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Panorama Französischer Atommeiler beunruhigt Saarländer
Nachrichten Panorama Französischer Atommeiler beunruhigt Saarländer
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16:41 25.03.2011
Die französischen Reaktoren im Osten des Landes beunruhigen die Menschen in Deutschland Quelle: dpa (Archiv)
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Gefällig fließt die Mosel im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg durch beschauliche Weinberge. Doch das idyllische Bild wird auf französischer Seite durch vier mächtige Kühltürme des Atomkraftwerks Cattenom gestört. Jetzt wird den Menschen mit dem Drama in Japan die Gefahr bewusst, die nur wenige Kilometer entfernt liegt. „Bis vor kurzem hatte man sich daran gewöhnt. Aber man wird schon ein bisschen unruhig, wenn man die Bilder aus Japan sieht“, sagt Winzer Helmut Herber im saarländischen Perl.

Der Atommeiler steht schon lange auf der anderen Seite der Mosel. Im Jahr der Tschernobyl-Katastrophe 1986 ging der erste 1500 Megawatt-Reaktor in Cattenom ans Netz, bis 1991 folgten drei weitere mit gleicher Kapazität. Betroffen von einem GAU dort wären als erste wohl die Bewohner von Perl und Umgebung. Unmittelbare Konsequenzen hätte ein Unfall aber auch für die Nachbarn in Frankreich selbst und in Luxemburg sowie in etwas weiter weg gelegenen Kommunen im Saarland und Rheinland Pfalz.

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Nach Fukushima sind bei Politikern und AKW-Gegnern die Rufe nach einer europäischen Lösung immer lauter geworden. Niemand könne nach den Ereignissen in Japan mehr behaupten, dass Atomkraftwerke sicher seien, konstatiert Saar-Grünen-Chef Hubert Ulrich. „Und wir haben unsere Todeszentrale vor dem Haus stehen.“

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) versprach jetzt, er werde sich direkt an den französischen Präsidenten wenden. Er forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, spätestens beim nächsten deutsch-französischen Gipfel im Mai Cattenom zum Thema zu machen. Dabei geben sich alle Beteiligten keiner Illusionen hin, dass sich die Franzosen umstimmen lassen. Denn das Nachbarland setzt voll auf Atomkraftwerke, in denen es 80 Prozent seines Strombedarfs produziert.

Fritz Schuler vom Polizeiposten Perl weiß, dass die Nachbarn im Atomland Frankreich viel unbekümmerter mit möglichen Gefahren der Atomkraft umgehen. Und zur letzten größeren Demo unter dem Motto „Cattenom Non Merci“ („Cattenom Nein Danke“) im September seien fast nur Atomkraftgegner aus Deutschland nach Perl gereist - ein paar Dutzend Luxemburger und ganz wenige Franzosen.
Die saarländischen Behörden haben immer wieder kritisiert, dass der Betreiber EDF oft erst Tage danach über Störfälle berichtet. Und davon hat das Umweltministerium in Saarbrücken in den vergangenen Jahren rund 750 registriert. Immerhin lud EDF am Dienstag überraschend zu einer Pressekonferenz nach Cattenom, bei der AKW-Direktor Stéphane Dupré-la-Tour versuchte, zu beschwichtigen.

dpa