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Panorama Kaum mehr Kirchenaustritte nach Missbrauchsfällen
Nachrichten Panorama Kaum mehr Kirchenaustritte nach Missbrauchsfällen
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14:38 28.03.2010
Die zahlreichen Missbrauchsfälle in der Kirche habe laut einer Umfrage kaum Einfluss auf die Zahl der Kirchenaustritte. Quelle: dpa
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Auch die Alkoholfahrt der anschließend zurückgetretenen evangelischen Bischöfin Margot Käßmann ist für Kirchenaustritte nicht von Gewicht, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Ein Trend zu mehr Kirchenaustritten sei nicht erkennbar, sagte Stadtsprecher Karlheinz Utgenannt in Hannover. So seien in der zweiten Märzwoche in der Landeshauptstadt 22 Katholiken und 24 Evangelen aus der Kirche ausgetreten. Im Vorjahreszeitraum waren es 14 Katholiken und 37 Protestanten. Zwar würden die Bürger auf dem Standesamt nicht nach den Gründen für einen Kirchenaustritt gefragt, wenn sie sich dazu äußerten, hätten sie aber meist finanzielle Gründe genannt.

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Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche habe bisher nicht zu mehr Austritten geführt, sagte die Sprecherin der in Bremen für die Statistik der Austritte zuständigen Evangelischen Kirche, Sabine Hatscher. Auch Käßmanns Alkoholfahrt habe nicht zu gehäuften Austritten geführt. „Es hat Androhungen gegeben“, meinte Hatscher. Dennoch habe keiner der Abtrünnigen seinen Austritt mit Käßmanns Trunkenheitsfahrt begründet.

In Hildesheim am Sitz des Bistums, das in den vergangenen Wochen mehrfach Missbrauchsfälle melden musste, haben Katholiken sich ebenfalls nicht in Scharen von der Kirche abgewandt. Im Januar seien 11 und im Februar 16 Menschen aus der Kirche ausgetreten, im Vorjahr seien es 13 beziehungsweise 10 Menschen gewesen, sagte eine Stadtsprecherin. Das Göttinger Standesamt verzeichnete in diesem Jahr bisher 53 Austritte. „Bei uns gab es sogar einen leichten Rückgang, denn im Vergleichszeitraum des Vorjahres traten 56 Personen aus“, sagte der Göttinger Dechant Bernd Langer.

Im katholisch geprägten Duderstadt im südniedersächsischen Eichsfeld hat es seit Start der Missbrauchsaffäre 19 Austritte gegeben, darunter 14 von Katholiken. Im Vorjahreszeitraum hätten neun Menschen ihren Austritt erklärt, sagte Standesbeamtin Ute Lenz. Die Zahl in diesem Jahr sei deshalb „nicht besonders auffällig“. Der Probst des Dekanats Untereichsfeld, Wolfgang Damm, wollte nicht ausschließen, dass die Zahl der Austritte im Zusammenhang mit den Vorwürfen noch zunimmt.

In Lüneburg haben sich in diesem Jahr schon 26 Katholiken von ihrer Kirche abgewandt, das sind zehn mehr als im gleichen Zeitraum 2009. Verstärkt hätten die betroffenen Katholiken dabei in den vergangenen Tagen als Grund für ihr Vorhaben die Missbrauchsfälle genannt, sagte eine Sprecherin der Hansestadt. Bei den Lüneburger Protestanten habe sich der Skandal offenbar nicht auf die Zahl der Austritte ausgewirkt.

In Salzgitter wirkt sich der Missbrauchsskandal nach Angaben der Stadt bislang offenbar nicht auf die Zahl der Ausgetretenen aus. Insgesamt sei sie gegenüber dem ersten Quartal des vergangenen Jahres um etwa ein Viertel zurückgegangen. Keine Auffälligkeiten bei den Austritten meldeten auch die Städte Braunschweig und Meppen. In Melle registriert das Standesamt unterdes seit Februar und März, dass derzeit vermehrt Katholiken aus der Kirche austreten. Gründe nannten die Menschen auf dem Standesamt aber nicht.

dpa

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