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Panorama Käßmann verweigert Preis für Zivilcourage
Nachrichten Panorama Käßmann verweigert Preis für Zivilcourage
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22:38 15.02.2011
Von Michael B. Berger
Margot Käßmann lehnt den Kulturpreis für Zivilcourage ab.
Margot Käßmann lehnt den Kulturpreis für Zivilcourage ab. Quelle: dpa (Archiv)
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„Das ist mir in 25 Jahren noch nicht vorgekommen“, sagt Erich Seidel, Präsident der in Basel beheimateten Stiftung Pro Europa. Die berühmte Frankfurter Paulskirche ist bereits gebucht, 1500 Einladungskarten sind verschickt, doch diejenige, die am 4. März mit einem Preis für „Zivilcourage“ geehrt werden sollte, will den Preis partout nicht annehmen. „Dass in einigen Medien dieser Preis nun ausschließlich mit meinem Rücktritt in Verbindung gebracht wird, entspricht zwar nicht den Tatsachen, lässt mir aber keine andere Möglichkeit, als den Preis abzulehnen“, teilte Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann am Dienstag in einer Erklärung mit.

Eine kleine Meldung im „Spiegel“ ist das, was Stiftungspräsident Seidel eine „große Kommunikationspanne“ nennt. Mit „preiswürdiger Rücktritt“ war die Meldung übertitelt, die an Käßmanns fatale Alkohol-Autotour durch Hannover erinnerte und ihren konsequenten Rücktritt von allen kirchenleitenden Ämtern als Vorbild für Zivilcourage hervorhob – eine Begründung, die selbst unter Käßmanns Kirchenfreunden für Spott oder ungläubiges Staunen sorgte. Ein Zivilcouragepreis für einen Rücktritt? Die Liste derer, die man dafür ehren könnte, wäre gerade in diesem Jahr verdammt lang geraten – im Rückblick auf 2010.

„Aber der Rücktritt war doch nur der Auslöser. Wir wollten einfach das Lebenswerk dieser mutigen Kirchenfrau auszeichnen, die mit ihrem Einspruch ’Nichts ist gut in Afghanistan‘ eine bundesweite Debatte ausgelöst hat“, sagt Stiftungspräsident Seidel. Das deckt sich mit Käßmanns Darstellung, die in einer öffentlichen Erklärung zu Protokoll gab, dass sie vor allem für die von ihr befeuerte Afghanistan-Debatte ausgezeichnet werden sollte. Sie hätte den Ehrenpreis nur angenommen, „um ihn in der Dankesrede den Menschen zu widmen, die sich in der Friedensfrage couragiert an vielen Orten engagieren, ohne dass ihnen je ein Preis dafür verliehen würde“. An der Seriosität der Stiftung bestehe jedenfalls kein Zweifel, hielt Käßmann noch fest und nannte die Namen von Simon Wiesenthal, Hubert Burda, Marcel Reich-Ranicki und ihres EKD-Vorgängers Wolfgang Huber als frühere Preisträger.

Die indes wären auch zu ihrer Preisverleihung gekommen. „1500 Menschen sind geladen, da kann man fast nicht mehr zurück“, sagte Stiftungspräsident Seidel, der mit seinem Stiftungsrat das weitere Vorgehen besprechen wird. Herangetreten war die Stiftung an Käßmann übrigens vermittels einer Frau, die vergangenes Jahr ebenfalls von ihrem Leitungsposten zurückgetreten war – die Hamburger Bischöfin a. D. Maria Jepsen. Zufall oder böses Omen für Käßmanns Rücktritt vom Ehrenpreis wegen der Meldung über den angeblichen „preiswürdigen Rücktritt“?