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Panorama Kontakt zu mutmaßlichem Attentäter abgebrochen
Nachrichten Panorama Kontakt zu mutmaßlichem Attentäter abgebrochen
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10:52 22.03.2012
Das Mehrfamilienhaus in Toulouse wird weiter von der Polizei umstellt. In der Nacht gab es mehrere Explosionen. Quelle: dpa
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Toulouse

Der mutmaßliche Serienkiller von Toulouse will sich nicht ergeben. Der französische Innenminister Claude Guéant betonte, es habe in den vergangenen Stunden keine Gespräche mit Mohamed Mehra gegeben. „Wir haben während der Nacht keinen Kontakt mit ihm gehabt, alle Hypothesen sind möglich; wir hoffen, er lebt noch“, sagte Guéant am Donnerstag dem Fernsehsender RTL. Priorität der Polizei sei es, den 23-Jährigen lebend zu fassen, damit er sich vor der Justiz verantworten muss. Mehra habe erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben.

Mit Blick auf die Zermürbungstaktik der Polizei während der Nacht, bei der auch die Fenster und Türen der Wohnung beschädigt worden waren, sagte Guéant: „Es ist seltsam, dass man kein Lebenszeichen gesehen hat, dass er nicht reagiert hat.“ Mohamed Mehra wird verdächtigt, vor einer jüdischen Schule einen Mann und drei Kinder sowie zuvor drei Soldaten in Toulouse und Umgebung erschossen zu haben.

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In der Nähe des Hauses, in dem sich der mutmaßliche Serienkiller von Toulouse seit mehr als 31 Stunden verschanzt hat, waren am späten Donnerstagmorgen drei Explosionen innerhalb einer Minute zu hören. Das berichteten Augenzeugen vor Ort. Auch wurde beobachtet, dass sich die Feuerwehr in einer Nebenstraße offenbar auf einen Einsatz vorbereite. Der mutmaßliche Attentäter, der in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban drei Soldaten, drei Kinder und einen Rabbiner erschossen haben soll, hat sich seit mehr als 30 Stunden in einem Mehrfamilienhaus verschanzt.

Obwohl er sich selbst als „Mudjahedin“ bezeichnet, gehört Mohamed Mehra nach ersten Erkenntnissen der Behörden offenbar keiner bekannten  Untergrundbewegung an. Er stand aber unter Beobachtung der Geheimdienste, nachdem er sich zweimal nach Afghanistan begeben hatte. Zuletzt kehrte er Ende vergangenen Jahres wegen einer Hepatitis zurück und sei auch vom Geheimdienst befragt worden, erklärte Außenminister Alain Juppé im Rundfunksender Europe 1.

Befragt, warum der Geheimdienst ihn nicht besser überwacht und die Bluttaten verhindert habe antwortete Juppé: „Ich verstehe, dass man sich die Frage nach einem Versagen stellen kann.“ Da müsse es in der Tat Klarheit geben. Im TV-Sender BFM hatte dagegen der Zentrums-Politiker und Präsidentschaftskandidat Francois Bayrou erklärt: „Ich denke nicht, dass der Geheimdienst das fundamentalistische Risiko unterschätzt hat.“


Der selbst erklärte Gotteskrieger Mehra war entgegen ersten Informationen bei seinen beiden Afghanistan-Aufenthalten nicht inhaftiert. Die Regierung der südafghanischen Provinz Kandahar dementierte entsprechende Angaben vehement. „Nach den gesamten Unterlagen der Justiz- und Sicherheitsbehörden in Kandahar haben wir nie einen französischen Staatsbürger namens Mohamed Merah inhaftiert“, teilte das Büro des Gouverneurs mit.

Es widersprach Angaben des Direktors des Zentralgefängnisses in Kandahar-Stadt, Ghulam Faruk. Dieser hatte am Mittwoch gesagt: „Wir haben Dokumente, die zeigen, dass Merah 2007 in Kandahars Zentralgefängnis unter unserer Obhut war.“ Dem Häftling sei dann die Flucht gelungen.

Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete am Donnerstag, der Serientäter habe nach seinem blutigen Anschlag auf eine jüdische Schule auch das Feuer auf einen Geistlichen eröffnet, der in einem Lieferwagen gesessen habe. Auf der Flucht habe er mit seinem Colt einen Schuss abgegeben, der den Mann aber verfehlt habe. Das Loch im Fahrzeugblech sei „groß wie ein Zwei-Euro-Stück“, zitiert das Blatt einen Augenzeugen.

dpa/sag

Dieser Artikel wurde aktualisiert.