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Panorama Erzbischof: Papst wird bald sein Schweigen brechen
Nachrichten Panorama Erzbischof: Papst wird bald sein Schweigen brechen
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14:34 15.03.2010
Missbrauchsfälle: Papst Benedikt XVI. wird sein Schweigen brechen.
Missbrauchsfälle: Papst Benedikt XVI. wird sein Schweigen brechen. Quelle: dpa (Archiv)
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Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben, sagte der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, dem Mailänder „Corriere della Sera“. Ob der Hirtenbrief auch auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, war unklar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewertet das Verhalten des Papstes als Unterstützung für die deutschen Bischöfe. „Die Bundeskanzlerin begrüßt, dass der Heilige Vater die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung dieser abscheulichen Taten ausdrücklich unterstrichen hat“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. Für die Bundesregierung sei es ein gutes Zeichen, dass die Bemühungen der katholischen Kirche und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, „ausdrücklich die Rückendeckung des Vatikans haben“. Die Regierung sei zufrieden mit dem, was Zollitsch an Botschaften aus dem Vatikan mitgebracht habe.

Zollitsch hatte am Freitag bei einer Audienz mit dem Papst über die Missbrauchsfälle in Deutschland gesprochen. Danach drang lediglich an die Öffentlichkeit, dass der deutsche Papst sehr erschüttert sei. Beim traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag in Rom sprach das Kirchenoberhaupt den Skandal nicht an. Auch beim Abendgottesdienst in der deutschen Christuskirche in Rom äußerte er sich nicht dazu. Benedikt XVI. besuchte dabei erstmals in seiner Amtszeit als Pontifex ein evangelisches Gotteshaus.

Das Schweigen des Papstes sei auf die „Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit“ des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache, betonte Erzbischof Fisichella. Ob der Hirtenbrief an die irischen Bischöfe auch ausdrücklich auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, ließ er offen.

In Irland ist Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche seit langem ein Thema. Zwei Untersuchungsberichte hatten im vergangenen Jahr tausendfachen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der Kirche dokumentiert. Der Papst hatte irische Bischöfe deshalb vor kurzem nach Rom zitiert. Der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, gerät zunehmend unter Druck, lehnt aber einen Rücktritt ab. Nur der Papst könne ihn zu solch einem Schritt bewegen, sagte Brady am Montag.

„Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchskandale hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei“, kritisierte Erzbischof Fisichella. Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass in Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) ein Priester nach Missbrauchsvorwürfen von Essen nach München versetzt worden war. In Bayern verging sich der Priester erneut an minderjährigen Jungen.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), der auch Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken ist, bescheinigte der Kirche eine schwere Glaubwürdigkeitskrise. Im ARD-Morgenmagazin sagte er: „Die Kirche muss mit sich ehrlicher und strenger sein; und das gilt natürlich auch für den Papst.“ Das Vertrauen in die Kirche sei schwer erschüttert: „Gerade für eine Institution, die moralische Autorität beansprucht, sind strengere Maßstäbe anzulegen - selbst wenn man weiß, dass es Kindesmissbrauch nicht nur unter dem Dach der Kirche gegeben hat.“ Auch CDU-Chefin und Kanzlerin Merkel mahnte eine gesamtgesellschaftliche Debatte an, da es nicht nur um sexuellen Missbrauch in der katholische Kirche gehe.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in der katholischen Kirche einen „respektablen Kurswechsel“ im Umgang mit Tätern und Opfern. Neben einer offensiven Aufklärung sei aber auch eine wirksame Prävention nötig, machte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Montag) deutlich. Potenzielle Täter fürchteten am meisten das Risiko, dass eine Tat entdeckt werden könnte. „Daher ist alles gut, was die Anzeigebereitschaft der Opfer fördert“, betonte Pfeiffer. Denkbar wäre nach seiner Ansicht ein Angebot an alle Schülerinnen und Schüler auch an katholischen Schulen, unter ihren Lehrern eine Vertrauensperson als Ansprechpartner oder - partnerin für sexuellen Missbrauch zu wählen.

dpa

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