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Panorama Fliegen im gesperrten Luftraum - Zehntausende wieder daheim
Nachrichten Panorama Fliegen im gesperrten Luftraum - Zehntausende wieder daheim
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22:40 20.04.2010
Die Flugverbote sind bis 2 Uhr am Mittwoch verlängert worden.
Die Flugverbote sind bis 2 Uhr am Mittwoch verlängert worden. Quelle: dpa
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Fliegen in gesperrtem Luftraum und Hoffnung auf weitere Entspannung im Flugverkehr: 700 bis 800 Flugzeuge mit Zehntausenden von Menschen an Bord waren am Dienstag über Deutschland unterwegs - trotz der Vulkanasche aus Island und oft auf eigene Verantwortung der Piloten. Das waren allerdings weniger als zehn Prozent der sonst üblichen Flüge. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) verlängerte die Sperrung des Luftraumes zwar bis mindestens Mittwoch, 2 Uhr. Eine umstrittene Ausnahmeregelung für Flüge auf Sicht machte den Flugverkehr dennoch in begrenztem Umfang möglich. Dabei lag die Verantwortung nicht bei der Flugsicherung, sondern bei den Piloten, wie der DFS-Sprecher Axel Raab sagte.

Insgesamt waren über Europa nach Angaben von Eurocontrol, der europäischen Luftsicherheitsbehörde, rund drei Viertel des Luftraums am Dienstag wieder offen für den Flugverkehr.

Unterdessen schien sich die Basis allen Übels zu entschärfen: Der Vulkan am Eyjafjalla-Gletscher stoße Lava und „fast reinen Wasserdampf“ aus - und kaum mehr Asche, teilte das Meteorologische Institut in Reykjavik mit. Die Rauchwolke erreiche auch nicht mehr die Höhe, von der aus sie der Luftstrom auf den europäischen Kontinent bringen könne. Die bereits bestehende Wolke könne sich aber weiter halten oder auch verschieben.

Die deutschen Fluggesellschaften machten eifrig von der am Montag beschlossenen Ausnahmeregelung Gebrauch, vor allem, um gestrandete Reisende heimzubringen. „Wir haben befürchtet, dass wir erst Anfang Mai zurück können“, sagte Winni Appel nach seinem Flug von Gran Canaria nach Düsseldorf. „Ich bin schon von meinem 5-Sterne- Hotel in eine Wohnung gezogen und habe den Kühlschrank voll gemacht.“ Allein die Rewe Touristik erwartete bis zum Abend 90 Prozent ihrer fast 15.000 Gestrandeten zurück, Tui wollte im Tagesverlauf 20.000 Urlauber nach Hause holen. Am Montag hatten noch rund 100.000 Pauschaltouristen und eine unbekannte Zahl von Individualreisenden im Ausland festgehangen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte am Montagabend nach einer Telefonkonferenz mit den EU-Verkehrsministern erklärt, die Fluggesellschaften dürften Passagiere mit kontrollierten - also von Radarlotsen unterstützten - Sichtflügen befördern. Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisierte die Regelung. An der wissenschaftlichen Einschätzung der Gefährlichkeit habe sich nichts geändert, sagte Vorstandsmitglied Jörg Handwerg am Morgen dem Deutschlandfunk. „Man hat nur eine juristische Winkelkonstruktion gesucht, um die Flugzeuge in die Luft zu bringen.“

Das Thema Sichtflug hat noch andere Knackpunkte: Gesellschaften, die in Deutschland nach dieser Regelung unterwegs sind, durchfliegen nach Angaben der Flugsicherung auch Luftschichten mit Asche darin - auf eigenes Risiko. „Diese Verantwortung können wir nicht übernehmen“, sagte Raab der Nachrichtenagentur dpa. Da die Aschewolken unterhalb von etwa 6000 Metern lägen, beginne darüber der ganz normale Flug, der von Lotsen gesteuert werde. Neben solchen Flügen gebe es auch die Variante, dass die Maschinen unter 3000 Meter hoch fliegen und erst in freigegebenem Luftraum - etwa in den Niederlanden - höher steigen, erklärte Air Berlin auf Anfrage. Über die Flughöhe der Maschinen in Deutschland hatte es zunächst widersprüchliche Angaben gegeben.

Auf Sichtflüge einlassen müssen sich Reisende nach Auffassung des Frankfurter Flugrechtsexperten Prof. Ronald Schmid nicht. „Wem das zu unsicher erscheint, kann auch eine Umbuchung verlangen“, sagte der Anwalt. Wenn die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) solche Flüge in der gegenwärtigen Situation für unverantwortlich halte, müsse der Laie nicht zu einem anderen Ergebnis kommen. Ein gewisses „Restrisiko“ bleibe aber, dass der Passagier auf zusätzlichen Kosten sitzen bleibe.

Klar ist laut Schmid die Haftungsfrage im Falle eines Absturzes geregelt. Da müssten die Fluggesellschaften auch für Fehlleistungen ihrer Angestellten einstehen. Die Piloten, die auf Anweisung ihrer Gesellschaften die Sichtflüge durchführten, seien zwar für ihre Maschine verantwortlich. Ein zusätzliches Haftungsrisiko gingen sie aber nicht ein. Schmid zeigte sich irritiert über die Argumentation einiger Fluggesellschaften, dass doch bereits mehrfach Flugzeuge unfallfrei geflogen seien. „Das erinnert mich an ein kleines Kind, das sagt, dass es auch gestern nicht auf einem zugefrorenen See eingebrochen ist.“

In Europa könnten rund die Hälfte aller eigentlich vorgesehenen Flüge stattfinden, schätzte die europäische Luftsicherheitsbehörde in Brüssel. Jenseits von sechs Kilometern Höhe sei inzwischen der komplette europäische Luftraum geöffnet. Darunter sei die Konzentration der Vulkanasche aus Island vor allem in Nordwest-Europa noch so hoch, dass oft Einschränkungen nötig seien.

Die am Montag vereinbarte EU-Regelung sieht vor, dass der Luftraum nur noch dort gesperrt wird, wo eine bestimmte Konzentration der Asche überschritten wird. „Wenn die Konzentration das Zehnfache des normalen Wertes beträgt oder überschreitet, wird das betroffene Gebiet gesperrt“, sagte eine Sprecherin der Eurocontrol. Die Konzentration lasse sich mit Satelliten ermitteln, deren Instrumente die Vulkanasche in der Luft nachweisen können.

Deutschland lag zunächst an der östlichen Grenze des gesperrten Luftraums. Andere Regionen wie Tschechien, Südpolen und das östliche Österreich waren frei. In den Niederlanden nahmen die Flughäfen den Betrieb schrittweise wieder auf, auch der Luftraum über großen Teilen Frankreichs und Norditaliens war offen. Das Gebiet über Großbritannien und Irland war wie in den Tagen zuvor noch mit Flugverboten belegt.

Airlines und Flughäfen in Europa verlangen wegen ihrer Millionenverluste immer lauter staatliche Unterstützung. Der europäische Verband der Flughäfen ACI Europe und der Verband der Fluggesellschaften AEA forderten in einer gemeinsamen Erklärung eine „angemessene Antwort auf europäischer Ebene“ - Finanzspritzen etwa für Notfall-Leistungen wie Verpflegung und Übernachtungen. „Allein die Flughäfen haben in den vergangenen fünf Tagen mindestens 200 Millionen Euro verloren“, sagte ein Sprecher von ACI Europe.

Nach Angaben der EU-Kommission hat bislang noch keines der 27 EU- Mitgliedsländer seine Fluggesellschaften mit Staatsgeld unterstützt. Staatliche Beihilfen können von nationalen Regierungen gezahlt werden - die Brüsseler EU-Wettbewerbshüter müssen die Summen aber genehmigen. Die EU-Kommission hatte bereits in Aussicht gestellt, die Auflagen für staatliche Subventionen zu lockern und Beihilfen schneller zu genehmigen. Sie will zudem in der kommenden Woche einen ersten Bericht über die wirtschaftlichen Folgen des Chaos’ im vorlegen.

dpa

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