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Panorama Ex-MDR-Sportchef Mohren zu Bewährungsstrafe verurteilt
Nachrichten Panorama Ex-MDR-Sportchef Mohren zu Bewährungsstrafe verurteilt
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19:45 29.09.2009
Wilfried Mohren Quelle: ddp
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Sollte die Staatsanwaltschaft nicht in Berufung gehen, bleibt dem 51-Jährigen damit die gefürchtete Gefängnisstrafe erspart. Das Gericht unter Vorsitz von Carsten Nickel folgte mit seinem Urteil dem Plädoyer der Verteidigung. Die Anklage hatte für ihn eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert, wegen der finanziellen Beeinträchtigung der Familie allerdings von einer Geldstrafe abgesehen.

Am Vormittag hatte Mohren ein umfassendes, sehr emotionales Geständnis abgelegt und zugegeben, unrechtmäßig Gelder von Sportverbänden und Unternehmen angenommen zu haben. Dabei sei er „zu nah am Gegenstand der Berichterstattung“ gewesen. Er entschuldigte sich für sein „unrichtiges Verhalten“. Zugleich versuchte er, sich als Opfer seiner damaligen Geschäftspartner darzustellen, die ihn massiv unter Druck gesetzt hätten.

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Die Staatsanwaltschaft hatte Mohren vorgeworfen, auf eigene Rechnung öffentlich-rechtliche Sendezeit an Sportverbände und Unternehmen verkauft zu haben. Ihm sollen auf diese Weise knapp 331.000 Euro zugeflossen sein. Dafür hat er für Unternehmen und die Stiftung Deutsche Sporthilfe werbewirksame Auftritte im MDR-Fernsehen arrangiert. Zur Verschleierung wurden die Zahlungen über die Veranstaltungsfirma von Mohrens Frau Christiane, die wegen Beihilfe ebenfalls vor Gericht stand, abgewickelt.

Zuvor hatte die Kammer bereits am Dienstagmorgen in Erwägung gezogen, Mohren im Falle eines glaubhaften Geständnisses eine Strafobergrenze von zwei Jahren auf Bewährung zuzusichern. Diese Aussicht auf ein Leben außerhalb von Gefängnismauern schien Mohren erst recht angespornt zu haben, vor Gericht möglichst authentisch zu wirken. Er habe von seinem damaligen Arbeitgeber MDR eine generelle Nebentätigkeitserlaubnis bekommen und deshalb zunächst kein schlechtes Gewissen wegen seiner Verträge mit Unternehmen und Organisationen gehabt. Durch sein Festhalten an einem Moderationsvertrag, bei dem er nur Ausfallhonorar kassierte, habe er „den Eindruck der Beeinflussbarkeit erweckt“.

In Bezug auf die von ihm kassierten Gelder von der Stiftung Deutsche Sporthilfe betonte Mohren, er habe Dienstliches und Privates nicht getrennt und sei „unsensibel“ gewesen. „So eine Verbindung hat ein Geschmäckle nach außen“, gestand der Ex-Sportchef, der seine äußerst emotional wirkende Erklärung immer wieder unterbrechen musste und um Fassung rang. „Was passiert ist, ist furchtbar“, beendete der Angeklagte sein Geständnis.

Die Ermittlungen gegen ihn hätten wegen seiner Bekanntheit durch das Fernsehen eine „Prangerwirkung“ gehabt, sagte Mohren. Die Tätigkeit beim MDR sei für ihn die Erfüllung eines Lebenstraums gewesen. Die Zeit nach seiner fristlosen Entlassung sei für ihn unter anderem wegen der „medialen Stigmatisierung“ ein vier Jahre langer fortlaufender Alptraum gewesen, erklärte Mohren mit zitternder Stimme.

Der Angeklagte musste sich wegen Bestechlichkeit in 19 Fällen Vorteilnahme, Betrug und Steuerhinterziehung verantworten. Bereits vor Beginn des Prozesses hatten sich Mohren und der MDR am 9. September überraschend auf einen Vergleich geeinigt. Danach muss das Ehepaar Mohren bis zum 1. Oktober an den MDR knapp 331.000 Euro sowie zusätzlich 50.000 Euro als Ersatz für bisherige Prozesskosten zahlen. Im Gegenzug dafür wollte der MDR seine Schadenersatzklage gegen ihn vor dem Arbeitsgericht Leipzig zurücknehmen.

ddp