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Panorama „Gorch Fock“-Rekruten dürfen an Land trainieren
Nachrichten Panorama „Gorch Fock“-Rekruten dürfen an Land trainieren
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16:06 21.04.2012
Foto: Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wird derzeit repariert und kehrt im September 2012 in seinen Heimathafen Kiel zurück.
Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wird derzeit repariert und kehrt im September 2012 in seinen Heimathafen Kiel zurück. Quelle: dpa (Archivfoto)
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Kiel

Als die „Gorch Fock“ in ihrem Heimathafen Kiel einlief, flossen Tränen. Fast ein Jahr ist es her, dass die weiße Bark von ihrer schwersten Reise zurückkehrte, eine Fahrt, die vom tödlichen Unfall einer jungen Kadettin und Schikanevorwürfen überschattet wurde. Die Marine zieht nun aus der Affäre die erste sichtbare Konsequenz: Am Dienstag setzt sie in der traditionsreichen Marineschule Mürwik bei Flensburg erstmals einen Übungsmast. Damit und mit anderen Maßnahmen soll die Ausbildung auf dem Segelschulschiff sicherer gemacht werden. Doch nicht nur der Ruf der „Gorch Fock“ hat gelitten: Sie muss in Niedersachsen für mehr als 7,3 Millionen Euro repariert werden. Im September kehrt sie dann nach Kiel zurück.

28 Meter hoch ist der ockergelbe Übungsmast, ein kleiner Bruder des 45 Meter hohen Mastes auf dem Schiff. „Wichtig ist, dass die Kadetten erste Erfahrungen mit der Höhe bekommen“, sagt der Presseoffizier der Marineschule, Tim Gabrys, selbst Ausbildungsleiter. Denn später auf dem Schiff wird es nach einer Vorbereitungszeit ernst: „Jeder Handgriff muss sitzen.“

Wie gefährlich der Aufstieg in die Takelage sein kann, hatte der tödliche Sturz der 25-jährigen Sarah Ende 2010 gezeigt. Die junge Frau war nach mehrmaligem Aufentern aus schwindelerregender Höhe gestürzt. Es war erst der zweite Tag ihrer Segelvorausbildung. Kurz nach Sarahs Tod wurden Vorwürfe von Offiziersanwärtern bekannt, die sich drangsaliert und schikaniert fühlten.

Der Unfall rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan, die zum Schluss kam: Es war ein Unfall. Doch sie ließ Kritik an den Ausbildungsregeln erkennen. Auch ein Ministeriumsbericht stellte schwerwiegende Mängel im Dienstalltag an Bord fest.

Das soll nun besser werden. Nach Angaben der Marine werden zum Beispiel auf dem Schiff Überstiegshilfen an die Masten montiert, um Abstürze zu verhindern. Außerdem gehen die Kadetten künftig erst nach sechs und nicht schon nach drei Monaten an Bord. Dort bleiben sie dann länger als bislang und mit mehr Vorbereitungszeit. Ein Kadettenoffizier soll als Vermittler zwischen Offiziersanwärtern und Stammbesatzung mit auf die Bark kommen, weil es immer wieder zu Spannungen kam.

Aber erstmal muss die „Gorch Fock“ wieder startklar sein. Im Herbst ging sie zu Routinearbeiten auf die Lindenau Werft in Kiel. Doch was bei der Generalüberholung 2010 noch nicht aufgefallen war, zeigte sich nun: Rost. Der Rumpf soll zwölf Millimeter dick sein, an einigen Stellen seien es aber nur noch sechs bis acht, sagte der Sprecher des Marineamts in Rostock, Gunnar Wolff. „Das, was man jetzt sieht, wurde vorher nicht erkannt.“

Nun wird das Schiff in Bremerhaven repariert. Die Kosten belaufen sich nach Angaben Wolffs bereits auf 7,3 Millionen Euro, die Instandsetzung sei aber noch nicht abgeschlossen. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, das für die Auftragsvergabe zuständig ist, wollte keine Zahlen nennen.

Anfang September kann die „Gorch Fock“ nach Kiel zurückkehren, erst nach der Kieler Woche. Dann steht sie unter dem neuen Kommandeur Helge Risch, der Anfang August das Kommando übernimmt. Sein Vorgänger Norbert Schatz war im Zuge der Affäre abgesetzt worden und kehrte auf eigenen Wunsch nicht zurück.

Die ersten Offiziersanwärter sollen Anfang 2013 wieder an Bord kommen. Wohin die Fahrt dann geht, ist offen. Die neue, aber immer noch harte Ausbildung soll den Charakter formen, den Teamgeist und das Verantwortungsgefühl stärken und ein Gefühl für die Seefahrt vermitteln. Das geht nach Ansicht der Marineleute so nur auf dem Segler. Gabrys: „Nur dort können wir zeigen, welche Kräfte Wind und Wellen haben.“

dpa