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Panorama Haftbefehle wegen Mordes nach tödlicher Attacke in S-Bahn
Nachrichten Panorama Haftbefehle wegen Mordes nach tödlicher Attacke in S-Bahn
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13:12 13.09.2009
Kerzen stehen am Sonntagmorgen am S-Bahnhof Solln in München. Quelle: ddp
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Es handle sich nach Auffassung der Ermittler um einen Mord aus niedrigen Beweggründen, sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur am Sonntag in München vor Journalisten. Demnach hätten die 17 und 18 Jahre alten Tatverdächtigen am Samstag dem Geschäftsmann tödliche Schläge und Tritte verpasst, weil er vier Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren vor einem Erpressungsversuch beschützen wollte. Das Tatopfer habe sich besonnen und vorbildlich verhalten und sei aus Rache dafür getötet worden.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) bekräftigte aus Anlass des Falls die CSU-Forderung, dass 18-jährige Straftäter immer nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Nach dem derzeitigen Recht kann bei 18- bis 21-Jährigen auch Jugendstrafrecht angewandt werden. „Es geht selbstverständlich auch um die Sühne für den Fall“, erklärte Merk zur Begründung der Forderung. Sie äußerte sich entsetzt über die Rohheit des Angriffs. Zur Abschreckung mutmaßlicher Täter forderte Merk außerdem die Videoüberwachung auch auf S-Bahnen auszudehnen.

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Der zu Tod geprügelte Mann war am Sonnabend in der S-Bahn dazwischengegangen, als zwei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren eine Gruppe jüngerer Jugendlicher bedrohten. Am Bahnhof Solln seien alle Beteiligten ausgestiegen, "die beiden Jugendlichen gingen auf den 50-jährigen Mann los und schlugen auf ihn ein", so ein Polizeisprecher. Der Mann sei durch den Angriff zu Boden gegangen, mit dem Kopf aufgeschlagen und "hat sich nicht mehr gerührt". Der von Augenzeugen schnell alarmierte Notdienst und später die Ärzte im Krankenhaus hätten den 50-Jährigen nicht retten können. Er starb am Abend im Krankenhaus.

Die beiden Täter ergriffen den Angaben zufolge die Flucht, als sie sahen, dass ihr Opfer sich nicht mehr bewegte. Sie rannten über die Bahngleise davon. Als Polizisten die Strecke nach der Tat absuchten, hörten sie Geräusche aus einem Gebüsch. Weil auf mündliche Aufforderungen zum Herauskommen niemand reagiert habe, zwangen die Beamten den Angaben zufolge die beiden Jugendlichen mit vorgehaltener Waffe zum Verlassen ihres Verstecks. Gegen sie ermittelt die Mordkommission. Bei dem Streit in der S-Bahn ging es den Angaben zufolge um Geld. Die beiden Täter drohten den jüngeren Jugendlichen mit Schlägen, wenn sie nicht ihr Geld herausrücken würden.

Der Tod des 50-Jährigen erinnert an einen ähnlichen Vorfall in München Ende 2007. Damals schlugen zwei Jugendliche auf einen 76-jährigen Rentner ein, nachdem dieser einen von ihnen aufgefordert hatte, seine Zigarette in der U-Bahn wieder auszumachen. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt, die beiden Täter wurden im Juli 2008 zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

ddp/afp