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Panorama Isrealischer Expräsident Katsav zu sieben Jahren Haft verurteilt
Nachrichten Panorama Isrealischer Expräsident Katsav zu sieben Jahren Haft verurteilt
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18:29 22.03.2011
Der frühere israelische Präsident Mosche Katsav (links) wurde von einem Gericht wegen Vergewaltigung verurteilt.
Der frühere israelische Präsident Mosche Katsav (links) wurde von einem Gericht wegen Vergewaltigung verurteilt. Quelle: dpa
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Nach der Verkündung des Strafmaßes brach Israels ehemaliges Staatsoberhaupt am Dienstag fassungslos in Tränen aus. „Das ganze Urteil ist ein Fehler“, rief der 65-jährige Ex-Präsident Mosche Katsav aufgebracht. „Die Lüge hat gesiegt.“ Er muss nun für sieben Jahre ins Gefängnis - wegen Vergewaltigung zweier Mitarbeiterinnen und sexueller Belästigung einer Dritten. In Israel kommt die erste Haftstrafe für einen so ranghohen Staatsmann einem politischen Erdbeben gleich. In der israelischen Macho-Gesellschaft galten sexuelle Übergriffe lange als Kavaliersdelikt.

Der spektakuläre Prozess gegen „Bürger Nummer eins“, wie Präsidenten in Israel genannt werden, dauerte 18 Monate. Der erbitterte Schlagabtausch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung zog sich über mehr als 60 Sitzungen hin. Israelische Medien waren sich aber schon lange einig, dass ein Prozessende ohne Haftstrafe eigentlich undenkbar wäre, obwohl Israels beste Anwälte für seine Freiheit kämpften.

Auf öffentliches Mitleid kann Katsav nicht hoffen. „Ins Gefängnis“ schrieb die israelische Zeitung „Jediot Achronot“ am Dienstagmorgen in fetten roten Lettern auf ihrer Titelseite - da war das Strafmaß noch gar nicht verkündet. Die linksliberale „Haaretz“ lieferte schon genüsslich einen Vorgeschmack darauf, was Katsav vom 8. Mai an im Gefängnis erwartet. Ein Foto zeigt den Blick, den er künftig aus seiner Zelle haben dürfte: Durch dicke Gitterstäbe ist ein schmuddeliger Gefängnishof zu sehen.

Mit 16 Quadratmetern sei sein Zimmer immerhin doppelt so groß wie jene seiner Mithäftlinge, schrieb das Blatt. Aus Furcht vor Selbstmord sei mit ständiger Überwachung des berühmten Häftlings zu rechnen - Toilette und Dusche seien deshalb nur mit Milchglas abgetrennt. Er könne in seiner Zelle zwar fernsehen und in einer Kochecke Essen zubereiten, müsse aber ansonsten wie jeder andere Häftling morgens zum Appell im Hof erscheinen. Immerhin werde er tagsüber freien Zugang zum Telefon und zum Gefängnisgang haben.

Katsavs Lebenslauf gleicht einer Achterbahn: Nach der Einwanderung seiner Familie aus dem Iran lebte er als Kind unter ärmlichsten Bedingungen in einem israelischen Auffanglager im Zelt. Dann folgte der kometenhafte Aufstieg, es gelang ihm als erstem orientalischen Juden, das höchste Amt im Staat zu erringen. Und jetzt ist er wieder ganz unten angelangt.

Mit seiner Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ im Umgang mit der Sexaffäre ist der Ex-Präsident grandios gescheitert. Im Sommer 2006 war er zunächst in die Offensive gegangen und hatte sich bei Israels Generalstaatsanwalt beschwert, eine ehemalige Mitarbeiterin wolle ihn mit Vorwürfen über sexuelle Belästigung erpressen. Das Blatt drehte sich jedoch rasch, insgesamt zehn Frauen beschwerten sich über das Staatsoberhaupt.

Nach seinem Rücktritt einigten sich seine Anwälte mit der Staatsanwaltschaft auf ein Schuldeingeständnis Katsavs für ein geringeres Strafmaß. In dem Glauben, er könne sich mit juristischen Tricks ganz unbefleckt aus der Affäre ziehen, schlug Katsav den Handel jedoch damals aus.

„Alle sind vor dem Gesetz gleich“, betonte der Vorsitzende Richter George Kara am Dienstag. Vergewaltigung sei ein besonders schwerwiegendes Verbrechen. Gerade eine „Symbolfigur“ wie Katsav müsse deshalb besonders hart bestraft werden.

dpa