Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama Fabrikchef nach Giftschlamm-Unglück festgenommen
Nachrichten Panorama Fabrikchef nach Giftschlamm-Unglück festgenommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 11.10.2010
In Kolontar sind die Einsatzkräfte damit beschäftigt, einen Auffangdamm für eine mögliche neue Giftwelle zu errichten.
In Kolontar sind die Einsatzkräfte damit beschäftigt, einen Auffangdamm für eine mögliche neue Giftwelle zu errichten. Quelle: dpa
Anzeige

Eine Woche nach dem Giftschlamm-Unglück greift Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hart durch. Zur Eröffnung der wöchentlichen Parlamentssitzung am Montag gab der rechtskonservative Regierungschef bekannt, dass der Generaldirektor der Ungarischen Aluminium-AG (MAL), Zoltan Bakonyi, festgenommen worden sei. Die Behörde habe für den Top-Manager Untersuchungshaft beantragt. Wie Orban weiter ankündigte, will der Staat die MAL, die privaten ungarischen Eigentümern gehört, in seinen Besitz bringen und selbst weiterführen.

Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer auf acht gestiegen. Die Leiche des seit dem Unglück vermissten Opfers sei gefunden worden, teilte der Leiter des Katastrophenschutzes, Tibor Dobson, am Montag mit. Bei dem Unglück waren zudem 150 Menschen verletzt worden.

Am Montag vergangener Woche war ein Abfallbecken der MAL im westungarischen Ajka geborsten. Fast eine Million Kubikmeter Bauxitschlamm liefen aus und überschwemmten mehrere Dörfer. Sieben Menschen starben. Mehr als 4000 Einsatzkräfte sind in der Region im Einsatz, um die Verwüstungen zu beseitigen und eine mögliche zweite Giftschlammwelle zu verhindern.

In Ungarn traf unterdessen ein sechsköpfiges Expertenteam der Europäischen Union (EU) ein. Die Spezialisten wollen sich vor Ort ein Bild von der Lage machen, Daten sammeln und den ungarischen Behörden bei der Bewältigung der Umweltkatastrophe helfen. Dem Team gehört auch Reinhard Röder an, Leiter der Abteilung für Zentrale Analytik im Bayerischen Landesamt für Umwelt.

In dem am schlimmsten betroffenen Dorf Kolontar waren die Einsatzkräfte weiter damit beschäftigt, einen Auffangdamm für eine mögliche neue Giftwelle zu errichten. Die einen Kilometer lange und vier Meter hohe Mauer soll den laugenhaltigen Schlamm aufhalten, falls die Mauer des Abfallbeckens der MAL erneut bricht. In der Mauer waren vor dem Wochenende neue Risse bemerkt worden. Die Erosion habe sich aber nicht mehr weiter ausgebreitet, sagte der Leiter des ungarischen Katastrophenschutzes, György Bakondi, auf einer Pressekonferenz in Budapest.

Ein Gesetz zur Wiederverstaatlichung der MAL könnte noch am Montag im Parlament gebilligt werden. Orbans Regierungspartei Bund Junger Demokraten (FIDESZ) verfügt in der Volksvertretung über eine komfortable Zweidrittelmehrheit. Das Unternehmen befindet sich im Besitz ungarischer Geschäftsleute, die bei der Privatisierung der Aluminiumindustrie in den 1990er Jahren dank ihrer politischen Beziehungen zum Zug gekommen waren. Der festgenommene Generaldirektor Bakonyi ist der Sohn von einem der Mitbesitzer.

dpa/afp