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Panorama Kleine Schulen für die Kleinsten
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19:00 15.04.2012
Von Saskia Döhner
Foto: Seit Jahren kämpfen Eltern und Lehrer um das Überleben der Minigrundschule in Heinsen: Drei Lehrerinnen kümmern sich hier um 32 Schüler.Kunzfeld
Seit Jahren kämpfen Eltern und Lehrer um das Überleben der Minigrundschule in Heinsen: Drei Lehrerinnen kümmern sich hier um 32 Schüler.Kunzfeld Quelle: Kunzfeld
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Hannover

Die Schulen für die Kleinsten sind in Niedersachsen schon jetzt selbst oft ziemlich klein. Von den 1780 Grundschulen landesweit sind knapp 70 regelrechte Minigrundschulen, die es nicht mehr auf eine Klasse pro Jahrgang bringen. Oft werden hier die nur knapp 40 Kinder jahrgangsübergreifend unterrichtet. Manchmal sind die Schulen sogar so winzig, dass Schüler aus allen vier Jahrgänge in einer Klasse sitzen.

Mit dem demografischen Wandel werden die Schülerzahlen in den nächsten Jahren weiter zurückgehen - nach Schätzungen der Landesregierung in manche Regionen um 20, in anderen sogar um 40 Prozent. Für die Minigrundschulen brechen harte Zeiten an. Ihr Erhalt kann für manche überschuldete Gemeinde zur Überlebensfrage werden. Denn die Angst sitzt tief, dass nach der Schulschließung der Ort für junge Familie nicht mehr attraktiv ist.

„Wir haben den demografischen Wandel schon hinter uns“, sagt Astrid Gause-Marhenke von der Glückaufschule in St. Andreasberg. 34 Schüler gehen zurzeit in die Oberharzer Grundschule - in zwei jahrgangsübergreifende Klassen. Neben der Schulleiterin gibt es zwei Lehrerinnen und eine pädagogische Mitarbeiterin. Die Rektorin ist eine überzeugte Befürworterin der kleinen Systeme. „Wir können viele sozial auffangen.“ Außerdem sei sechsjährigen Kindern eine einstündige Busfahrt zu einer weiter entfernt gelegenen Schule nicht zuzumuten, meint sie. Kleinsein biete auch Chancen, sagt die Rektorin aus St. Andreasberg: Ganztagsbetrieb bis 15.30 Uhr, regelmäßige Fortbildungen für die Pädagoginnen und inklusiver Unterricht sind für Gause-Marhenke selbstverständlich. Zu ihren Schülern gehören auch Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Sprachschwierigkeiten.

Steht das Aus einer Schule konkret bevor, schlagen die Emotionen meistens hoch. So wie bei der Grundschule Hemeln mit 36 Schülern in zwei Klassen in Hann.Münden, in der Eltern und Lehrer seit vier Jahren um den Erhalt kämpfen. „Stirbt die Schule, blutet das Dorf aus. Dann muss auch der Kindergarten um seine Zukunft bangen“, sagt Schulleiterin Katrin Redemann. „Eine kleine Schule ist ein Juwel.“ Sie berichtet von einem Zweitklässler, der nach den Osterferien an die Schule gekommen ist. Zwei Jahre lang sei der Junge mit Angst zur Schule gegangen. In Hemeln fühle er sich endlich wohl. Stolze 4600 Unterschriften hat der 900-Einwohner-Ort für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Grundschule gesammelt. Inzwischen hat der Rat in Hann. Münden den Beschluss zur Auflösung zurückgenommen. Auch die Grundschule Heinsen im Kreis Holzminden kämpft seit Jahren um ihr Überleben.

Manchmal sichert die Zusammenlegung die Zukunft. Die Grundschule Lesse mit 70 Kindern in Salzgitter wird zum Sommer eine Außenstelle der sieben Kilometer entfernt liegenden Grundschule Lichtenberg mit 135 Kindern. Mit gemeinsam mehr als 180 Schülern steht dem Standort dann beispielsweise nicht nur ein Schulleiter, sondern auch ein Konrektor zu. Für die chronisch überlasteten Leiter kleiner Schulen bleibt der Stellvertreter hingegen ein frommer Wunsch. Rektorin Maria Gröschler, die derzeit zwischen den Standorten Lesse und Lichtenberg pendelt, kann der Fusion nur Vorteile abgewinnen: „Die Arbeit verteilt sich auf mehr Schultern, das bringt für alle Entlastung.“ Falls die Schule aufgelöst werde, müssten die Kinder auf mehrere Schulen aufgeteilt werden. Vier Klassen könne keine Schule in der Umgebung geschlossen aufnehmen

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