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Panorama Kirchentag in Bremen mit Gottesdiensten eröffnet
Nachrichten Panorama Kirchentag in Bremen mit Gottesdiensten eröffnet
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23:02 20.05.2009
Mehrere tausend Menschen sind am Mittwoch beim Eröffnungsgottesdienst für den 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen dabei.
Mehrere tausend Menschen sind am Mittwoch beim Eröffnungsgottesdienst für den 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen dabei. Quelle: Kay Nietfeld lni
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Bundespräsident Horst Köhler rief die Menschen angesichts der Wirtschaftskrise zu mehr Solidarität auf. Er verstehe die Losung des Kirchentages „Mensch, wo bist du?“ als einen Aufruf zum Zusammenstehen. Es sei ein Aufruf, aus den Fehlern zu lernen und „uns die große Aufgabe zuzutrauen, die vor uns liegt“, sagte das Staatsoberhaupt in einem Grußwort zur Eröffnung.

Der Kirchentag solle Zeit geben, um einander zuzuhören, betonte Köhler. „Wir leben in einer Zeit des tief reichenden Wandels, und es liegt an uns, diesen Wandel zu gestalten.“ Krise sei immer auch die Versuchung, sich auf eigene Faust herauszuschlagen. „Jeder für sich“ könne aber nicht mehr länger die Antwort sein. Erst das habe in die „Klemme geführt, in der wir jetzt stecken“.

Pastor Renke Brahms prangerte in seiner Eröffnungspredigt auf der Bürgerweide Gier und Selbstüberschätzung in der Gesellschaft an. „Nichts ist schlimmer als jene unverschämten Menschen, die immer mehr wollen und die gar nicht mehr das Unrecht, das sie leben, spüren und mit dem sie sich auf Kosten anderer bereichern“, sagte er.

Brahms rief die Zuhörer auf, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Zentrale Herausforderungen seien die Kinderarmut, die Chancengleichheit im Bildungssystem, der weltweite Hunger, der Klimawandel und die Kriege in Konfliktregionen.

Kirchentagspräsidentin Karin von Welck rief zu einem friedlichen Dialog der Religionen auf. Es solle nicht „um Abgrenzung gehen, sondern um den vorurteilsfreien Diskurs und gemeinsame Werte“, sagte die parteilose Hamburger Kultursenatorin. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sprach von einer „positiven Zusammenarbeit“ zwischen den Kirchen. „Ich bin nicht der Meinung, dass eine ökumenische Eiszeit ausgebrochen ist“, sagte der Katholik. Gleichzeitig rief er zu weiteren Anstrengungen zum Erhalt des Erreichten auf.

Einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft forderte der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. „Wir dürfen einfach nicht nur zum Alten zurück. Sondern, was wir brauchen, ist ein Aufbruch zum Besseren“, sagte Steinmeier. Auch die Politik müsse in der Krise neue Antworten finden und dürfe die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Man dürfe nicht so tun, als sei die Krise nur „ein Sommergewitter, das sehr bald vorüberzieht“, mahnte der Außenminister in seinem Grußwort.

Nach den Gottesdiensten sollten nach Veranstalterangaben rund 250 000 Einheimische und Kirchentagsbesucher in Bremen einen „Abend der Begegnung“ mit Musik, Theater und Kleinkunst unter freiem Himmel feiern. Zum Abschluss sollte der Abendsegen auf allen Bühnen mit einem Lichtermeer von 150 000 Kerzen begleitet werden. Zudem war eine Inszenierung mit rund 800 Sängern geplant, die auf 75 Schaukeln in den Bäumen der Wallanlagen, auf vier Innenstadt-Bühnen, 40 Weserschiffen und 30 Kanus im Wallgraben sitzen.

Tausende Besucher waren den ganzen Tag über zum Kirchentag angereist und hatten sich zu spontanen Gebeten oder Gesängen auf der Straße zusammengefunden. Insgesamt rechnen die Veranstalter bis Sonntag mit rund 100 000 Dauerteilnehmern. Am Donnerstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Veranstaltung erwartet.

ddp