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Panorama Fährten deuten auf einen Kampf der Giganten
Nachrichten Panorama Fährten deuten auf einen Kampf der Giganten
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19:06 03.09.2009
Von Gabriele Schulte
Dino-Krimi: Die Abdrücke von Dinosauriern deuten auf eine Verfolgsjagd hin. Quelle: Handout (Archiv)
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Ehrfürchtig kratzt Verena Frank mit ihrem Meißel im Schlamm. „Da! Alle drei Zehen, vorn eine Kralle!“ Was für Laien zunächst wie eine Pfütze im bröckelnden Sandstein aussah, entpuppt sich als deutliche Dinosaurier-Spur – Teil einer Fährte, die Riesenechsen vor 140 Millionen Jahren im Sand hinterließen. Wie Frank und die anderen hier buddelnden Urgeschichtler vermuten, hat sich an diesem nun im Kreis Nienburg gelegenen Ort ein Kampf der Giganten abgespielt.

Im August entdeckten Arbeiter im Steinbruch neben dem Gelände des heutigen Dino-Parks Münchehagen verheißungsvolle Abdrücke im Sandstein. Auf knapp 600 Quadratmetern legen Historiker seitdem täglich weitere Spuren frei. Mit jedem Puzzleteil können die Forscher die Geschichte fortschreiben, die Grabungsleiter Oliver Wings als „wahren Dino-Krimi“ bezeichnet. Abdrücke von vier Dinosauriern sind zu erkennen, sie deuten auf eine Verfolgsjagd hin.

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Für Wings stellt sich die „zu Stein gewordene Momentaufnahme“ bisher so dar: Zwei „kleine“ Raubsaurier, immerhin fünf Meter lang, jagen einen Pflanzenfresser der Gattung Iguanodon. Plötzlich betritt ein großer, etwa sieben Meter langer Raubsaurier die Bildfläche – die 40 Zentimeter langen Fußabdrücke lassen einen hochgefährlichen Allosaurus vermuten. „Es sieht so aus, als ob der große hinter einem der kleinen Raubsaurier hergerannt ist“, sagt Wings. Der kleine habe seine Schritte beschleunigt, sei offenbar ausgewichen, habe einen Schlenker gemacht, eine Art Haken geschlagen. Innerhalb der nächsten Tage hofft der Grabungsleiter aus Berlin die Stelle zu entdecken, an der die Fährten zusammentreffen. „Eine Kampffährte wäre sensationell, weltweit einmalig.“

Aber selbst wenn sich die Annahme als falsch herausstelle, seien seit August in Münchehagen die „mit am besten erhaltenen Raubsaurier-Spuren“ freigelegt worden.
Schon früher hat es hier und im nahen Obernkirchen spektakuläre Funde gegeben. Sie sind im Dinopark und im hannoverschen Landesmuseum zu bestaunen, die auch die neue Grabung finanzieren. Dass die Fährten der ausgestorbenen Tiere gerade in dieser Gegend sichtbar sind, hängt mit der Sandsteinschicht über dem Tonboden zusammen. Sie soll auf eine Sturmflut zurückgehen und hat die Abdrücke einen halben Meter unter der derzeitigen Erdoberfläche gut konserviert.

Was heute schwer vorstellbar ist: Vor 140 Millionen Jahren, als die Riesenechsen das jetzige Weserbergland bewohnten, war die Gegend eine tropische Insellandschaft. Die Tiere stapften durch Schlamm. „Der große Saurier stand bis zu den Knöcheln im Wasser, die kleineren wohl bis zur Hüfte“, sagt Wings. Schlammig geht es auch an diesem Donnerstag im Münchehagener Steinbruch zu. Besorgt betrachtet Oliver Wings die bröckelige Sandsteinschicht, die gerade freigelegt wurde – mithilfe eines Baggers, danach mit Brecheisen. Die frisch entdeckte Fährte müsste schnell ausgekratzt, gewaschen und mit Klebstoff versiegelt werden. Doch das geht erst, wenn sie nach dem Regenschauer getrocknet ist. Anschließend werden die Spurenplatten in der Ausstellungshalle im Dinopark wieder zusammengesetzt.

Dort ist Urgeschichtlerin Verena Frank sonst mit dem Präparieren von Saurierknochen beschäftigt. Die Ausgrabung aber fasziniert sie besonders: „Wir sind schließlich die Ersten, die nach 140 Millionen Jahren diese Abdrücke sehen.“

Interessierte, die das auch erleben wollen, können sich ohne Anmeldung am Sonntag, 6. September, ab 10 Uhr an einer Grabung beteiligen. (www.dinopark.de)