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Panorama Johannes „Jopie“ Heesters auf dem Münchener Nordfriedhof beerdigt
Nachrichten Panorama Johannes „Jopie“ Heesters auf dem Münchener Nordfriedhof beerdigt
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19:51 30.12.2011
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München

Gott hat ihn doch nicht vergessen. Jopie Heesters ist tot, die Menschen nehmen Abschied, Hunderte sind gekommen. „Ich bin als Kind mit Ihren Filmen aufgewachsen“, schreibt eine Frau ins Kondolenzbuch an den „Sehr geehrten Herrn Heesters“. Andere haben einfach „Danke“ notiert oder „Unvergessen“. Im Durchgang zur Aussegnungshalle am Münchener Nordfriedhof steht ein großes Bild, das den greisen Johannes Heesters zeigt, im weißen Hemd und mit gestreiftem Sakko. Ein Mann hat eine Collage aus Heesters-Trophäen gebastelt: Fotos aus den unterschiedlichsten Zeiten, eine alte 45er-Single – alles handsigniert. Freunde, Verwandte, Fans nehmen Abschied von dem Sänger und Schauspieler. An Heiligabend ist Heesters im Alter von 108 Jahren gestorben. „Gott hat mich vergessen“, hat er einmal gesagt. Gestern wurde er beerdigt.

Ein eisiger Wind pfeift im nördlichen Schwabing die Ungererstraße entlang, als die 200 geladenen Trauergäste tröpfchenweise vor dem Friedhof eintreffen. Ein riesiges Aufgebot an Fernsehteams und Fotografen steht bereit. Heesters’ 74-jährige Tochter Nicole trifft ein, seine Nichte Saskia und der Schauspieler Thomas Fritsch, der eine weiße Rose in der Hand hält. Moderatorin Caroline Beil ist dabei, außerdem die Regisseurin Cordula Trantow. Schlagersänger Heino hat mit seiner Frau Hannelore einen Kranz als letzten Gruß geschickt.

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Die Trauergäste müssen sich durch die Menge zwängen, um in die Aussegnungshalle zu gelangen, in der Heesters im Eichensarg aufgebahrt ist. Heesters’ Witwe, die 62-jährige Simone Rethel, 46 Jahre jünger als ihr verstorbener Ehemann, wird fast unbemerkt von der anderen Seite zur Halle gefahren. „Ich habe Angst, dass sie vor mir geht“, hat Heesters vor zwei Jahren gesagt. Nun ist er doch der Erste.

Eine Stunde dauert die Trauerfeier. Die Öffentlichkeit bleibt auf Wunsch der Familie ausgeschlossen. Das Programm ist so gestaltet, „wie er es gewollt hätte“, sagt der Bestattungsunternehmer Rudolf Zirngibl. Der Pfarrer Konrad Schreiegg aus Heesters’ Wohnort Starnberg hat sich eine „weitgehend spontane“ Rede vorgenommen. Theaterdirektoren sprechen, die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler spielen Lieder, die Heesters einst gesungen hat.

Es sind nur einige Meter vom markanten ockerfarbenen Bauwerk aus dem Jahr 1884 bis zu der großen, runden und mit einer Steinmauer eingefassten Grabstelle. Zwölf weiße Kerzen brennen dort. Eine ganze Batterie von Kränzen ist aufgestellt – letzte Grüße von Freunden, der Berliner Akademie der Künste, dem Tierschutzverein Starnberg. Ganz in der Nähe findet sich das Grab der Eltern von Simone Rethel. Ihre Mutter Brigitte Rethel, eine Fotografin, war 2000 im Alter von 86 Jahren gestorben. Vater Alfred Rethel, ein Architekt und Bühnenbildner, drei Jahre später mit 81 Jahren. Auch Barbara Rudnik („Polizeiruf 110“), Annemarie Wendl („Lindenstraße“), Reporterlegende Sammy Drechsel und ZDF-Fahnder Eduard Zimmermann sind hier begraben.

Hunderte Besucher versammeln sich. Dunkle Lodenmäntel, viel Nerz und graues Haar dominieren die Szenerie. Eine vergangene Epoche. Menschen, die sich in den fünfziger und sechziger Jahren an Heesters’ leichter Unterhaltung erfreut hatten. Und die es ihm – im Gegensatz zu Landsleuten in seiner holländischen Heimat – auch nicht übel nahmen, dass er in der Nazi-Zeit große Erfolge in Deutschland gefeiert hatte. Dass er sich als unpolitisch gab und doch von Joseph Goebbels als „unverzichtbarer Schauspieler“ geführt wurde. All das spielt heute keine Rolle.

Der Trauerzug kommt, voran gehen Simone Rethel und Heesters’ Enkelin Wiesje Herold. Der Sarg wird in die Grube heruntergelassen, der letzte große Auftritt ist beendet. In großen Buchstaben steht an der Aussegnungshalle geschrieben: „Es ist vollbracht!“

Patrick Guyton

30.12.2011
30.12.2011