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Panorama Flugsicherung lockert Verbote an sieben Flughäfen
Nachrichten Panorama Flugsicherung lockert Verbote an sieben Flughäfen
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17:57 18.04.2010
Reisende am Flughafen Hannover.
Reisende am Flughafen Hannover. Quelle: dpa
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Der Ausbruch des Vulkans am isländischen Eyjafjalla-Gletscher wird den Flugverkehr in Europa in den nächsten Tagen weiter behindern. Am Sonntag saßen Hunderttausende Flugreisende schon am dritten Tag in Folge fest, die Bundeskanzlerin fuhr im Auto von Rom nach Berlin, auf Straßen und Schienen herrschte Ausnahmezustand, Luftfracht kam nicht ans Ziel.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erlaubte am Sonntagnachmittag für einige Stunden wieder Flüge an sieben Flughäfen im Land. Bis 20 Uhr durften Maschinen in Frankfurt/Main, Frankfurt-Hahn, Berlin- Schönefeld, Berlin-Tegel, Erfurt, Leipzig und Hannover wieder eingeschränkt starten und landen. „Plötzlich hat sich die Aschewolke anders bewegt als gedacht“, erläuterte DFS-Sprecher Axel Raab. Auf allen anderen Flughäfen durften bis mindestens 20.00 Uhr am Sonntagabend keine Flugzeuge starten oder landen.

Der Vulkan spuckte unterdessen weiter Asche. Wegen der riesigen Wolke registrierte Eurocontrol seit Donnerstag 63.000 abgesagte Flüge, wie die Flugsicherheitsbehörde am Sonntag in Brüssel mitteilte. Das schafft für Milliardenverluste - und Vertreter einiger Airlines bezweifeln, ob die Flugausfälle notwendig waren.

Sonderkonferenz der EU-Verkehrsminister

Mehrere Länder hatten ihre Airports bereits bis Montag geschlossen. Auch das Überqueren des Kontinents sei unmöglich, erklärte Eurocontrol. Die Europäische Union hat für Montag eine Sonderkonferenz der Verkehrsminister einberufen. Der Verkehrsausschuss des Bundestages will am Dienstag über Konsequenzen der weitreichenden Flugverbote beraten.

Der Vulkan stieß die Asche in eine Höhe von rund 8000 Metern, wo der Wind sie in Richtung Skandinavien trieb. Ein Hochdruckgebiet hielt die Wolke aber in ihrer Position. In Deutschland sagten Meteorologen erst für Dienstag eine Wetteränderung voraus. Tief „Queenie“ soll dann zwar neue Asche aus Island bringen, der Regen könnte den Vulkanstaub dann aber aus der Luft waschen.

Airlines kritisieren Luftraumsperre

Vertreter einiger Airlines warfen Meteorologen und Vulkanologen vor, es fehlten genauen Messdaten über die Aschekonzentration am Himmel. In Deutschland sei nicht mal ein Wetterballon zur Messung des Vulkanstaubs in der Luft, rügte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. „Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Volcanic Ash Advisory Centre in London“, sagte Hunold der „Bild am Sonntag“.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) widersprach: Messungen mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißenberg bei München hätten Vulkanasche in den Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern belegt. „Die Wolke ist da“, sagte ein Meteorologe in Offenbach. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte nach eigenen Angaben bereits am Samstag mit einer Lasermessung die Wolke nachgewiesen. Die Teilchen aus der Vulkanasche können nach Expertenmeinung die Triebwerke und Sensoren von Flugzeugen beschädigen und Piloten die Sicht nehmen.

Auch die Lufthansa als größte europäische Luftfahrtgesellschaft verlangte verlässliche Messungen. Es gebe bislang keine konkreten Daten über die tatsächlichen Auswirkungen des Vulkanausbruchs, sagte ein Konzernsprecher in Frankfurt. Die Lufthansa verwies auf einen Bericht der „Bild am Sonntag“, demzufolge ein DLR-Forschungsflugzeug nicht einsatzbereit war. Fünf von sechs Lasermessgeräten des DWD seien gerade in der Wartung gewesen.

DLR-Messflug startet am Montag

Die DLR will an diesem Montag einen Messflug in einer Höhe von 3000 bis 10.000 Metern von Oberpfaffenhofen bei München starten. „Zum Einsatz kommt eine Falcon 20E, die gerade mit speziellen Messgeräten ausgerüstet wird“, sagte der Berliner DLR-Sprecher Andreas Schütz. Der Geschäftsführer von Germanwings, Thomas Winkelmann, sagte, es sei nicht akzeptabel, dass es Tage dauere, ehe ein Messflug möglich sei.

Die Lufthansa hatte am Samstag zehn Flieger ohne Passagiere auf andere Airports gebracht. In Höhen bis zu 8000 Metern hätten sie „keinen Kratzer“ durch Aschestaub erlitten, sagte ein Sprecher. Auch Air Berlin hatte bei Sichtflügen in 3000 Metern Höhe keine Probleme. „Uns verwundert, dass die Ergebnisse der Testflüge (...) keinerlei Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Luftsicherheitsbehörden gefunden haben“, sagte Hunold am Sonntag in Berlin.

Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, sagte dem „Tagesspiegel“ (Montag), er sei davon ausgegangen, dass vor einer solchen Entscheidung „entsprechend sauber recherchiert“ werde. Der frühere Formel-1-Weltmeister und Airline-Chef Niki Lauda („Flyniki“) kritisierte die Luftraumsperrung, am Sonntag unternahm der Österreicher ebenso einen Testflug ohne Passagiere wie die Austrian Airlines. Auch die französische Fluggesellschaft Air France und die niederländische KLM unternahmen erfolgreiche Tests.

Allein auf den Kanarischen Inseln saßen am Wochenende mehr als 70.000 Urlauber fest, auf Mallorca waren allein am Samstag 50.000 Mallorca-Reisende von dem Chaos betroffen. Viele müssen sich mit Zügen, Mietautos oder Bussen und Fähren durchschlagen. Sollte die Sperrung der Lufträume aufgehoben werden, wird es nach Ansicht von Experten mehrere Tage dauern, ehe sich der Reiseverkehr normalisiert hat. Die Fluggesellschaften forderten vorsorglich eine Lockerung des Nachtflugverbots. Zu spät wird den kommenden Tagen auch die Post kommen, weil die Postflüge ausfielen.

150 Millionen Euro kostet nach Angaben des Flugverbandes IATA jeder Tag mit weitreichenden Luftraumsperrungen die Branche. Experten rechnen damit, dass der Vulkan noch längere Zeit riesige Mengen Dampf und Asche in die Atmosphäre spucken wird. „Erst wenn das Wasser ausgeht, wird der Vulkan friedlich werden“, sagte der Würzburger Vulkanologe Bernd Zimanowski. Bisher sei die einen Kubikkilometer große Eisschicht erst zu 20 bis 30 Prozent aufgebraucht.

Merkels Odyssee durch Europa

Bei der Trauerfeier für den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria fehlten wegen des Chaos viele Staatsgäste, darunter US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vertraten Deutschland in Krakau.

Merkel setzte unterdessen ihre Odyssee quer durch Europa fort. Die Kanzlerin hatte auf dem Rückweg von ihrer USA-Reise zunächst in Lissabon und dann in Rom Station machen müssen. Als sie am Samstag per Limousine nach Südtirol weiterreiste, hielt die Reifenpanne eines Busses die Delegation auf. Am Sonntag fuhr Merkel nach Berlin weiter.

Angehörige der vier in Afghanistan getöteten Soldaten warten weiter darauf, dass die Särge nach Deutschland kommen. Die Maschine mit zwei schwer verletzten Soldaten musste in Istanbul landen.

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dpa

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