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Panorama Krankenschwester wegen zweifachen Mordes angeklagt
Nachrichten Panorama Krankenschwester wegen zweifachen Mordes angeklagt
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17:25 12.08.2009
Krankenschwester zweifachen Mordes angeklagt Frau Ehemann Adoptivmutter Überdosis Insulin getötet
Die 32-jährige Krankenschwester Bianca D. (r.) soll ihren ersten Ehemann und ihre Adoptivmutter ermordet haben. Quelle: Norbert Millauer/ddp
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Beide Opfer soll sie mit einer Überdosis Insulin umgebracht haben. Zudem werden der dreifachen Mutter drei Mordversuche angelastet: an ihrer Großmutter und zwei Patienten einer Dresdner Klinik.

Die Anklageschrift ist lang, ebenso wie die Liste der bereits geladenen Zeugen. Allein aufgrund der medizinischen Ausführungen rechnet die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand mit einem zeitaufwendigen Prozess, der sich „weit bis ins nächste Jahr“ hinziehen könne. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe, wie ihre Anwältin nach Verlesung der Anklageschrift mitteilt. Sie will zudem von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen.

Mit leiser, kaum hörbarer Stimme gibt sie am Mittwoch lediglich ihren Namen zu Protokoll und sagt, dass ihre Kinder drei, fünf und elf Jahre alt sind. Ihr Gesicht ist blass, während der Verhandlung konzentriert sie sich auf einen Kugelschreiber und ein Blatt Papier. Bianca D. wurde am 30. Juli 2008 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Staatsanwalt nannte sie „gefährlich für die Allgemeinheit“.

Den ersten Mord soll die Frau im Mai 2001 begangen haben. Ihrem schlafenden Ehemann habe sie in der gemeinsamen Wohnung eine hohe Dosis Insulin verabreicht, an der er starb. Er war kein Diabetiker. Sieben Jahre später soll sie mit der gleichen Methode ihre Mutter, die sie im Alter von vier Jahren adoptiert hatte, getötet haben. Ihr habe sie zuvor mehrfach ein Beruhigungsmittel gegeben und WC-Reiniger in die Augen gespritzt, um einen natürlichen Tod vorzutäuschen. Als Motiv kommt aus Sicht der Staatsanwaltschaft auch Habgier in Betracht, es ging um ein Vermögen in Höhe von 62 000 Euro.

Erst der Tod der 59-jährigen Adoptivmutter im Jahr 2008 brachte die Ermittler auf die Spur der Krankenschwester. Dem Arzt, der den Totenschein ausgefüllt und „Herzinfarkt“ als Todesursache angegeben hatte, kamen kurz darauf Zweifel und er ließ den Totenschein auf „ungeklärt“ ändern. Er sei am Ende nicht mehr sicher gewesen, sagte der Arzt als erster Zeuge vor Gericht. Auffällig sei unter anderem gewesen, dass das Zimmer, in dem die Tote lag, bereits mit Kerzen „nett hergerichtet“ gewesen sei. Zudem habe er keine Trauer bemerkt.

Zwischen den beiden Morden liegen laut Anklageschrift drei weitere Mordversuche: Ihre 84-jährige Adoptivgroßmutter habe die Angeklagte 2005 mit mindestens 20 Dosen Insulin umbringen, einen Patienten in einer Dresdner Klinik mit 80 bis 100 Insulineinheiten töten wollen. Die Großmutter fiel ins Koma und überlebte. Der Mann erlitt schwere Hirnschäden und überlebte nur, weil eine Krankenschwester sein Röcheln gehört hatte. Er ist inzwischen verstorben. Ein Gutachten soll nun klären, ob sein Tod mit dem Mordversuch in Zusammenhang steht.

In einem weiteren Fall soll die Angeklagte einen Patienten zunächst mit einem Beruhigungsmittel betäubt und anschließend den Nachtschrank angezündet haben, um das Zimmer in Brand zu setzen. Eine andere Krankenschwester erlitt dabei eine Rauchvergiftung.

Noch vor ihrer Festnahme hatte die Frau einen neuen Arbeitsvertrag für eine Klinik in der Schweiz unterschrieben. Zum Umzug mit ihren drei Kindern und dem neuen Ehemann in das Reihenhaus kam es nicht mehr. Bei einer Verurteilung droht ihr eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung.

ddp