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Panorama Landesgartenschau ist ein Erfolg
Nachrichten Panorama Landesgartenschau ist ein Erfolg
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11:14 21.08.2010
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Das Lächeln fällt Bürgermeister Günter Harmeyer derzeit noch leichter als an anderen Tagen. Die Landesgartenschau in Bad Essen wird vermutlich schon bald ihre Zielmarke von 400.000 zahlenden Besuchern erreicht haben. Das Gemeindeoberhaupt muss also nicht mehr ein Minus in der Kasse befürchten. Trotz dieser Erfolgsmeldung aus Bad Essen ist die Zukunft der Landesgartenschauen in Niedersachsen ungewiss. Bewerber für die Schau 2014 gibt es noch nicht. Viele Kommunen scheuen offenbar das Risiko.

Morgens um neun Uhr öffnen die Einlasstore zur Landesgartenschau. Viktoria von dem Bussche, die Hausherrin auf Schloss Ippenburg, ist dann schon seit drei Stunden auf dem weiten Gelände unterwegs. Kurz steckt sie den Kopf in einen kleinen Schuppen. Dort haben Berufsschüler aus Melle Gummistiefel, Hacken und Schaufeln abgestellt. An einer Leine baumeln aufgereiht ihre gelben Arbeitshandschuhe. Von dem Bussche erzählt von der Arbeit der Schüler, einem Projekt der Gartenschau: Die jungen Leute aus dem Fachbereich Hauswirtschaft haben einen Nutzgarten angelegt. Die Erbsen sind bereits geerntet, Petersilie und Schnittlauch noch zu sehen. „Mir gefällt hier, dass es wie in einem ganz normalen Garten aussieht“, sagt die Schlossherrin.

Morgens, bevor die Reisebusse zum Gartenschau-Standort an der Ippenburg anrollen, macht von dem Bussche ihre Runde zwischen Beeten und Gewächsen. Die 57-Jährige eilt über das Gelände, sie säubert Beete, spricht mit dem Servicepersonal und nimmt erste Anrufe entgegen. Mit weit ausholenden Armbewegungen zeigt sie auf den Küchengarten. Eingerahmt von einer alten Steinmauer wachsen hier Kohlköpfe und Dicke Bohnen neben knallroten Dahlien und rosa Zinnien. „Schon vor etwa 600 Jahren hat hier die Familie von dem Bussche einen Küchengarten angelegt“, sagt sie. Heute ist Viktoria von dem Bussche eine erfolgreiche Organisatorin von Gartenfestivals. Ohne ihr Gelände an der Ippenburg und ihren Ruf in der Szene derartiger Festivals wäre die Landesgartenschau Bad Essen in so kurzer Zeit wohl gar nicht zustande gekommen. Die Gemeinde im Osnabrücker Land war eingesprungen, nachdem Wiesmoor erst ein gutes Jahr vor der Eröffnung den Zuschlag zurückgegeben hatte.

Jetzt wandern wöchentlich zwischen 15.000 und 25.000 Besucher über die Gartenschau am Schloss und im Kurpark von Bad Essen mit seiner neuen Sole- arena. An kleinen Heckengärten vorbei, in denen Gartenbauer ihre verschiedenen Konzepte verwirklicht haben, führt der Weg zu einer Uferstelle am Schlossgraben. Plastikkübel, Holzpaletten und Rohre liegen herum. „Das ist die Kinderbaustelle“, erklärt Carola Bartelheimer. Die Umweltpädagogin lädt zwei Jungen ein, mit einer kleinen Fähre zur Insel im Teich überzusetzen. Antreiben müssen sie das Wasserfahrzeug mit den eigenen Händen und kräftigen Zügen an einer dicken Leine. Auf der Baustelle können die Kinder selbst Flöße aus Kanistern bauen oder auf einem Wasserxylofon spielen, das sich aus alten Saftflaschen zusammensetzt, die unterschiedlich gefüllt sind.

Weit vor dem Schloss auf einer Wiese parken die Autos der Besucher. Ein Bus bringt sie in den alten Ortskern von Bad Essen. Die Kennzeichen der Autos nennen neben Osnabrück, Emsland, Diepholz und Vechta vor allem Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen. 370.000 Gäste waren bislang auf der Gartenschau. „Wir sind damit mehr als im Plan“, sagt Pressesprecherin Imma Schmidt. Bis zum 17. Oktober ist die Schau noch geöffnet. Die für einen ausgeglichenen Haushalt notwendige Zahl von 400.000 Besuchern sollte bis dahin deutlich übertroffen sein.

„Wir hoffen, dass diese Zahlen eine positive Signalwirkung auf andere Kommunen haben“, sagt im Landwirtschaftsministerium der zuständige Fachreferent Alexander Burgath. Bewerbungen für die Gartenschau 2014 gibt es noch nicht, räumt Burgath ein, wohl aber einige vorsichtige Interessenten. Die „abwartende Haltung“ der Gemeinden, wie der Beamte es nennt, mag im finanziellen Risiko begründet sein. Anders als zum Beispiel Nordrhein-Westfalen beteiligt sich in Niedersachsen die Landesregierung nicht an den Kosten für den laufenden Betrieb. Die machen in Bad Essen immerhin 6,2 Millionen Euro aus und müssen allein durch Eintrittsgelder, Lizenzen und Sponsoren erwirtschaftet werden. Für Defizite steht die Gemeindekasse gerade. „Bad Essen zeigt, dass es geht, wenn alles gut durchkalkuliert ist“, meint Burgath. Das Risiko jedoch bleibt groß. 2006 beendete Winsen an der Luhe die Landesgartenschau dort mit einem Minus von 1,6 Millionen Euro.

Bernhard Remmers