schiff“ der Hansestadt gemeldet. Auf dieser Internetplattform haben Bürger die Möglichkeit, Missstände im Stadtbild zu melden und mit Klicks zu unterstützen. Ein Bus hat es allerdings noch nie in das Portal geschafft. „Wir hatten innerhalb eines Tages bereits 132 Unterstützer für unsere Meldung“, freut sich Terodde. „Ich habe auch bereits viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen. Auch von Männern, die mir gesagt haben, dass sie die Werbung ,unterirdisch’ finden.“

„Diskriminierende Werbung hat keinen Platz auf kommunalen Bussen“

Die Stadtwerke Greifswald sowie deren 100-prozentige Tochter Verkehrsbetriebe Greifswald reagierten prompt und nahmen den Bus aus dem Verkehr. „Das Heck wurde umgehend von diesem diskriminierenden Werbeaufdruck befreit und neutral weiß gestaltet“, teilte Sprecherin Steffi Borkmann mit. Für den Aufdruck sei eine Werbeagentur verantwortlich, mit der es in der langjährigen Zusammenarbeit noch nie Probleme gegeben hätte, dort gebe es auch eine Qualitätssicherung, die habe aber offenbar nicht funktioniert. „Leider ist es im Rahmen der Werbung zu dieser diskriminierenden Werbung gekommen. Hierfür möchten wir uns in aller Form entschuldigen. Diskriminierende Werbung hat keinen Platz auf kommunalen Bussen.“

Edeka-Geschäftsführer Sven Schneider sprach gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ von einem Missverständnis. „Wir lehnen jegliche Form von Diskriminierung und Intoleranz ab“, so Schneider.

Edeka-Werbung stößt auf Ablehnung

Bei den Greifswaldern stößt die Werbung auf Ablehnung, wie eine Kurzumfrage in der Fußgängerzone ergeben hat. „Ich finde es schwierig, dass immer noch mit so etwas geworben wird“, sagt zum Beispiel die Soziologiestudentin Lisa Grzonkowski. „Die Werbe-Leute müssen doch mal merken, dass das gar nicht geht. Es wirft auch kein gutes Licht auf einen Laden, der sonst mit Nachhaltigkeit wirbt.“

Auch Rentnerin Gisela Merx findet die Werbung nicht gut. „Das ist abstoßend und hat keinen Bezug zu den Lebensmitteln“ sagt die Rentnerin. „Ich bin ein bisschen entsetzt. Der Bus ist nicht auf einen bestimmten Personenbereich bezogen, deshalb sehen auch Kinder die Werbung“, sagt Student Yassin Ouahim (19), meint jedoch: „Ich finde es aber nicht sehr sexistisch, die Frau wusste ja, wie sie fotografiert wird.“

Frauenbeirat spricht sich für Regelung aus

Der Frauenbeirat der Hansestadt hat sich für die Einführung einer Regelung ausgesprochen, wie es sie beispielsweise bereits in Bremen oder Berlin-Friedrichshain gibt. Dort ist Werbung, die Frauen diskriminiert oder auf Lustobjekte reduziert, auf kommunalen Flächen verboten. Ein entsprechender Antrag soll in den Hauptausschuss eingebracht werden.

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Von Anne Ziebarth/OZ/RND